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Meine Zeit in Sri Lanka

Journalismus in Sri Lanka von Olivia Stracke

Löwenfelsen in Sigirya, Sri Lanka Olivia auf dem Löwenfelsen in Sigirya, Sri Lanka Goldener Buddha, Sri Lanka Elefanten in Dambulla, Sri Lanka Kanal in Negombo, Sri Lanka Straßen von Colombo, Sri Lanka

Lange, weiße Palmenstrände, blaues Meer, weite, grüne Teeplantagen, die Geräusche des Dschungels, kunterbunte Märkte, Höhlentempel, volle, laute Straßen... Das ist die Republik Sri Lanka, die bis 1972 Ceylon genannt wurde. Dorthin hatte es mich für einen Monat im Rahmen eines Praktikums für die englischsprachige Zeitung „The Sunday Island“ verschlagen.

Um 5 Uhr morgens kam ich am Bandaranaike Flughafen in Colombo, in der Hauptstadt, an. Das erste, was ich gemeinsam mit den restlichen 400 Fluggästen bemerkte war die unerträgliche, feuchte Hitze - als würde einem ein warmer Waschlappen auf Mund und Nase gedrückt werden.

Auch beim Verlassen des Flughafens ließ der Kulturschock nicht nach. Sri Lanka wird oft als „Perle im Indischen Ozean“ bezeichnet. Ich traf auf meiner Reise einen Inder, der sie als „vollbauchige Birne“ bezeichnete. Und tatsächlich kann das Land auf den ersten Blick weniger elegant, viel mehr sehr chaotisch wirken.

Die Fahrt vom Flughafen zum Haus meiner Gastfamilie war ein einziges Wettrennen. Taxis, Tuk Tuks, Fahrräder, Motorräder, Kleinfamilienwagen, Straßenhunde, Armee- und Schulbusse: Sie alle drängen sich auf den Straßen von Colombo. Stockender Verkehr und Hupkonzerte. Und ich mittendrin. Nach ein paar Tagen in Colombo hatte ich gelernt, den Fahrern zu vertrauen und mich auf das Abenteuer einzulassen. Mir wurde oft versichert: „Wenn du in Sri Lanka fahren kannst, kannst du überall auf der Welt fahren.“ Alles wirkt desorganisiert, folgt aber einem unsichtbaren Plan – wie in einem Ameisenhaufen.

Meine Gastfamilie bewohnte ein nettes Einfamilienhaus im Vorstadtviertel Rajagiriya. In der Einfahrt begrüßte mich die Hausschildkröte, die Glück bringt, und am Gatter zur Haustür meine Gastmutter, Shiranti, die gerne von allen „Auntie“ genannt wird. In Sri Lanka gehört es zum guten Ton, Menschen, die älter sind als man selbst, mit „Auntie“ oder „Uncle“ anzusprechen, also mit „Tantchen“ oder „Onkel“, selbst wenn man sie nicht kennt. Es ist ein Zeichen des Respekts.

Fehlendes Fensterglas an einigen Stellen im Haus veranlasste eine Reihe von kleinen Tierchen den Weg in mein Zimmer zu finden. In meiner ersten Woche konnte ich 6 Geckos, 15 Spinnen, 2 Mäuse und eine Kakerlake zählen. Nichts, was man mit einem Moskitonetz oder einem fetten Insektenspray nicht in den Griff kriegt.

Meine erste Mahlzeit, wie könnte es anders sein, war Reis mit Curry. Sri Lanker lieben dieses Gericht so sehr, dass sie es rund um die Uhr essen. Auch würzen sie das Gericht sehr stark, aber auch daran gewöhnte ich mich. Das Essen in Sri Lanka ist voller exotischer, kulinarischer Leckerbissen, fantasievoll und stark gewürzt. Traditionell wird mit der rechten Hand gegessen, da die linke als unrein gilt.

