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Wie ich nach Addis kam?

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Sozialarbeit in Äthiopien von Renate Fölser aus Linz (Österreich)

Eine lange Geschichte, kurz erzählt. Ich bin beruflich und privat sehr viel gereist und war vor ca. 20 Jahren zum ersten mal in Afrika. In den folgenden Jahren kam ich immer wieder, und der Gedanke, einmal etwas mit und für die Kinder hier zu tun, beschäftigte mich die ganze Zeit. Als schließlich meine Kinder erwachsen, die Enkelkinder aus dem Gröbsten heraus waren, und ich nach 40 Arbeitsjahren in Pension ging, war es endlich so weit. Ich saß im Flugzeug Richtung Addis Abeba – mit etwas gemischten Gefühlen. Einerseits war ich bereits in vielen afrikanischen Ländern und wusste daher ungefähr, was auf mich zukommen würde. Andererseits ist es ein großer Unterschied, ob man ein Land besucht und in komfortablen Hotels wohnt, oder ob man kommt, um dort zu arbeiten. Ich war also sehr gespannt!

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Als ich dann aus dem Flugzeug kletterte und die Einreiseformalitäten erledigt waren, stand beim Ausgang ein über das ganze Gesicht lächelnder Mitarbeiter von Projects Abroad, um mich abzuholen. Während einer sehr herzlichen Begrüßung und vielen Fragen wurde mein Gepäck im Auto verstaut und wir fuhren zum Büro von Projects Abroad, wo ich in einem Gästezimmer die erste Nacht verbrachte. Am Morgen des nächsten Tages gab es ein leckeres Frühstück und dann wurde ich zu meiner Gastfamilie gebracht. Ich wurde so nett aufgenommen, dass ich mich gleich wie zu Hause fühlte. Girma und Felege, sowie ihre zwei Kinder (20 und 17 Jahre) waren in der Folge wie eine zweite Familie für mich und ich fühlte mich bei ihnen sofort wohl.

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Nach einer kurzen Stadtbesichtigung und einer umfassenden Einführung in das Projekt sowie vielen nützlichen Hinweisen und Ratschlägen von Bikesegn, einem weiteren, überaus netten Mitarbeiter von Projects Abroad, ging es dann endlich zum Waisenhaus, wo ich einen Monat lang arbeiten wollte. Ich war endlich genau dort, wo ich seit mehr als 20 Jahren sein wollte!

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Es gab Kinder aller Altersstufen, vom Baby bis hin zu den älteren Schülern, und alle unter einem Dach. Ich war voller Tatendrang. Nach einigen Stunden, in denen ich einfach nur die Kinder auf den Arm nahm und versuchte mit ihnen zu spielen (das war zwar etwas schwierig, denn alle wollten eigentlich nur geküsst, gestreichelt oder einfach in den Arm genommen werden), wurde mir klar, dass hier Eigeninitiative gefragt war. Es gab genug zu tun. Also ging ich ans Werk und versuchte, zu helfen, wo es nur ging: Wäsche und Windeln zusammenlegen (eine Arbeit ohne Ende bei ca 25 bis 30 Babies), die Spielsachen aufräumen, die Kinder füttern und, und, und.

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Nach einigen Tagen bemerkte ich, dass eigentlich niemand die Zeit aufbringen konnte, alle Babies regelmäßig zu baden, also übernahm ich diese Aufgabe. Ich besorgte in einem Geschäft Babyshampoo und Pampers. Die Babies wurden normalerweise mit Stoffwindeln gewickelt, bei denen Löcher die Regel waren. Darüber gab es als Windelhose zugeschnittene Plastikteile, die sich ungefähr wie unsere Müllsäcke anfühlten und hinten und vorne zugeknotet wurden. Aus meinem mitgebrachten Bestand brachte ich Ohrenputzer, Reinigungstücher und Babyöl mit und startete. Da im Babyzimmer kein Platz war, trug ich die Babies in den dritten Stock, wo sich ein Aufenthaltsraum befand, erhitzte das Wasser mit einem Wasserkocher und begann. Ich musste dabei leider feststellen, dass ca. 80 % der Kleinen mehr oder weniger große offene Stellen auf ihrem Popo hatten, was mich sehr traurig machte. Ich besorgte also medizinische Creme und weitere Packungen Pampers für die schlimmsten Fälle. Mir war jedoch bewusst, dass dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war. Ingrid, eine Freiwillige aus Frankreich, die auch im Waisenhaus arbeitete, übernahm es, die größeren Kinder (2 bis 7 Jahre) zu baden und so wurden wir zwei ein ziemlich gutes Team.

