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"Jetzt will ich Restauratorin werden"

Porolissum - eine der Ausgrabungsstätten

Archäologie in Rumänien von Laura Eberts

Das bin ich

Gerade eben hat mich mein Vater durch die Absperrung am Frankfurter Flughafen geschickt und noch ein letztes Mal gewunken. Jetzt heißt es erstmal tief durchatmen und dann los. Bloß nicht kneifen - schließlich hatte ich sofort reagiert, als ich auf der Website von Projects Abroad das Projekt für Archäologie in Rumänien entdeckt hatte. Archäologie - für einen geschichtsbegeisterten Menschen wie mich, mit dem Berufsziel Restauratorin zu werden, war das natürlich das perfekte Projekt.

Wunderschönes Porolissum

Nach der Landung in Bukarest malte ich mir erst einmal aus, was passieren würde, wenn jetzt keiner da ist um mich abzuholen... Aber schon als ich die Gepäckhalle verließ, sah ich Alex mit einem "Projekts Abroad" - Schild in den Händen. Mit Alex Auto ging es dann zügig nach Brasov (Kronstadt). Wir fuhren durch kleine Dörfer, in denen alte Frauen Obst am Straßenrand verkauften, oder eine widerspenstige Kuh hinter sich her zogen, und dann hinein in die dunklen Karpaten. Spätestens als wir von der Dämmerung und dem Nebel in den engen Schluchten verschluckt wurden, wunderte ich mich nicht mehr, warum ausgerechnet hier die Sage von Dracula entstanden i...

Am nächsten Tag streifte ich allein durch das wunderschöne Brasov und bestaunte die "Black Church", das Museum im Rathaus und den Schwarzen und Weißen Turm. Am Montag dann stand meine Zugfahrt nach Deva an. Hier sollte ich Kornel kennen lernen, der mich die nächsten sechs Wochen betreuen würde. Mit Kornel, einem ziemlich netten und jungen Archäologen, ging es dann mit dem Bus über löchrige Straßen nach Sarmizegetusa - der ersten Ausgrabungsstätte!

Kaum dort angekommen, fielen mir schon gleich die zahlreichen Ruinen dieser römischen Stadt ins Auge - Jupitertempel, Foren und sogar ein Amphitheater! Ersteinmal jedoch sollte ich mein zu Hause für die nächsten zwei Wochen kennen lernen. In einem hübschen Häuschen mit Garten, Grillstelle und Badmintonnetz traf ich auf die anderen Freiwilligen, weitere Archäologen und den leitenden Professor (sozusagen der Boss des Ganzen), der sogar Deutsch sprach!

Am nächsten Tag begann dann auch für mich die Arbeit an der Ausgrabungsstelle. Sich in die Arbeit einzufinden war einfach. Die anderen Freiwilligen zeigten mir alles, und bald schon grub ich voller Freude mit der Spitzhacke Erde um, und legte 2000 Jahre alte Mauern frei. Zwischendurch wurde die Hacke gegen einen kleinen Spachtel eingetauscht, um die Mauern zu säubern oder Tonscherben und Pflastersteine aus dem Dreck zu lösen. Um zwölf (wenn es am heißesten war) gab es Mittagessen, und danach wurde weitergearbeitet bis 16 Uhr. Die zwei Wochen in Sarmizegetusa gingen rum wie im Flug. Die Arbeit war zwar anstrengend, aber immer spannend. An manchen Tagen musste man echt kämpfen. Wenn man schon stundenlang schwere Erde umgegraben hatte, und man einfach nichts fand und hundemüde war. Doch wenn man dann plötzlich auf ein paar Krümel grün angelaufener Bronze stieß, war der Tag gerettet und alle Anstrengung vergessen.

Abends wurde man sowieso mit jeder Menge leckerem Essen und einem wohlverdienten Feierabend entschädigt. Es gab Musik, man diskutierte, erzählte Geschichten und Witze und trank hin und wieder einen über den Durst. Kurz gesagt: ich fühlte mich pudelwohl!

