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Von der Frau, die anfing zu weinen

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Menschenrechte in Tansania von Camilla Killmeyer

Irgendwann hatte ich einfach ja gesagt. Ich hatte mich endlich entschlossen, in meinen Semesterferien für zwei Monate nach Tansania zu fliegen, um dort mitzuhelfen bei einer Menschenrechtsorganisation für die Rechte von Frauen. Diese Entscheidung war eine der besten meines Lebens. Ich habe keine Sekunde bereut und Erfahrungen für mein Leben und sowohl meine berufliche als auch private Zukunft gesammelt, die ich nirgendwo sonst auf eine solche Weise erfahren hätte.

Endlich im neuen, fremden Land angekommen, über das ich nun während der Vorbereitung so viel gelesen hatte, wurde ich am Flughafen von einem Mitarbeiter von Projects Abroad abgeholt und in meine Gastfamilie gefahren, die mir innerhalb kürzester Zeit so sehr ans Herz wuchs. Ich wurde von den Eltern sowie den drei zuckersüßen Kindern sofort in die Familie aufgenommen und wie eine Tochter bzw. Schwester behandelt. Ich merkte schnell, dass dies in Tansania normal war. Jeder Mensch trat mir mit einer selbstverständlichen Gastfreundlichkeit und Offenheit entgegen, die ich so vorher noch nicht erlebt hatte. Dank meiner Gastfamilie, meiner Arbeitsstelle und den Mitarbeitern von Projects Abroad fühlte ich mich sofort im Land angekommen und lernte viel über die fremde Kultur sowie Lebensweise.

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Zur Arbeit fuhr ich jeden Morgen mit den Dala-Dalas, meist überfüllte Kleinbusse, in denen ich das wahre Afrika sowie freundliche Menschen kennen lernte, die mit Babys, Tieren, riesigen Obstkörbe oder sonstigen Waren auf dem Kopf unterwegs waren. Ich arbeitete bei „Interit Your Rights“, die sich um die Verbesserung der Eigentums- und Erbrechtslage von Witwen in Tansania kümmerte. Es ging vor allem um Maasai- stämmige Witwen - in den ländlichen Gegenden Tansanias sind die Frauen sehr gefährdet für Benachteiligungen und Ausnutzungen durch Männer. Wenn dort ein Mann stirbt, erbt seine Ehefrau nach dem tansanischen Gewohnheitsrecht (Customary Law) meist nichts, wenn es noch Kinder oder andere lebende Verwandten gibt. Nicht selten werden die Frauen nach dem Tod ihres Ehemannes von dessen Familie vom Grundstück verstoßen – und des Eigentums „beraubt“. Dann stehen die Frauen oft mit nichts da und verfügen über keinerlei Wissen, wie sie für sich und ihre Kinder sorgen sollen, da die meisten keine berufliche Ausbildung erlernt haben.

In diesen Situationen brauchen sie sowohl rechtliche als auch praktische Hilfe. Mit beiden Aspekten beschäftigte ich mich bei „Inherit Your Rights“. Meine Arbeit bestand darin, Informationen zu beschaffen und zusammenzutragen, daraus Präsentationen für die Witwen, Radiobeiträge oder kleine Broschüren zusammenzustellen, die die Witwen über ihre Rechte aufklären sollten. Manchmal fuhren wir zu anderen lokalen Hilfsstellen, um Juristen, die sich auf dieses Thema spezialisiert hatten, über die Probleme zu befragen und herauszufinden, welchen Wissensstand die Frauen haben und was Ihrer Meinung nach die Probleme sind.

Durch ein Netzwerk aus lokalen Mitarbeitern, Helfern oder Pastoren konnten wir die von der Ungleichbehandlung und Ausnutzung betroffenen Frauen direkt erreichen und ihnen helfen. Ein bis zwei Mal die Woche fuhren wir nach Kioga, wo sich eine Gruppe von ca. 35 Maasai Witwen am Fuße des Mount Meru zusammengeschlossen hatte, und dort mit ihren zahlreichen Kindern und Tieren lebte. Wir hielten Vorträge über die Rechte und Möglichkeiten der Witwen, die wir zusammen mit unserem ebenfalls Maasai-stämmigen Mitarbeiter erarbeitet hatten und von ihm in die Sprache der Maasai übersetzen ließen.

