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"Obruni, how are you?"

Kinder in Ghana

Sozialarbeit in Ghana von Steffi Eigenfeld

Schon seit Jahren hatte ich geplant, einmal ins Ausland zu gehen. Als ich mich letztlich für Afrika und für Ghana entschied, tat ich dies eigentlich eher zufällig und spontan. Die Vorbereitungen liefen jedoch ausnahmslos gut.

Mein Start glückte dagegen nicht so sehr. Obwohl ich annahm - nein, ich war mir sogar sicher - dass mein Gepäck und ich es mit der Lufthansa ins das ferne Land schaffen würden, wurde ich enttäuscht. Ich stand also die ersten zwei Tage meiner langen Reise mit meinem Handgepäck da (in dem leider nicht allzu viel Nützliches war). Aber wenn man eben nichts hat, dann kommt man auch mit dem klar, was da ist. Glücklicherweise standen mir meine neuen Mitbewohnerinnen und unsere Nachbarn mit viel Humor und ein paar Kleidungsstücken zur Seite.

Eines der Kinder und ich

Als ich von der Dachterrasse meiner Gastfamilie aus erstmals meine ghanaische Heimatstadt Cape Coast bewundern konnte, wusste ich, dass man sich hier wohlfühlen kann - die grüne Stadt lag zu meinen Füßen, im Horizont wiegten Palmen im Wind, dahinter begann das Blau des Atlantiks. Bei genauerem Hinsehen und auf späteren Erkundungstouren wurde mir jedoch klar, dass ich mich eindeutig in einem Entwicklungsland befand und es in keiner Weise mit meiner eigentlichen Heimat zu vergleichen war. Objektiv betrachtet war es nicht schlechter, sondern einfach nur total anders hier.

Meine Zimmergenossin und ich machten an einem ihrer ersten Tage einen kleinen Einkaufsbummel durch unsere Heimatstadt, wir wollten uns ein bisschen umsehen, zurechtfinden, einfach alles ein bisschen näher betrachten. Durch unglückliche Zufälle allerdings (und höchstwahrscheinlich auch unseren mangelnden Orientierungssinn) kamen wir von der Hauptstraße ab und landeten irgendwo anders. Doch wir sagten uns, wir wollen unsere Chance nutzen und einfach mal schauen, wohin unsere Füße uns tragen. Das quirlige Treiben die Marktstraße entlang, welches den ganzen Tag anhielt, die freundliche Atmosphäre und herzlichen Willkommensrufe, der anregenden Plausch mit einem Standbesitzer, den man bereits beim letzten Rundgang kennen gelernt hat, die Kinder, die dir nachlaufen und diese Frage stellen (ich glaube, das könnte sogar ein Lied sein): Obruni, how are you? I'm fine. Thank you and you?, dich ihren Eltern vorstellen - all das gehört ganz schnell zu den Alltäglichkeiten in Ghana und uns wurde klar, dass man als Weiße/r nie wirklich unbeobachtet und -beachtet bleibt, was den größten Teil des Tages einen Haufen Spaß bedeutet und zu den witzigsten Situationen führt.

Weiterhin beobachteten wir die Trotros und Taxis die Straße entlang brausen und lachten über die ständigen Rufe: "Obruni, where are you going?". Begeisterungsstürme brachen aus, wenn man ihnen auf Fanti, der lokalen Sprache um Cape Coast, antworten konnte. Leider hat es nie für mehr, als ein paar Alltagfloskeln, gereicht.

Beim Spielen

Das Waisenheim lag etwas außerhalb von Cape Coast - ich musste jeden Morgen und nach der Arbeit einen dieser Minibusse benutzen. Allein das war jeden Tag eine ganz eigene Erfahrung, die wohl zu den spektakulärsten in meiner ganzen Freiwilligenarbeit gehört. Das muss man einfach erlebt haben. Von den riesigen Mengen an Gegenständen und skurrilen Dingen, die in einen Minibus mit zwanzig Personen passen und das fröhliche Losgeplapper und Händeschütteln, wenn ein Obruni in den Bus einsteigt, bis hin zu den unterschiedlichsten Vorfällen auf dem Weg zum Waisenhaus, wenn zum Beispiel ein Reifen platzt, jemand lebendige Tiere mit in den Bus nimmt oder der Motor mal auf Umwegen irgendwo unter dem Beifahrersitz angemacht werden muss.

Die Arbeit selbst, die ich im Waisenhaus in Ghana verrichtete, war unbeschreiblich. Als Betreuer und Helfer während der Schulzeit und Lehrer einer zweiten Klasse in Englisch und Mathematik hatte ich hauptsächlich mit den jüngeren Kindern zu tun, die häufig noch kein Wort Englisch sprachen, dafür aber so glücklich über ein bisschen Fürsorge, Knuddeln und Aufmerksamkeit waren.

Obwohl sie wirklich kaum etwas besitzen, sind die Kinder insgesamt glücklich, zufrieden und dankbar für jede Beschäftigung. Es war einfach ein schönes Gefühl, mit ihnen Zeit verbringen zu können, das freudige Lachen zu hören, wenn sie sich am Morgen in meine Arme geworfen haben, ihre glitzernden Augen zu sehen, als sie mit ihrer neuen Schuluniform stolz in meine Richtung gingen, ihre Unschuld, wenn sie in meinen Armen eingeschlafen waren, ihr Enthusiasmus beim Puzzle zusammenbauen und die Anstrengung eine Seifenblase zu erzeugen. Das alles sind Bilder in meiner Erinnerung, die ich nie vergessen werde. Obwohl mich viele Dinge während meiner Freiwilligenzeit beschäftigt haben, ich mir einfach Gedanken darüber gemacht habe, dass vielleicht einiges hier wünschenswert zu verändern wäre, lernt man doch, gewisse Sachen zu akzeptieren oder einfach hinzunehmen, weil große Veränderungen doch nur schwer zu bewerkstelligen sind.

Um auch neben der Arbeit unser neu gewonnenes Heimatland zu entdecken, haben die anderen Freiwilligen und ich an den Wochenenden und an freien Tagen Ausflüge durch Ghana unternommen. So besuchten wir ein Stelzendorf und übernachteten in einem der schönsten Hotels mit warmen!! Wasser in Beyin, erlebten den kunterbunten Markt in Kumasi, versuchten (schafften es aber leider nicht) Elefanten im Mole National Park zu bewundern, erkundeten die Wli-Wasserfälle der Voltaregion, überlebten eine aufregende Nacht auf einem Baumhaus im Regenwald und vieles mehr. Nach all den abenteuerlichen Unternehmungen gönnten wir uns häufig ein paar entspannende Stunden am Strand von Anomabo oder bequatschten die Einzelheiten des nächsten Trips.

Ich hoffe, dass ich ein paar winzige Veränderungen bewirken konnte, meine Kleinen vom Waisenhaus ihre Freude und Ausgelassenheit noch lange behalten werden und ich bald die Chance bekomme, noch einmal in das ferne Land zu reisen.

Steffi Eigenfeld

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Dieser Erfahrungsbericht enthält eventuell Bezüge zu Arbeit in oder mit Waisenhäusern. Projects Abroad’s aktuellen Standpunkt zu Freiwilligenarbeit in Waisenhäusern und Kinderheimen und Informationen über unseren Schwerpunkt auf gemeindenahe Kinderbetreuung kannst du hier nachlesen.

Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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