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Jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, versuche ich mit Hilfe von Freunden und Bekannten Geld zu sammeln, um für das Waisenhaus Papierwindeln zu kaufen. Ob mir das für alle Babies gelingen wird, weiß ich noch nicht, aber es sollte reichen, um zumindestens für die Kleinsten welche zu besorgen. Das größte Problem dabei ist natürlich die Nachhaltigkeit, denn es nützt nicht wirklich viel, eine einmalige Lieferung zu organisieren. Aber ich bin guten Mutes.

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Das Personal im Waisenhaus arbeitet wirklich hart (die Betreuerinnen 24 Stunden am Stück). Doch bleibt bei all den unbedingt notwendigen Tätigkeiten nicht wirklich viel Zeit, den Kindern Liebe und Zuwendung zu geben. Man kann sie deshalb mit unseren Kleinkindern in keiner Weise vergleichen. Gemeinsames Spielen, Basteln oder Singen mit den 2- bis 5-Jährigen, wie das bei uns üblich ist, ist praktisch unmöglich, da die Kinder um alles kämpfen – sei es um ein Spielzeug, einen Buntstift oder auch nur um die Aufmerksamkeit einer erwachsenen Person. Sie in den Arm zu nehmen (meistens gleich mehrere) ist für sie die erstrebenswerteste Sache der Welt. Deshalb ist es wirklich gut, wichtig und auch notwendig, dass sich immer wieder Freiwillige finden, – und ich hoffe wirklich sehr, dass es noch viele sein werden – die in solchen Einrichtungen arbeiten.

Gegen Ende meines Aufenthaltes habe ich beschlossen, die 20 besten Schüler des Waisenhauses auf Kuchen und ein Getränk in eine Konditorei einzuladen. Schwester Lutgarda, die Leiterin des Hauses und Schwester Camilla waren damit einverstanden und haben mir die Namen der Kinder herausgesucht und somit konnte es losgehen. Die Kinder waren sehr aufgeregt. Am Schluss gab es noch kleine Geschenke (Bleistift, Kugelschreiber, Radiergummi ein paar Süßigkeiten) und der beste Schüler und die beste Schülerin bekamen ein Extrageschenk. Bei den zu Hause Gebliebenen gab es zwar teilweise ein paar Tränen, doch die ganze Aktion sollte jenen, die sich vielleicht nicht so sehr bemüht hatten, ein Ansporn sein, es in der Zukunft besser zu machen. Vielleicht gibt es ja wieder einmal ein paar Freiwillige, die diese Aktion wiederholen können?

Neben der Arbeit in Addis hat mich noch ganz besonders beeindruckt, dass alle anderen Freiwilligen, die über Projects Abroad hier waren, sich zu einer kleinen Gemeinschaft zusammengeschlossen haben. Es wurden Ausflüge für das Wochenende und abendliche Zusammenkünfte organisiert sowie kleine Abschiedsparties veranstaltet. Ich habe mich nie allein gefühlt und konnte jederzeit mit der Hilfe der Anderen rechnen. Die Mitarbeiter von Projects Abroad taten auch alles, um es uns hier so angenehm wie möglich zu machen. Vielen Dank an alle!

Es war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, die mein Leben in einem angeblich „hoch entwickelten Land“ etwas relativierte. Wir können sehr viel von den Menschen in Äthiopien lernen. Ich habe selten so viel ehrliche Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit erlebt. Meine Zeit hier war sicherlich viel zu kurz, aber ich hoffe, ich konnte den Kindern ein wenig Beachtung, Liebe und Zuwendung geben. Zum Abschluss kann ich nur sagen: I certainly will be back in Ethiopia!

Renate Fölser

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Dieser Erfahrungsbericht enthält eventuell Bezüge zu Arbeit in oder mit Waisenhäusern. Projects Abroad’s aktuellen Standpunkt zu Freiwilligenarbeit in Waisenhäusern und Kinderheimen und Informationen über unseren Schwerpunkt auf gemeindenahe Kinderbetreuung kannst du hier nachlesen.

Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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