Sri Lanker sind ein friedliches Volk und helfen immer gerne weiter. Man muss lediglich aufpassen, dass man sich auf der Straße nicht festquatschen lässt und das „Anstarren“ ignoriert. Die meisten Menschen sind einfach nur neugierig und sehen nicht oft Menschen aus fremden Kulturen.

Die Arbeit bei der Zeitung machte großen Spaß. Das Büro liegt mitten in der Innenstadt von Colombo. Ein großer, offener und abgedunkelter Raum mit kleinen Schreibtischnischen. Für mich verantwortlich war ein Redakteur namens Suresh Perera, ein ausgezeichneter Journalist, sehr genau bei der Recherche und einfühlsam in seiner Schreibweise. Von ihm erhielt ich meine Aufträge, die sehr vielfältig waren. Ich durfte einen singhalesischen Umweltwissenschaftler interviewen, einen Neurowissenschaftler, war in einem Heim für Menschen mit geistiger Behinderung, bei der Eröffnung eines neuen Modegeschäfts oder habe eine Führung in der Nienhuis-Fabrik in Sri Lanka bekommen, die Lernmaterialien für Montessori Schulen auf der ganzen Welt herstellt. Durch meine Arbeit für die Zeitung habe ich einen Blick in das Leben der Menschen werfen können, der normalen Touristen verborgen bleibt. Ich habe viele Kontakte geknüpft und gelernt selbstständiger zu arbeiten.

Ich habe auch gelernt, dass Kritik in Sri Lanka nicht offen geäußert wird. Man darf nicht alles schreiben, sondern muss die Gepflogenheiten des Landes respektieren, die Gesetze, die Politik. Wenn jemand beleidigt sein könnte über das, was ich schreibe, wird es nicht gedruckt. Deshalb muss man aufpassen. Ansonsten hatte ich freie Hand und wurde von den Mitarbeiten der „Sunday Island“ stets freundlich unterstützt.

Unter der Woche fuhr ich also in Colombo zu verschiedenen Terminen, schrieb darüber, und am Wochenende führte mein Weg raus aus der Stadt. Nach Kandy, zum Beispiel, einer Stadt im zentralen Gebirge von Sri Lanka, die zu den schönsten Orten des Landes gehört. Oder nach Negombo, an der Westküste, mit seinen Hindu-Tempeln, Häfen und Kanälen oder Sigiriya, wo sich eine spektakuläre Aussicht auf dem Löwenfelsen bietet. Aber aufgepasst: diebische Affen treiben ihr Unwesen. In Colombo selbst lassen sich wunderschöne Sonnenuntergänge und altkoloniale Gebäude betrachten. Anderswo in Sri Lanka schießen anstelle von Häusern permanent kleine Schuppen mit knallbunten Werbetafeln aus dem Boden. Kühe und Straßenhunde laufen überall frei herum.

Als Fremder in Sri Lanka zu wohnen, zu arbeiten und sich in das Leben einzugliedern hat Höhen und Tiefen. Sobald man es als Abenteuer, Spaß, als lehrreiche Erfahrung ansieht und nicht als etwas, dass einen behindert, lebt man sich schnell ein und genießt seine Zeit. Es gehört mit dazu, zu beobachten wie eine Schlange mit dem Gartenschlauch von der Einfahrt verscheucht wird oder zehnmal am Tag gefragt zu werden, ob man für ein Foto mit einer singhalesischen Kleinfamilie posieren kann. Ich habe mir Sri Lanka nicht ohne Grund ausgesucht. Es ist wild, einmalig, exotisch und voller Schönheit und reich an Kulturerbe. An Einiges gewöhnt man sich schneller als an Anderes und auch wenn man sich mit der richtigen Lektüre auf viele der unzähligen, kleinen Kulturschocks vorbereiten kann, wird man doch immer wieder überrascht. Ich habe hier gelernt, mich einfach auf das Leben einzulassen.

Olivia Stracke

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