"Hier bin ich richtig!"
Sozialarbeit in Ghana von Dinah Freeborn
Nach dem Abi erst mal weg, aber wohin? - Wie ich auf Ghana gekommen bin, kann ich gar nicht mehr sagen, es sollte Afrika sein und auch englischsprachig, und da passte Ghana ganz gut.
Wenn ich dann jemandem erzählte, was ich vor hatte, war die Reaktion eigentlich immer: "WAS, nach Afrika willst du??? - Ja, ist das denn nicht gefährlich, hast du denn da gar keine Angst wegen Malaria und Aids und Kriminalität?" Sobald man aber mit Leuten sprach, die schon einmal in Afrika, und speziell in Ghana gewesen waren, fingen die Augen an zu glänzen und ich bekam die tollsten Geschichten zu hören. Dadurch wurde meine Vorfreude nur verstärkt, und irgendwann konnte ich es gar nicht mehr abwarten loszufahren.
Als ich dann im Flugzeug saß wurde mir doch langsam ein wenig schlecht, was machte ich da eigentlich gerade, war ich verrückt, mir diese Reise ins vollkommen Ungewisse an zu tun, wenn ich auch einfach gemütlich zu Hause auf dem Sofa sitzen und, so wie die meisten anderen, einfach mit dem Studium anfangen könnte? Als ich dann in Accra aus dem Flieger stieg und die heiße, schwüle Nachtluft mich empfing und ich mit einem lauten "Akwaaba" - "Willkommen" - begrüßt wurde, da war ich mir sicher, hier bin ich richtig!
Von den Verhältnissen in meiner Gastfamilie war ich sehr positiv überrascht, ich hatte zwar nicht unbedingt eine Lehmhütte und ein offenes Feuer zum Kochen erwartet, aber mit einem großen Haus, fließendem Wasser und einer richtigen Dusche und sogar fast immer Strom, hatte ich dann doch nicht gerechnet. Die Verhältnisse im Waisenhaus waren dafür um so schlechter. Wenig Platz, mangelhafte hygienische Verhältnisse und eigentlich keine Privatsphäre machten das Leben für die Kinder dort nicht einfach, aber trotzdem waren sie unglaublich fröhlich und lieb. Um ihnen das Leben ein wenig schöner zu machen haben wir uns viel mit ihnen beschäftigt. Am tollsten waren Ausflüge zum Strand oder Pool, für uns etwas ziemlich normales, aber für die Kinder dort ein absolutes Highlight. Auch andere Dinge wie Weihnachtskarten basteln oder Fußball spielen, sich von ihnen die Haare flechten zu lassen oder mit ihnen zusammen Eis essen, das legendäre Fan Ice nach dem jeder Freiwillige nach spätestens einer Woche süchtig ist, wurden immer begeistert aufgenommen.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es auch mal Momente gab, in denen ich nicht mehr konnte und wollte, wenn mal wieder die Sachen die man gerade für die Kinder gekauft hatte geklaut worden waren, wenn kein Geld für Essen da war, weil das Waisenhaus von den Besitzern nicht unterstützt wurde, oder wenn Kinder nicht zur Schule gehen konnten weil das Geld nicht reichte. Aber solche Momente gehören auch dazu und man muss sich damit abfinden, dass es einfach eine andere Kultur ist, und man nur soweit helfen kann wie es die eigenen Mittel und Möglichkeiten zulassen. Egal wie schwer es manchmal im Waisenhaus war, ich habe die Zeit dort sehr genossen, die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen und es hat viel Spaß gemacht mit ihnen zu arbeiten.
Zu den Höhepunkten meines Aufenthalts zählten auf jeden Fall auch die Reisen die ich mit Freunden an den Wochenenden unternommen habe, sei es an einen wunderschönen einsamen Strand, zu den höchsten Wasserfällen Ghanas, nach Cape Coast und seinem ehemaligen Sklavenfort, zu einem Nationalpark im Norden des Landes fahren und dort Elefanten sehen, oder der die Höhenangst überwinden und einfach in 40 Metern Höhe auf einer Hängebrücke durch den Regenwald spazieren. Es waren immer Abenteuer, weil man nie wusste, wie genau man da hin kommen würde, wo man hin wollte und was einen dort erwarten würde, aber irgendwie haben sich die Probleme immer nach kürzester Zeit in Luft aufgelöst, es gab immer jemanden der einem gezeigt hat, wo es lang geht. Ob das dann auch immer so stimmte war zweifelhaft, aber nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran, dass immer alles "very soon" passiert und das es als Entfernungsangabe nur "near far" oder "far far" gibt.
Auch die Art der Fortbewegung in Ghana ist anfangs gewöhnungsbedürftig, entweder geht man zu Fuß, oder aber man steigt in ein Trotro, meistens alte klapprige Kleinbusse die einen mehr oder weniger gut ans Ziel bringen, mit abfallenden Türen muss man allerdings hin und wieder rechnen. Schnelligkeit wird in Ghana auch eher kleingeschrieben, der Verkehr ist das reine Chaos, wodurch man vor allem in Accra auch gerne mal eine Stunde für 10 km Fahrtstrecke braucht. Aber die Wartezeiten auf und in Trotros kann man sich gut mit dem Kaufen von Plantaine Chips, Fan Ice, Papaya oder unnützem Zeug vertreiben.
Was auch wirklich toll war, war dass man viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Nationen kennen gelernt hat und viele neue Freunde findet.
Ich zähle diese 3 Monate in Ghana zu den allerbesten Erlebnissen, die ich bis jetzt hatte, und würde es auch jedes Mal wieder so machen. Denen, die überlegen auch nach Ghana zu gehen oder in einem Waisenhaus zu arbeiten, kann ich es nur empfehlen, es wird eine tolle Zeit werden und wenn man dem Land und den Leuten offen begegnet, dann nehmen sie einen unglaublich herzlich auf und sind dankbar, dass man gekommen ist um zu helfen.
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