Nach zwei Wochen verließen wir mit Kornel Sarmizgetusa und machten uns auf den langen und beschwerlichen Weg nach Bordosan - unserer zweiten Ausgrabungsstätte. Als wir am frühen Morgen in Constanta ankamen, ging es erst einmal mit dem Bus weiter, bis wir schließlich die letzten Meter zu Fuß zurück legten und irgendwann am Ufer der Donau standen. Dort wurden wir mit einem ziemlich abenteuerlich aussehenden Ruderboot über die Donau geschifft, und landeten auf einer Insel, wo uns eine ebenso antik aussehende Pferdekutsche erwartete und tief in den Wald brachte.

Nach einer Viertelstunde erreichten wir einen Hügel, auf dem das Ausgrabungscamp lag. Die Ausgrabungsstätte war dieses Mal keine römische, sondern eine dakische. Die Daker waren das eigentlich ursprüngliche Volk in Rumänien, bevor sie von den Römern bezwungen und in die Berge vertrieben wurden. Die Siedlung, an der wir gruben, stammte noch aus der Bronzezeit, und hielt außer Mauerresten, ein paar Tierknochen und Menschenzähnen nicht sehr viel bereit. Trotzdem war dieser wilde, abgelegene Ort wunderschön.

Nachdem wir auch hier zwei Wochen verbracht hatten, ging es auf demselben abenteuerlichen Weg wieder zurück in den Norden von Rumänien. Unversehrt und glücklich kamen wir nach einer Nacht Zug und Bus fahren dann in Moigrad an, einem kleinen Dorf am Fuße der Kaparten. Mit dem Taxi ging es das letzte Stück zu unserem Haus. Die Ausgrabungsstätte war eine Viertelstunde Fußmarsch von unserem Haus entfernt, und bestand aus einem riesigen römischen Kastell namens Porolissum. Gegraben wurde wieder am Forum, welches im Gegensatz zu Sarmizgetusa noch so gut wie gar nicht ausgegraben war - wir hatten also viel zu tun! Von allen Ausgrabungsstätten war Porolissum für mich die Schönste! Auf dem höchsten, in der Umgebung gelegenem Punkt, hatte man in alle Richtungen einen wunderschönen Ausblick, und die bereits restaurierten Teile des Kastells waren sogar noch größer und schöner als die in Sarmizegetusa. Als wir auch in Porolissum zwei Wochen verbracht hatten, ging mein Aufenthalt in Rumänien zu Ende.

In meiner Zeit in Rumänien habe ich eine ganze Menge vom Land gesehen! Nicht nur, weil wir verschiedene Ausgrabungsstätten besucht haben, auch an den Wochenenden fuhren wir auf eigene Faust in Städte wie Sibiu, Alba Iulia oder Cluj. Jede Ausgrabungsstätte hatte ihr eigenes Flair. Die Arbeit war spannend und interessant, und die Leute die wir trafen waren freundlich und locker. Diese ganze Ansammlung von Menschen aus verschieden Ländern, verschiedenen Sprachen, Ansichten und Meinungen machten diesen ganzen Trip zu einem einmaligen Erlebnis! Die sechs Wochen vergingen wie im Flug und am liebsten wäre ich noch länger geblieben.

Ich habe viel gelernt in dieser Zeit, über mich, aber auch über andere Kulturen. Es war eine gute Übung für mein Englisch und von beruflicher Seite aus gesehen, hat mich der Aufenthalt in Rumänien vollends davon überzeugt, meinen Wunsch Restauratorin für archäologische Funde zu werden, weiter zu verfolgen.

Neben den paar hundert Fotos, die ich gemacht habe, bleiben aber vor allem die Freundschaften, die ich in Rumänien geschlossen habe, die beste Erinnerung!

Laura Eberts

Mehr zum Archäologie-Praktikum in Rumänien

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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