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Ich war beim Yak-Polo!

Zu Gast bei einer einheimischen Familie

Medizin-Praktikum in der Mongolei von Judith Böhm

Zwei Monate Medizinpraktikum in der Mongolei haben mich gelehrt: Erwarte das Unerwartete!Auch in diesem Land folgt auf Regen Sonnenschein – nur, dass nach einem Schnee- und Hagelsturm im Juni am nächsten Tag eine brutzelnde Hitze von 30° C kommt, das hatte ich dann doch nicht erwartet. Wie so manches eigentlich... Die Mongolei ist ein Land der Kontraste: Man findet Jahrhunderte alte Tempelanlagen neben modernen Glasfassaden-Hochhäusern, ein Ger (das traditionelle mongolische Zelt) inmitten einer Plattenbausiedlung, einen tanzenden und trommelnden Schamanen im Wohnzimmer der Gastfamilie. Und eine etwas trostlos dreinschauende Lenin-Statue neben dem frisch angebrachten Louis-Vouitton Werbeplakat und der Coca-Cola Leuchtreklame.

Warum Mongolei? Vor meiner Reise war der Grund wohl, dass ich einfach nichts über dieses Land wusste, und diesen weißen Flecken auf meiner Landkarte mit etwas Farbe füllen wollte. Nachdem ich dort gewesen bin, fallen mir auf diese Frage noch mindestens 1000 weitere Gründe ein. Natürlich erlebte ich am Anfang einen Kulturschock und hatte ein bisschen Heimweh, das verflog aber schnell, weil einfach so viel passierte. Es ging gleich an meinem ersten Tag los, da hatten unsere Betreuer von Projects Abroad einen Tagesausflug in den Naturpark Tereldsh mit allen Freiwilligen gemacht - zwecks schöne Natur bestaunen, Felsen und Berge erklimmen und Kamele reiten. Sowieso habe ich mit den anderen Freiwilligen immer sehr viel unternommen, von Museen oder Kino, über Essen gehen bei verschiedensten internationalen Küchen (und das muss man, denn die Mongolei bietet kulinarisch wenig Abwechslung), bis hin zu lustigen Karaoke- und Kneipen-Abenden.

Sonnenuntergang in der Steppe

Aber ich war ja schließlich nicht (nur) zum Vergnügen dort, und die spannendsten Erlebnisse hatte ich bei der Arbeit. Kurz zu meiner momentanen Lage: Im Wintersemester fange ich ein Medizinstudium an und wollte in der Mongolei mein Pflegepraktikum ableisten, wobei ich dort mehr machen und sehen durfte, als so mancher deutscher Medizinstudent!

Die ersten drei Wochen arbeitete ich an einer Kinderklinik. Erka, die dort meine Ansprechpartnerin war, nahm sich viel Zeit für mich (und ich mir für sie: Das etwas andere Zeitverständnis der Mongolen kann manchmal zu stundenlangem Warten führen. Statt sich aufzuregen sollte man besser immer ein voll geladenes Handy haben, um täglich den Tetris-Highscore zu knacken). An der Klinik sah ich einerseits die Intensivpflegestation für Neugeborene, die meiste Zeit verbrachte ich aber auf der Station für Nephrologie & Endokrinologie. Dort gab es 40 bis 50 Kinder in allen Altersstufen und 2 nette Schwestern mit einer Engelsgeduld und einer ansteckenden guten Laune (wir haben viel gelacht, obwohl wir keine Sprache gemeinsam hatten). Gleich an meinem zweiten Tag sollte ich selber Hand anlegen und nach einem Mal Zugucken Spritzen geben: In Arm, Po, Bauch und auch mal in die Vene, was natürlich schwierig ist. Die mongolischen Kinder haben sich allesamt tapfer geschlagen und keine Miene verzogen.

Ein paar Mal hat Erka mich auch zu einem Krankenhaus für traditionelle mongolische Medizin mitgenommen, wo ich helfen durfte Massagen zu geben, Akupunkturnadeln zu stechen und Schröpfgläser zu setzen.

Ringer beim Nadaamfest

Ein paar Mal hat Erka mich auch zu einem Krankenhaus für traditionelle mongolische Medizin mitgenommen, wo ich helfen durfte Massagen zu geben, Akupunkturnadeln zu stechen und Schröpfgläser zu setzen.

Meine letzten zwei Wochen verbrachte ich am „maternity hospital“, das an die Kinderklinik angekoppelt ist. Wieder durfte ich sehr viel sehen, wie Geburten und Kaiserschnitte, aber auch viel trauriges und schmerzvolles, wie Abtreibungen von toten Babys und deren Autopsie. Ich habe bei Untersuchungen assistiert und auch mal selbst das Ultraschallgerät bedient oder versucht, den Herzschlag des Babys zu finden. Mit der Verständigung klappte es meistens ganz gut, die meisten Ärzte können wenig bis gutes Englisch, die Schwestern in der Regel keins.

Alles in allem bin ich sehr dankbar, dass die Leute im Krankenhaus mir so viel Vertrauen geschenkt haben, mir so viel beigebracht haben und so geduldig mit mir waren.

Meine Gastfamilie bestand aus Vater, Mutter und der 14-jährigen Tochter Enguun, mit der ich mich sehr gut verstanden habe. Sie wollte ein bisschen Deutsch lernen, dafür hat sie mir Kochen auf mongolisch gezeigt. Die Eltern konnten ein paar Wörter Englisch und mit Enguun konnte ich mich unterhalten, wobei ich nie recht wusste, wie viel von dem was ich sagte sie eigentlich verstand. Alle waren aber immer sehr freundlich und ich hatte nie ein Problem mit ihnen.

Wer in die Mongolei geht, darf eins aber auf keinen Fall versäumen: Raus aus der Stadt und auf in die endlose Steppe! Mit noch 5 weiteren Freiwilligen habe ich das Abenteuer gewagt und eine 10-tägige Reise zum Chuwsgul-See im Nordwesten des Landes unternommen, mit einem Tourguide und einem Fahrer. Für mich war dieser Trip das größte Erlebnis bisher in meinem Leben und alle Worte und Fotos reichen nicht aus, um diese Erfahrung hinreichend zu erfassen. Nie habe ich mich der Natur so nahe gefühlt. Wir haben in eiskalten Flüssen und Seen gebadet, Berge bestiegen und uns abends an Lagerfeuern gewärmt, Ausritte gemacht zu einem Vulkan oder einem Yak-Turnier mit einer Partie Yak-Polo, durften Rentiere streicheln und Kamele reiten. Übernachtet haben wir -wie die Nomaden- in Gers und uns bis in die Nacht Witze, Anekdoten und Gruselgeschichten erzählt. Ein Muss für jeden Mongolei-Reisenden!

Die Mongolei ist ein faszinierendes Land mit einer einzigartigen Kultur und Gastfreundschaft. Fremden gegenüber ist man ausgesprochen hilfsbereit und entgegenkommend. Mit meiner Wahl bin ich also sehr zufrieden gewesen und ich kann nur jedem empfehlen auch den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und sich diese Erfahrung nicht entgehen zu lassen. Und noch einen kleinen Tipp: Kommt im Juli, wenn das Naadam-Fest ist, sozusagen das Olympia der Nomaden.

Judith Böhm

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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