"Von gefräßigen Stachelschweinen, Schlangen und einem Fallschirmsprung"
Naturschutz in Südafrika von Tamara Köstenbauer (Wien/Österreich)
Einfach mal dem Alltag entfliehen und sich in ein großes Abenteuer stürzen - wer hat nicht schon einmal davon geträumt? Ich habe mir diesen Traum erfüllt und nach sieben Jahren als Kindergärtnerin kurzerhand meinen Job gekündigt und mich für drei Monate zum Freiwilligendienst in Afrika begeben. Es sollte die aufregendste Zeit meines Lebens werden - so ging es los in ein völlig neues Leben mit neuen Erfahrungen und neuen Eindrücken!
Nach 24 Stunden in drei Flugzeugen, etlichen Stunden in vollklimatisierten, also eiskalten Transferzonen und schätzungsweise 20 Liter Kaffee bin ich im südafrikanischen Polokwane gelandet. Der kleine Flughafen erinnerte mehr an einen Lego-Flughafen, mit dem ich als Kind gespielt hatte, und als mein Rucksack dann noch per Hand vom Flugzeug in die Ankunftshalle getragen wurde, war mir endgültig klar: This Is Africa!
Gerrit von Projects Abroad hat mich vom Flughafen abgeholt, und wenn er nicht ein Schild in der Hand gehabt hätte, hätte ich ihn trotzdem erkannt.so konnte nur jemand aussehen, der mitten im Busch lebt: lange Haare, Bart, Safari-Hemd und jede Menge Ketten und Armbänder. Er hat mich herzlich willkommen geheißen und im Land Cruiser ging's dann auf eine vierstündige Fahrt ins Legodimo-Bush-Camp nach Botswana. Das Camp liegt direkt am Limpopo-River, der die Grenze zwischen Südafrika und Botswana bildet und sollte nun für drei Monate mein zu Hause sein. Während der Fahrt durch die unendlich weite Landschaft wurde mir klar, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte: Dieses Land war einfach einmalig und ich hatte das Gefühl nach Hause zu kommen, obwohl ich erst so kurz da war.
Nach dem kleinen Grenzübergang passierten wir auch schon den Eingang zu dem Naturreservat, in dem das Legodimo-Camp liegt. Dort angekommen wurde ich von den anderen Freiwilligen herzlich begrüßt und im Camp herumgeführt. Bei meiner Ankunft lebten neun andere Freiwillige aus den USA, England und Holland hier. Außerdem noch zwei Leute von Projects Abroad, die immer für uns da waren.
Das Camp liegt mitten im Nirgendwo und wie der Name sagst ist es "der Platz, wo Gott lebt" (in Tswana, der Landesprache von Botswana). Wir waren in einfachen Steinhäusern untergebracht, es gab keine Elektrizität (mit einer Autobatterie konnten wir unsere Handy- und Kamera-Akkus aufladen und die Kühlschränke wurden mit Propangas betrieben), Warmwasser nur dann, wenn wir ein Feuer unter einem Kessel machten und die Duschen und Toiletten befanden sich im Freien. Einige werden jetzt sicher denken: "Oh mein Gott, wie kann man nur so leben.?" und um ehrlich zu sein, das war auch mein erster Gedanke, aber schon nach einigen Tagen war das Camp für mich der schönste Platz auf der Welt.
Die langen Fahrten durchs Reservat, die unfassbare Stille, die lustigen Abende am Lagerfeuer, das Frühstück mit Blick auf den Limpopo-River und das Duschen unterm Sternenhimmel machten alles wett und gerade diese einfachen Lebensbedingungen, machten das "Easy African Living" so lebenswert.
Unsere Arbeit im Projekt Naturschutz bestand hauptsächlich darin, das Reservat zu hegen und zu pflegen. Dazu gehörte: Wege mit Macheten in den Busch schlagen, Vogelbestände aufnehmen, alte Drahtzäune aufrollen, Bäume vermessen und neue pflanzen, Wasserlöcher für die Tiere graben, um nur einige zu nennen.
Natürlich blieb auch jede Menge Zeit, um die großartige Tier- und Pflanzenwelt zu bestaunen und kennen zu lernen. In meiner ersten Woche konnte ich alle Tiere sehen, die man mit Afrika verbindet: Löwen, Elefanten (die auch mal nachts am Fluss beim Camp vorbeischauten), Giraffen, Zebras, Krokodile und Nilpferde. Aber auch etwas außergewöhnlichere Tiere, wie "Brian", unser Stachelschwein, das abends zum Camp kam und unsere Essensreste fraß oder Kudus und Impalas (Antilopenarten) waren dabei. Gerrit und Dave von Projects Abroad erklärten und zeigten uns täglich etwas Neues und so verging kein Tag, an dem ich nicht wieder etwas dazu lernte. Besonders spannend waren die "Snake Lessons", Gerrit fing immer wieder neue, zum Teil auch giftige Exemplare, um sie uns dann zu zeigen und etwas drüber zu erzählen.
Der Teamgeist in der Gruppe von Freiwilligen war trotz einer großen Altersspanne und den unterschiedlichen Nationalitäten einmalig, und so machten wir gemeinsam einen Trip zu den Victoria-Fällen in Simbabwe und "crazy" wie wir waren, fuhren wir nach Südafrika, um dort alle einen Fallschirmsprung zu machen.
So verging die Zeit wie im Flug, und nach drei Monaten (die mir im Nachhinein wie ein Jahr vorkommen, so intensiv und ereignisreich war die Zeit!) hieß es für mich Abschied nehmen und Legodimo, das Projekt und die anderen Freiwilligen zu verlassen.Ich werde die Zeit dort nie vergessen und obwohl ich vor meinem endgültigen Heimflug noch zwei Wochen im wunderschönen Südafrika herumgereist bin, wird Legodimo immer einen speziellen Platz in meinem Herzen haben und ich weiß, dass ich irgendwann wieder dorthin zurückkehre, denn das "African Fever" hat mich voll und ganz erwischt...
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