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"Glück auf Singhalesisch"

Freiwillig, Sri Lanka, Johanna

Englisch unterrichten in Sri Lanka von Johanna Keim

Zwei Monate, zwei volle Monate. Es kann doch nicht sein, dass all diese schönen Momente schon vorüber sein sollen? Da stehe ich nun mit Tränen in den Augen - es ist der letzte Tag vor den Ferien und gleichzeitig die Feier zum buddhistischen Neujahr und somit mein letzter Tag als Englischlehrerin an dieser kleinen Schule in Kalutara an der Westküste Sri Lankas.

Während der letzten Tage habe ich zusammen mit den Lehrern und Schülern das Schulgelände herausgeputzt, bei den Proben für die Lieder, welche die dritte Klasse aufführen will, mitgetanzt, und zwischendurch immer wieder mit den Schülern Englisch gelernt.

Freiwillig, Sri Lanka, Fest

Das Englisch unterrichten hat sich während meines Aufenthalts mehr als einmal als Geduldsprobe erwiesen. So riefen die Schüler der vierten Klasse, nachdem wir eine ganze Woche lang die Farben geübt hatten, auf meine Frage nach der Farbe des mitgebrachten roten Kartons, voller Freude: "Greeeeen, Miss Keim, Greeeeeeeeen!" - Gelacht haben wir viel zusammen, noch nie zuvor hat Unterrichten mir solchen Spaß gemacht wie mit diesen 60 Jungs in ihren blauen Shorts und den (nicht mehr ganz) weißen Hemden. Ob wir nun die Namen verschiedener Lebensmittel besprachen, bunte Papierflieger bastelten oder anhand von Keksen die Wörtchen "on" und "under" lernten: Es machte immer Spaß. Und im Gegenzug zu meinen Englischstunden erklärten mir die Kinder mit Händen und Füßen die Regeln ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Kricket, sowie, wie und wann man eine Papaya erntet.

Auch die Lehrer, meine Kollegen, habe ich ins Herz geschlossen. In jeder freien Minute beantwortete ich ihre unzähligen Fragen: "Warum bist du noch nicht verheiratet? Wie gefällt dir Sri Lanka?" Einmal brachten sie mir selbstgemachten Rottie mit, obwohl ich nur nebenbei erwähnt hatte, dass das meine Leibspeise hier sei. Ein anderes Mal lachten wir zusammen bei einer Tasse klebrig süßen Tees über die Blasen, die ich mir bei meinem nächtlichen Aufstieg auf Adams Peak mit den anderen Freiwilligen zugezogen hatte.

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Nun stehe ich hier auf der Bühne vor dem Schulgebäude, die wir gemeinsam heute Morgen aufgebaut haben, vor mir die mit Orchideen, anderen fremdartigen Blüten und Öllämpchen geschmückten Bananenstauden. Ich versuche, meine Traurigkeit zu unterdrücken, sehe mir noch den Tanz der Zweitklässler an und lache Tränen über Jungs mit Blütengesichtern, in weißen Kleidchen und in wilden Kriegerkostümen.

Dann stammle ich Dankesworte auf der Bühne im Schatten der Kokospalmen, nehme gerührt geschnitzte Elefanten und Freundschaftskettchen als Abschiedsgeschenke entgegen und tausche Adressen mit den Lehrerinnen. Und ein letztes Mal lächle ich zusammen mit ihnen in die Kamera: "I´ll send the pictures, for sure".

Freiwillig, Sri Lanka, Gruppe

Auch von den anderen Freiwilligen muss ich nun Abschied nehmen. Also gehe ich ein letztes Mal den schmalen staubigen Weg an den Bahngleisen entlang und stelle mich an den Straßenrand, um auf einen der überfüllten Busse zu warten. Vorher halte ich noch einmal an dem kleinen Laden an der Ecke und bestelle meinen letzten Vanille-Milchshake, von denen mich so viele in meiner Zeit hier erfreuten.

Dann bin ich zu Hause. Ja, genau so fühlt es sich an, wenn ich das quietschende Gartentor zu dem Haus öffne, das ich während der letzten Wochen mit meinen Mitbewohnern geteilt habe. Hier saßen wir mittags um den Tisch voller srilankischer Köstlichkeiten, die unsere Köchin Latta mit einem breiten Lachen serviert hatte. Hier sprachen wir über die Erlebnisse des Tages und schmiedeten Pläne für das Wochenende: Wohin sollte es dieses Mal gehen? An unseren Lieblingsstrand nach Unawattuna? Mal wieder eine Strandparty? Oder lieber Elefanten streicheln, oder ein Ausflug in den Nationalpark?

Auch meine Mitbewohner sind mir so lieb geworden wie meine Familie. Zusammen mit diesen "verrückten Engländerinnen" habe ich täglich die "Tea-Time" zelebriert, in der Gluthitze unsere Wäsche in großen Bottichen gewaschen, Nudel-Partys gefeiert, mit viel Geschrei Spinnen gejagt und die lauen Abende im "Shish", unserer geliebten Stammkneipe in Kalutara, beim Kartenspiel ausklingen lassen: So etwas schweißt zusammen.

Ein letztes Mal genieße ich Lattas köstliches Rice and Curry. Danach sitze ich noch einmal mit meinen Mitbewohnern auf der Stufe vor unserem Haus, stecke den Strohhalm in den Milchshake und genieße das gewohnte Affengezeter auf Nachbars Dach. So fühlt sich Glück, aber leider auch Abschied an. Aber zu Freunden sagt man nicht "Tschüß", sondern "Auf Wiedersehen". In diesem Sinne - "Ayubowan!"

Johanna Keim

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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