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Drei Monate in einer anderen Welt

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Sozialarbeit in Togo von Verena Schmaus

Nach dem Abi war für mich klar: jetzt ist vorerst mal Schluss mit Lernen! Nachdem der Plan, ein FSJ zu absolvieren, irgendwie im Sand verlaufen ist, bin ich durch meine Cousine auf Projects Abroad aufmerksam geworden. Das ganze Konzept der Organisation hat mir sofort zugesagt, also hab ich die Chance ergriffen, mir den langjährigen Traum einer Afrika-Reise zu erfüllen. Und da es eines meiner Ziele war, mit dem Aufenthalt meine Französischkenntnisse zu verbessern, habe ich Togo als Projektland schnell ausgewählt.

Ich habe mich in den Wochen und Tagen vor meiner Abreise richtig auf den Kulturschock gefreut! Ich hatte mir fest vorgenommen, die Tipps im „Togo Handbook“ zu befolgen und mich mit den guten Seiten des Schocks, vom schwierigen Teil abzulenken. Als ich spätabends endlich in der in der drückenden Hitze auf dem Fulghafen in Lomé stand und auf die Passkontrolle wartete, wusste ich vor lauter Aufregung gar nichts mehr. Schnell wurde ich von einem Projects Abroad Mitarbeiter empfangen und durfte auf der Fahrt zu meiner Gastfamilie gleich Togo pur erleben: ein Taxi mit gesprungener Windschutzscheibe, 6 erwachsene Menschen mit gefühlten 20 Gepäckstücken, keine Gurte, offene Fenster als Klimaanlagenersatz, Moto-Taxis überall auf den Straßen, Menschen, die auch um halb 11 Uhr nachts noch am Straßenrand Fleischspieße verkauften, Musik von allen Seiten. Ich war überwältigt.

Das sollte auch noch einige Zeit so bleiben. Im Nachhinein kommt es mir wie ein detailreicher Traum vor: Das „Yovo, yovo, bonsoir, ca va bien, merci!“, das einem die Kinder auf der Straße hinterher rufen, die leckeren Früchte, die man für umgerechnet ca. 30 Cent als Snack am Straßenrand kaufen kann, die Menschen, die einen auf der Straße anprechen, die Geräuschkulisse Tag und Nacht, Frauen, die alles auf dem Kopf transportieren und ihre Kinder auf dem Rücken tragen. Nach einigen Wochen war ich ein Teil dieses Lebens und das alles mein Alltag. Ich habe mit den Händen gegessen und Kleider aus „pagnes“ (bunte Stoffe) getragen, weshalb ich oft nur noch „la togolaise“ genannt wurde. Erst zurück hier in Deutschland habe ich realisiert, wie sehr ich all das vermisse!

Totales Glück hatte ich mit meiner Gastfamilie, nach kurzer Zeit verstand ich mich mit allen super. Am meisten zu tun hatte ich mit den Mädchen, da die Eltern meistens leider nur abends zuhause waren. Ob Armbänder machen, mit Florence ausgehen, mit Sibi und Rolande – am Ende meiner 3 Monate habe ich mich wirklich fast wie ein Familienmitglied gefühlt. Nicht nur wegen des super leckeren Essens (Fufu, la Pâte, bananes plantins) war meine Familie also ein Glücksfall!

Wie alles andere wurde auch meine Arbeit in Togo alltäglich. Vormittags arbeitete ich zweimal die Woche in einer Schule in der Nähe von Lomé, in der ich gemeinsam mit einer togolesischen Lehrerin die Abschlussklassen auf die Abiturprüfung in Deutsch vorbereitete. Die Herausforderung: die Klassen bestanden aus je 120 Schülern. Auch wenn ich dort nur wenige Stunden in der Woche verbrachte, hat mir die Arbeit doch einen sehr interessanten Einblick in das togolesische Schulsystem und den Lehralltag gegeben.