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Zudem arbeiteten wir an Projekten, die den Frauen praktisch helfen und ihre finanzielle Unabhängigkeit stärken sollten – etwa das Grußkarten-Projekt, bei dem die Witwen zwei Mal pro Woche eine Stunde lang Karten von Hand herstellten, für die sie sofort bezahlt wurden. Wir zeigten ihnen, wie sie die Karten basteln können, es war jedes Mal ein großer Spaß für die Witwen sowie für uns Freiwillige, die Frauen haben die Arbeit genossen und sich gegenseitig geholfen. Später verkauften wir die Karten zu verschiedenen Anlässen.

Manchmal fuhren wir weiter in das Buschland Tansanias, wo die Maasai noch ärmer lebten und noch weiter entfernt von der Zivilisation, ohne Zugang zu Wasser oder Strom. Es war jedes Mal beeindruckend, wie sie dort in der freien Wildnis leben, mit sich und ihren Tieren, in winzigen Hütten aus Lehm, Stroh oder Blech. Die Natur war atemberaubend, ebenso wie die Menschen. Sie nahmen uns auf, gaben uns zu trinken, beschenkten uns mit selbstgemachtem Schmuck und die Ältesten des Stammes segneten uns. Ich werde nie vergessen, wie wir einmal in einer der kleinen Behausungen einer großen Gruppe von Witwen, die alle in der Hoffnung gekommen waren, dass wir etwas an ihren Schicksalen ändern könnten, einen Vortrag über ihre rechtlichen Möglichkeiten und den Zugang zum Recht hielten, als plötzlich eine der Frauen fürchterlich anfing zu weinen. Wir hatten Angst, vielleicht etwas falsches gesagt zu haben, aber uns wurde übersetzt, dass die Frau nur so wahnsinnig glücklich und vor allem erleichtert sei, weil sie nicht wusste, dass sie kostenlose Hilfe erlangen könnte. Am nächsten Tag holten wir einige Frauen ab, fuhren mit ihnen in die Stadt und zeigten ihnen, wo unser Büro, das anderer Frauenhilfsorganisationen und das Gericht ist.

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Auch bei einem Gerichtsprozess durfte ich dabei sein, es war sehr anders als in Deutschland – und doch ähnlich. Meine Arbeit bei der Menschenrechtsorganisation gab mir sehr viel. In beruflicher Hinsicht lernte ich viel über die verschiedenen Rechtssysteme und die Anwendung des Rechts, alles in praktischer Anwendung, und gewann für meinen Lebenslauf eine hilfreiche Zusatzqualifikation.

In privater Hinsicht lernte ich viel über mich, über eine neue, spannende Kultur und wie unterschiedlich die Lebensweisen sein können. Und vor allem, wie wichtig es ist, zu helfen und dass jeder von uns einen kleinen Beitrag zu einer gerechteren Welt leisten kann. Mir war es möglich, über den Tellerrand von meinem Studiengang Jura zu gucken und zu sehen, was ich alles damit machen und erreichen kann.

Ich lernte das „wahre Afrika“ kennen, mit seinen hilfsbereiten und gastfreundlichen Menschen, einer atemberaubenden Natur, zahlreichen, manchmal fast täglichen Stromausfällen und zwei Monaten kaltem Duschen – und alles war perfekt so, wie es war.

Bei den wöchentlichen „Socials“, von Projects Abroad organisierte Treffen, lernte ich andere Freiwillige kennen, mit denen ich einige Reisen und Ausflüge unternahm, um noch mehr von Tansania zu erleben. Ich machte eine Camping- Safari durch verschiedene Nationalparks, wie der Serengeti, und sah unter anderem die „Big Five“, reiste eine Woche an die wunderschönen Sandstrände Sansibars, erlebte die bunten Dörfer am Ufer des Lake Victoria und fischte mit einheimischen Fischern auf dem größten See Afrikas. Ich lernte tolle Menschen kennen, in einem noch tolleren Land, erlebte unglaubliche Dinge und erfuhr so viel Dankbarkeit, wie noch nie zuvor. Ich bin ebenfalls sehr dankbar für das Erlebte und war mit Sicherheit nicht das letzte Mal in Tansania.

Camilla Killmeyer

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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