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"Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit"

Ghana, Freiwillig, Sarah

Medizin - Praktikum in Ghana von Sarah Biella

Ich gehe jetzt nach dem Abi erst einmal für ein halbes Jahr nach Afrika, nach Ghana um genau zu sein, und mache dort ein Praktikum im Krankenhaus." - Normalerweise folgte auf diesen Satz erst einmal eine kurze Stille. Dann legten meine Familie und meine Freunde allerdings so richtig los: "Nach Afrika, ist das nicht zu gefährlich?", "Im Krankenhaus ist die Ansteckungsgefahr doch viel zu hoch!", "Gibt es denn da überhaupt Duschen?", "Gibt es dort Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen?", "Hoffentlich bekommst du da kein Malaria oder Aids!". Sorgen über Sorgen. Bevor es dann wirklich losging, hatte ich alle Hände voll damit zu tun, meine Familie und meine Freunde davon zu überzeugen, dass das gar nicht so gefährlich ist, wie sie alle dachten. Außerdem musste ich mich um die vielen Vorbereitungen kümmern, so dass gar keine Zeit war, mir selbst Sorgen zu machen.

Als ich dann allerdings im Flieger saß, wurde mir allmählich bewusst, dass ich jetzt ein halbes Jahr lang in einem völlig fremden Land leben würde und so langsam wurde ich dann doch nervös. Als das Flugzeug in Accra gelandet war, wäre ich am liebsten einfach sitzen geblieben. Daraus wurde dann aber doch nichts, weil eine meiner Mitreisenden, eine dicke, ghanaische Mami, mich einfach mit einem fröhlichen Grinsen an sich gedrückt und "Akwaaba Obrunie!!!" gerufen hat: "Herzlich Willkommen Weiße!!!".

Ghana, Freiwillig, Frau

Obwohl ich im ersten Moment ziemlich verblüfft war, habe ich schon nach kurzer Zeit bemerkt, dass diese spontane Freundlichkeit absolut typisch für die Ghanaer ist. In meiner Gastfamilie wurde ich von Anfang an herzlich aufgenommen und nach einer kurzen Eingewöhnung habe ich mich in "meiner Familie" wie zu Hause gefühlt. Natürlich musste ich mich erst an das fremde Essen, die Kakerlaken und die Eimerduschen gewöhnen. Meine Gastfamilie hat mir die Eingewöhnung jedoch sehr erleichtert, indem sie mir zum Beispiel immer wieder geduldig gezeigt hat, wie man seine Klamotten von Hand wäscht oder Red-Red (das sind Kochbananen mit Bohnen) kocht.

Neben den Dingen, mit denen ich am Anfang im Alltag zu kämpfen hatte, musste ich mich auch an meinem Arbeitsplatz im Krankenhaus erst einmal eingewöhnen. Meine Kollegen im Hospital in Cape Coast haben mir aber auch das sehr leicht gemacht, indem sie mich von vornherein mit in die Arbeiten einbezogen haben und selbst in den schwierigsten Situationen weder ihre Geduld noch ihre Fröhlichkeit verloren haben. Am Anfang bekam ich natürlich eher kleine Aufgaben aufgetragen, wie zum Beispiel Patienten zu füttern, Blutdruck zu messen und die Infusionen zu wechseln. Nach ein paar Wochen, in denen ich mich so richtig eingearbeitet und alle meine Kollegen und das Krankenhaus kennen gelernt hatte, durfte ich schon etwas verantwortungsvollere Aufgaben ausführen. So durfte ich beispielsweise mit in die Chirurgie und auf die Intensivstation, Blut abnehmen, bei Geburten assistieren und mit auf die Visite, bei der mir die Ärzte sehr viel beigebracht haben.

Ghana, Freiwillig, Medizin

Da ich mich mit meinen Kollegen so gut verstanden habe, unternahmen wir oft auch nach der Arbeit etwas zusammen. Wir sind zum Beispiel zusammen in die Kirche oder auf den Markt gegangen, haben zusammen gekocht oder sind an den wunderschönen Strand von Cape Coast gefahren. Natürlich habe ich auch einen Großteil meiner Freizeit mit den anderen Freiwilligen verbracht, in der wir uns entweder faul an den Strand legten oder spannende Wochenendausflüge an viele Orte in Ghana machten. So haben wir beispielsweise in einem alten Fort übernachtet, Elefanten in einem Nationalpark beobachtet, auf den quirligen Märkten von Kumasi und Accra um die Wette gefeilscht und sind in einem wackeligen Jeep zu einem Affen-Reservat gefahren, wo wir die lustigen Kerlchen mit Erdnüssen füttern konnten.

Ghana, Freiwillig, Familie

Als die 6 Monate dann plötzlich vorbei waren und ich mich von meiner Gastfamilie und meinen Kollegen verabschieden musste, ist mir der Abschied ganz schön schwer gefallen. Wenn mich jetzt jemand fragt, ob mir der Aufenthalt was gebracht hat und ob ich das wieder machen würde, kann ich nur mit einem ganz klaren "Ja klar, sofort!!!" antworten. Die sechs Monate in Ghana haben sich auf jeden Fall gelohnt: ich habe die ghanaische Kultur kennen gelernt, weiß nun, dass die Entscheidung Medizin zu studieren die richtige war und kann jetzt sogar ganz passabel Englisch sprechen.

Das Wichtigste an meinem Aufenthalt in Ghana sind jedoch die Menschen, die ich dort kennen und sehr schätzen gelernt habe. Sie haben mich mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem Lieblingsmotto "Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit" einfach fasziniert und mir damit beigebracht, auch schwierige Situationen mit Gelassenheit zu meistern.

Sarah Biella

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