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"Ich war ein Alien"

Sandstrand in Costa Rica

Unterrichten in Costa Rica von Rüdiger Koch

Einen Erfahrungsbericht über meinen Aufenthalt in Costa Rica zu schreiben, erschien mir zuerst als eine sehr schwierige Aufgabe, da es zu viele schöne Dinge über dieses Land zu sagen gibt, als dass ich wirklich wüsste, womit ich anfangen soll. Ich weiß, dass sich für diejenigen, die dies jetzt lesen, das ein oder andere vielleicht seltsam anhören wird. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass sich all diese Sachen am Ende als aufregend und liebeswert herausstellen werden. Nähme man an, Costa Rica wäre ein Mensch, und dieser Mensch gäbe eine Kontaktanzeige auf, so würde diese wahrscheinlich folgendermaßen lauten: "Gut aussehender, attraktiver, lebenslustiger, freundlicher, warmherziger ER sucht nette Menschen aus aller Welt, um mit ihm die Freuden des Lebens zu genießen." Costa Ricas Landschaft, Pazifik- und Karibikküste, die offenherzige, lustige, sympathische Art der Ticos (wie man seine Bewohner nennt) ist derart ansteckend, dass jeder Besucher nicht lange brauchen wird, um von der Atmosphäre und Lebensweise in diesem Land absolute elektrisiert zu sein.

Abendstimmung

Ich persönlich habe diese Erfahrung während einer Taxifahrt von der Hauptstadt San José nach Liberia, wo ich als Englischlehrer gearbeitet habe. Mein Taxifahrer Jorge hat mir die wichtigsten Aspekte der costaricanischen Kultur während der 4-stündigen Fahrt näher gebracht: Pura Vida, Kaffee (mit viel(!!) Zucker), grüne Mangos mit Salz, Reis und Bohnen und eine überwältigende Landschaft. Jorge ließ es sich nicht nehmen, mich spontan zum Mittagessen einzuladen und wie sollte es anders sein, es gab Reis und Bohnen und als Nachtisch grüne Mango mit Salz. Nur dass ich Jorges Leidenschaft für diese Speise nicht wirklich teilen konnte. Dennoch lernte ich während dieses Essens meine erste wichtige Lektion über Costa Rica, nämlich das Pura Vida (wörtlich übersetzt: pures Leben) die wichtigste Vokabel in diesem Land ist. Zwei kleine Worte, die jedoch vielfache Implikationen haben: Die lebensbejahende, gastfreundliche Einstellung der Costaricaner wie auch ihre relaxte, dennoch ansteckende Lebensweise. Im Allgemeinen haben Costaricaner ein anderes, ein engeres Verständnis von persönlichem Freiraum als Europäer, und das mag zuerst aufdringlich erscheinen, aber wenn man die erste Verwunderung überstanden hat, wird man sich schnell als Teil ihrer freundlichen Gemeinschaft sehen!

Hier unterrichte ich Kinder

Dies wird man insbesondere im Zusammenleben mit der Gastfamilie erfahren. Meine Gastmutter Linete, genau so wie ihr Ehemann, ihre Tochter und ihr Enkel Emilio, hätten mich nicht freundlicher aufnehmen können. Ich würde die Wahrheit wahrscheinlich um Lichtjahre verfehlen, wenn ich behauptete, dass ich die Zeit mit meiner Gastfamilie nicht genossen hätte. Es gab immer wahnsinnig viel zu lachen, was zum Teil, wie ich bekennen muss, auch an meinem Talent lag in das ein oder andere Fettnäpfchen zu treten. Aber grade in diesen Situationen zeigte sich immer wieder, wie nett und liebenswürdig meine Gasteltern waren. Besonders als Linete an meinem Geburtstag versuchte "Happy Birthday" auf Deutsch zu intonieren, was sie auch gar nicht mal schlecht machte. Wie dem auch sei, wozu ich allen nur raten kann ist, so viel wie möglich mit der Gastfamilie zu kommunizieren. Sei es über Erfahrungen bei der Arbeit, über das Heimatland, über Reisen, die man während oder auch vor seiner Zeit in Costa Rica unternommen hat. Ihr werdet sehen, dass euch aufrichtiges Interesse entgegengebracht wird. Und, ganz wichtig, wenn ihr kein Spanisch sprechen solltet, kein Problem. Erstens lernt man das wirklich schnell, und zweitens werdet ihr erstaunt sein, was man mit Zeichensprache alles erreichen kann.

Wunderschöne Landschaft

Der erste Tag an meiner Schule (Escuela Aplicaión) als Englischlehrer zeigte mir, dass das Unterrichten hier eine durch und durch einzigartige Erfahrung werden würde. Als ich durch die Schulkorridore schlenderte, bemerkte ich fast im Sekundentakt wie mir neugierige Kinderaugen hinterschauten als ob grad ein Alien aus einer weit entfernten Galaxie gelandet wäre. Ja, zugegebenermaßen war ich ein Alien, ein kleines Alien in Liberia. Ein weißer Junge aus einem unbekannten, fremden Land, der weit, sehr weit gereist war, um an einer Grundschule in Liberia Englisch zu unterrichten. Das war auf jeden Fall, und ohne jeden Zweifel eine Sensation. Und die Sensation wurde immer sensationeller. Denn als die Kinder herausfanden, dass es in der Tat möglich war, dass spanische Worte ihren Weg aus dem Mund eines fremden weißen Mannes zu finden, hätte ihre Überraschung und Verwunderung kaum größer sein können. Wie gesagt, als ob ein Alien gelandet wäre.

Bevor ich ankam, wusste ich nicht, was mich an dieser Schule erwarten würde, nachdem ich ein par Tage dort gearbeitet hatte wusste ich, dass ich nichts Besseres hätte erwarten können. Die Lehrerin, mit der ich arbeitete, war extrem nett und freundlich, und wir ergänzten uns nahezu perfekt in unserer Arbeit. Aber auch das ganze andere Kollegium war wirklich nett, und brachte mir, meinem Heimatland und unserem Brauch "cervezas grandes" zu trinken großes Interesse entgegen. Das Aufregendste und Interessanteste jedoch waren die Kinder. Es gab keinen Tag, an dem ich nicht von lächelnden Kindern umarmt wurde, die einfach glücklich waren, mich zu sehen. Und während der Pausen, oder wenn ich die Kinder zur Essensausgabe brachte und von gigantischen Trauben von Kindern umringt war, (und hier wird sich jeder fragen, wer eigentlich wen zum Essen bringt.), dann kann man gar nicht anders als die Arbeit zu genießen. Es ist wegen all dieser Dinge, dass meine Zuneigung für meinen Job und meine Schule genauso so schnell wuchs wie der Stapel Geschenke, die mir von Schülern täglich gemacht wurden.

Insgesamt kann ich nichts anderes sagen, als dass mir mein Aufenthalt in Liberia wirklich sehr gefallen hat, obwohl es gestattet sein muss zu sagen, dass mir die überwältigende Landschaft Costa Ricas, die grandiosen Wasserfälle, die weißen Strände und das kristallklare Wasser und die bezaubernden Nationalparks mich weit mehr beeindruckt haben als die Stadt Liberia. Und jetzt, da ich schon lange wieder in Deutschland bin, muss ich gestehen, dass ich ohne zu zögern in das nächste Flugzeug steigen und zurück fliegen würde, wenn es mir möglich wäre. Denn meine Einstellung zu diesem Land ist eigentlich dieselbe wie die der Ticos zu ihrem Lieblingsessen Reis und Bohnen: Sie können einfach nicht genug kriegen.

Rüdiger Koch

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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