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Mehr Praxis geht nicht!

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Jura - Praktikum in China von Paul Müller

Ich wollte einen Einblick in die Berufspraxis „echter“ Juristen. Ein Praktikum kann man zudem gut nutzen, um die Welt zu entdecken, dachte ich. Über China hört man prinzipiell immer sehr viel – Positives, wie auch Negatives. Ich wollte mir ein eigenes Bild machen und Shanghai schien mir hierbei ein guter Anfang zu sein.

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Direkt nach meiner Ankunft ging es Montag gleich zur Arbeit. Die Stelle war mir wichtig und ich wusste: Zum Kaffee Kochen komme ich nicht – musste ich auch nicht. Angemeldet habe ich mich für einen Einblick ins Gesellschafts- und Insolvenzrecht in China. Dieser Bitte ist man nachgekommen. Die Kanzlei, bestehend aus 70 Anwälten im Zentrum von Shanghai, stand vor Gericht in London mit einem Schiffsbauer aus Bremerhaven, der kurz vor der Insolvenz stand – mehr Praxis geht nicht!

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Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin, Informationen für die Kanzlei zu recherchieren, um dann Entwürfe zu schreiben. Diese durfte ich dann im kleinen Team aus acht Anwälten vorstellen. Als Gegenleistung wurde ich über das englische Prozessrecht und die Ausgestaltung chinesischer Gesellschaftsformen unterrichtet. So etwas liest man in keinem Lehrbuch. Die Teams arbeiteten verschiedene Themen aus und die Ergebnisse wurden in Konferenzen mit den Partnern verhandelt. Ein überwältigendes Gefühl war es, wenn man auf der PowerPoint Folie einen der aufgeführten Stichpunkte als eigenen wiedererkennt.

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Generell hat mir das Praktikum bei der Wahl meines Schwerpunktes für die Universitätsprüfung sehr geholfen. Durch den Einblick in die Praxis und die Berufswelt in einer Kanzlei kann ich mich nun besser hinsichtlich meiner eigenen Zukunftswünsche orientieren.

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Sehr hoch schätze ich auch den persönlichen Umgang der Anwälte mit mir. Von Anfang an wurde ich integriert und ernst genommen. Man hatte keine großen Erwartungen mir gegenüber bezüglich juristischer Vorkenntnisse, die Kollegen haben sich sehr schnell auf mein Pensum eingestellt und waren mehr daran interessiert, ihre Kenntnisse zu teilen als mein Wissen abzufragen. So verlor ich schnell die Aufregung. Über die Arbeit hinaus haben wir beim täglichen Mittagessen an meiner chinesischen Ausprache gearbeitet, kulturelle Vergleiche angestellt und über Fussball diskutiert. Einer der Anwälte war sogar FC Bayern Fan. Wir haben heute noch Kontakt.

Gewohnt habe ich in einem Apartment mit einem Jungen und einem Mädchen aus Kanada, einem Amerikaner, Franzosen und einem Mädchen aus Amsterdam. Wir haben uns alle sofort verstanden. Ich glaube mit jedem, der sich bereit erklärt, nach China zu gehen, hat man etwas Verrücktes gemeinsam. Die gemeinsamen Erlebnisse verbinden, unabhängig von der Herkunft und den zuvor gemachten Erfahrungen. Für mich war China völlig anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Das war eine sehr bereichernde Erfahrung, nach der ich anfing, auch anders auf unser westliches Dasein zu schauen.

Ich denke oft an diesen einen Abend zurück: Es war gegen 18 Uhr. Ich kam aus dem Büro, machte meine Krawatte auf und ging noch am Pier des Huang-Po-River spazieren. Ich sah zum World-Financial-Center rüber, einem der höchsten Gebäude Chinas. An seiner Kulisse stapelten sich die Wolkenkratzer. Mir kamen unendlich viele Menschen entgegen. Alle sahen anders aus als ich, und sprachen unterschiedliche Sprachen. Mitten in der Menschenmenge sah ich meine WG-Mitbewohner. Sie warteten bereits, denn wir waren gemeinsam zum Essen verabredet. Traditionsgemäß durchlebten wir gemeinsam an diesem Abend die Ereignisse des Tages eines jeden noch einmal, und feierten Erfolge und bewältigte Schwierigkeiten. Ich war bereits seit 4 Wochen in Shanghai, und obwohl es nicht mein letzter Abend war, wusste ich bereits: Ich hätte länger bleiben sollen.

Paul Müller

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