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Ein anderer Soundtrack

Ich auf dem Markt

Journalismus in Ghana von Conny Reimann

Als ich vor einigen Monaten groß verkündete, dass ich nach Afrika gehe, guckten mich meine Freunde und Familie an, als hätte ich Ihnen gerade erzählt, dass ein Elefant in der Küche steht. "Aber da gibt es doch nur Lehmhütten, und wenn dich dann ein Löwe anfällt, geht's dir bestimmt auch nicht mehr so gut." Und genau das waren auch meine Vorstellungen über den Kontinent Afrika oder auch das Land Ghana, dass für einige Zeit mein Zuhause sein sollte.

Ich packte also meine sieben Sachen, um Anfang des Jahres in Richtung Sonne aufzubrechen. Schon allein der Flug war ein Abenteuer. Die Leute, zu 80% Afrikaner, saßen nicht in ihren Sitzen, sondern standen in den Gängen, um sich mit wildfremden Menschen zu unterhalten. So dauerte es auch nicht lange, bis sich jemand zu mir gesellte und seine ganze Lebensgeschichte auspackte. Ich, die ich mir eigentlich sicher war keine Sprachprobleme zu haben, saß da und probierte, das gebrochene Englisch zu verstehen, was mir reichlich schwer fiel, angesichts der 10 Stunden, die ich bereits unterwegs war.

Das sind meine Kollegen von vibe fm

In Ghana angekommen, hießen mich schon eine tropische Brise sowie unzählige rot- gelb-grüne Akuaba!-Schilder willkommen. Mühsam versuchte ich, mir in der Dunkelheit ein erstes Bild von Ghana zu machen - und stellte beruhigt fest, dass es weit und breit keine mich auffressenden Löwen gab. Meiner Gastmutti nahm mich herzlich in den Arm, führte mich durch das Haus und schließlich in mein Zimmer. Am nächsten Morgen stellten sich auch meine Nachbarn vor - mit lauter afrikanischer Hi-Life Musik, diese sollte mich auch in den kommenden drei Monaten regelmäßig aus dem Schlaf reißen. Nach einem kurzen Frühstück ging es dann los, andere Freiwillige treffen und die Stadt erkunden. In klapprigen Kleinbussen fuhren wir von Stadtteil zu Stadtteil, Wege einprägend, Souvenirverkäufer ignorierend und von Reizen überflutet, und gleichzeitig darum bemüht, den aufgebissenen Wasserbeutel beim Trinken nicht zu verschütten. Die Leute auf der Straße, in bunte Kleider gehüllt, verkündeten lauthals, was Sie verkauften, fassten uns regelmäßig an und riefen "Obroni", ein Wort, dass ich am Anfang noch nicht mal aus dem Wortgemisch herausidentifizieren konnte, das mich aber für die nächsten Wochen wohl oder übel begleiten würde.

Von dem ganzen Trubel, brauchten wir erst mal eine kleine Pause und so ging es in ein nahe dem Stadtzentrum liegendes Restaurant, auf dessen Tischen "Fit" stand. Wir bestellten und schnell brachte uns auch schon jemand eine Schüssel mit Wasser, die mit dem auf dem Tisch stehendem Reinigungsmittel zum Waschen der Hände gedacht war. Eine der eher größeren Herausforderungen meines Ghanabesuches war das Essen, da es sich als Linkshänder eher schwierig gestaltet, das Essen mit der "sauberen" rechten Hand in den Mund zu führen und diese optimalerweise auch so gewaschen zu haben, dass das Essen danach nicht den Beigeschmack des Fits trägt.

Reportage vom 50. Jahrestag Ghanas

Am folgenden Tag ging es zu meiner Arbeitstelle, dem Radiosender "vibe fm". Ich lernte meine Kollegen kennen und als ich verkündete, dass ich für meinen Aufenthalt vor Ort ein Tagebuch führe, wurden mir schnell Mikro und Kopfhörer überreicht und so war ich die ersten 10 Minuten, die ich im Studio verbrachte schon "on air". Ich konnte mir größtenteils meine Aufgaben mit Absprache meines Chefs selbst aussuchen. So schrieb ich Texte für die Morgensendung, nahm Werbejingles auf, machte Live-Ansagen und moderierte mit einer Kollegin die Samstagsshow des Senders.

Durch das geregelte Arbeitsleben gewöhnte ich mich an die meisten Dinge wie von selbst. Alle 5 Tage gab es einen planmäßgen Stromausfall; wenn das Wasser in der Leitung nicht floß, stand vor meinem Zimmer ein gefüllter Eimer und die Erinnerung an Regen und Kälte wurde langsamer trüber. Freitags hatte ich Gelegenheit, neben meinem eigentlichen Projekt in verschiedene Waisenhäuser zu gehen und sich dort mit den Kindern zu beschäftigen. Am Wochenende verbrachte ich meine Zeit wahlweise beim Sonnenbaden am Strand oder als Mitglied des F.C. Obroni im Fußballspiel gegen eines der Teams der Waisenhäuser.

Mit der Zeit bekam ich nicht nur Verstärkung auf meiner Arbeitsstelle, sondern auch zu Hause, wo wir bereits nach einigen Wochen zu sechst waren. Gemeinsam gingen wir zum Trommelunterricht, spielten Poker, gingen zum wöchentlichen Quizabend von Projects Abroad oder verbrachten die Nachmittage einfach nur auf der Treppe vor dem Haus, um unsere Wäscheberge per Hand zu bewältigen.

Auch zum Reisen war genug Zeit, das Land wurde systematisch von Norden nach Süden erkundet, wobei eine Nacht in dem an der Westküste liegenden Kakum Regenwald natürlich nicht fehlen durfte.

Drei Monate Ghana, im Vergleich zu Deutschland einfach ein ganz anderer Soundtrack meines Lebens. Der Rhythmus ist langsamer, die Melodie viel fröhlicher und vertraut, die Noten viel farbenfroher und der Text erst bei längerem Hinhören verständlich.

Conny Reimann

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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