Die restlichen 3 Vormittage die Woche arbeitete ich in der Kinderkrippe „Les Petits Doudous“, die von ca. 30 Kindern zwischen 3 Monaten und 3 Jahren besucht wird. Da es eine recht neue Einrichtung war, war ich die erste Volontärin dort. Mein erster Eindruck: 3 „Tatas“ („Tanten“), die die Kinder allerdings höchstens überwachten anstatt mit ihnen zu spielen, ein Flachbildfernseher, der den ganzen Tag lief, raue Umgangsweise. Aber nach und nach lernte ich, damit umzugehen und dass der Erziehungsalltag in Afrika einfach nicht zu vergleichen ist mit dem in Europa. Ich wurde deutlich gelassener. Trotzdem versuchte ich, Rituale einzuführen. Kleine Veränderungen, wie das Ausschalten des Fernsehers nach dem Frühstück, das Singen von immer gleichen Liedern; Kneten, Malen, Fingerspiele, solche Kleinigkeiten schon wurden von den Kindern überschwänglich angenommen und zu meiner freudigen Überraschung auch teilweise von den Tatas übernommen.

Nach der Schule bzw. Krippe kam ich oft ziemlich kaputt nach Hause. Dann waren die Kinder im „Centre d’accueil Djidjopé“, zu denen ich immer abends von 17-19.00 Uhr ging, meine Entspannung. Jeden Tag kam mir schon an der Tür aufs Neue ein schallendes „Bon soir Tata!!“ entgegen, und ich wurde mit stürmischen Umarmungen begrüßt, gefragt, ob ich auch am Wochenende kommen oder nicht gleich übernachten könne. Grundsätzlich bestand meine Aufgabe darin, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen und einfach da zu sein, zum spielen, singen oder tanzen. Immer mal wieder haben ich und die anderen Volontäre, die mit mir dort gearbeitet haben, uns kleine besondere Aktion ausgedacht, wie z.B. ein Strandausflug, einen Filmabend, ein gemeinsames Abendessen etc. Ein besonders toller Abschluss meiner Zeit in Togo war die Woche Osterferien, in denen ich praktisch meine gesamte Zeit mit den Kindern verbracht habe und wir gemeinsam Ostern feierten, mit selbst gebastelten Osternestern und selbst bemalten Ostereiern. Diese Woche werde ich nicht so schnell vergessen und auch an die Kinder werde ich noch lange mit wunderbaren Erinnerungen zurückdenken.

Neben der Arbeit gab es natürlich auch an den Wochenenden viel zu entdecken: ob ein Bummel durch das geschäftige Treiben am Asigamé (am Schluss hatte ich beim Verhandeln um den Preis wirklich den Dreh raus.) Ein Highlight war definitiv auch eine 5-tägige Tour durch Togo und Benin mit 4 anderen Freiwilligen, die während dieser Woche gute Freunde geworden sind, auch über den Togo-Aufenthalt hinaus.

Diese 3 Monate waren definitiv die beste Entscheidung, die ich in meinem bisherigen Leben getroffen habe. Das Anpassen an eine komplett andere Kultur und Umgebung, an teilweise jede Woche neue Leute, hat mich ein bisschen gelassener werden lassen und das Ganze hat mir zu einem guten Stück mehr Selbstständigkeit verholfen. Ich konnte mein Französisch und auch mein Englisch verbessern. Gleichzeitig habe ich ein paar Fetzen der lokalen Sprache Ewe aufgeschnappt. Und zusätzlich zu der Geborgenheit, die einem von allen Seiten entgegengebracht wird, sei es durch das Team von Projects Abroad, meine Gastfamilie, Mitfreiwillige oder sogar die Kinder im Waisenhaus, die mir das Gefühl gegeben haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, erfährt man durch die afrikanische Leichtigkeit und Spontaneität ein Glücklichsein, wie man es im hektischen Europa nur selten findet. Ich habe sowohl den Kindern, meiner Gastfamilie und togolesischen Freunden als auch mir selbst fest versprochen, so bald wie möglich wieder nach Togo zu kommen – und dieses Versprechen werde ich halten.

Verena Schmaus

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