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"Hausen in einer kleinen Lehmhütte"



Sozialarbeit in Ghana von Christiane Waldhauer

Hausen in einer kleinen Lehmhütte, Eimer-Duschen, Essen mit den Händen und Nächte, die nur durch Kerzenlicht erhellt werden können. Dies entsprach etwa meiner Vorstellung von Ghana. Doch mein dreimonatiger Aufenthalt sollte mich eines Besseren belehren!

Angekommen in meiner Gastfamilie, schaute ich völlig verblüfft, als mich ein "normales" Zimmer mit Doppelbett, Bad, Strom und fließendem Wasser erwartete. Und während ich in den ältesten Klamotten steckte und auch der Inhalt meines Koffers nichts Besseres versprach, stellte ich schon am ersten Tag beschämt fest, dass "der Ghanaer" durchaus Wert auf ein smartes Äußeres legt.

Doch das sollte nicht die einzige positive Überraschung bleiben. Die alltägliche Fahrt mit dem landestypischen Tro-Tro-Bus zum Waisenhaus wurde immer wieder zu einem Erlebnis. Meist gab meine Hautfarbe allen Insassen des Busses Anlass zu einem schnatternden Gespräch. Allerdings in der mir unverständlichen Eingeborenensprache Fanti. Wenn ich es dann doch schaffte, ein paar neu erlernte Brocken mit einzubringen, nahm man mich voller Überraschung und Freude in den Kreis der Kommunikation auf und wechselte gnädigerweise wieder in die Amtssprache Englisch. Freundschaften schließt man in Ghana schnell, und nicht selten verließ ich den Bus mit drei Adressen und dem Nachruf eines "neuen Freundes" durch's Fenster: "I will visit you very soon!"

Kurz darauf erkenne ich in der Ferne mindestens zehn Gestalten, die mit einem quietschenden "Sister Christiana!" auf mich zugerast kommen. Jeweils vier Kinder rechts und links an der Hand und eins auf den Schultern, treten wir gemeinsam nach dem allmorgendlichen Wettlauf den Gang zum Waisenhaus an. Der Sieger des Rennens trabt stolz mit seinem Preis (die Erlaubnis meinen Rucksack tragen zu dürfen!) zwei Meter voraus. Nach siebenstündigem Volleyball, Schubkarrenfahren, Verkleiden, Fußball, Kartenspielen (mit Regeln, die mich immer wieder neu faszinierten), Singen, Tanzen und Sandburgenbauen sehnte ich mich anschließend völlig erschöpft nach einer erfrischenden Dusche und einer Stärkung unserer Gastmama, die meist aus meinem Leibgericht "Chicken and Rice" bestand.

Trotz der aufreibenden Arbeitsstunden kam die Freizeit nie zu kurz: Ausspannen an den palmenüberfluteten Traumstränden, Schwimmen im Pool eines Fünf-Sterne-Hotels, Besichtigungen der historischen Burgen oder einfach nur über die Märkte bummeln, deren Angebote und Gerüche einzigartig sind.

Wer einmal völlig vergessen möchte, dass er sich in Afrika befindet, stürzt sich am Besten ins Nachtleben von Accra. Dort tönen aus den Boxen die neuesten Songs der europäischen Hitliste, die Lokalitäten sind mit den unsrigen gleichzusetzen, und auch die Getränkepreise kommen dem westlichen Standard gefährlich nahe.

Meine zweiwöchige Reise quer durch das Land wird für mich immer ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Ich übernachtete im Regenwald, einzig und allein ein Moskitonetz als Schutzmaßnahme. Im Nationalpark durfte ich einen ganzen Nachmittag wilde Elefanten prustend und tauchend an einer Wasserstelle beobachten, und ich erklomm sogar keuchend den höchsten Berg Ghanas.

Ich hatte eine tolle Zeit und möchte sogar die schwierigen Situationen nicht missen.

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