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Von der Streichelfarm zur Jagdtrophäe: die Ausbeutung von Löwen in Südafrika

Streichelfarmen sind ein Touristenmagnet in Südafrika und attraktiv für viele Freiwillige, die Naturschutz – Projekte unterstützen wollen. Dahinter steckt jedoch ein ausgeklügeltes Zuchtprogramm, das unwissende Freiwillige zu Helfern für den illegalen Jagdtourismus macht. Unserer Partnerorganisation Campaign Against Canned Hunting (CACH) setzt sich für das Zuchtverbot von Löwen für die Gatterjagd-Industrie in Südafrika ein und empfiehlt Projects Abroad offiziell als ethische Vermittlungsagentur für Freiwilligenarbeit. Faye Peeters von CACH Germany hat uns ein Interview gegeben, um auf die Situation der Löwen in Südafrika aufmerksam zu machen.

Protestmarsch für den Artenschutz der Löwen im Stadtzentrum von Kapstadt im April 2014

Liebe Frau Peeters, was fasziniert sie an Löwen und Raubkatzen?

Als Katzenliebhaberin (ich teile mein Haus mit 6 Norwegischen Waldkatzen!) haben vor allem die majestätischen Löwen es mir angetan.  Im Gegensatz zu den übrigen, eher einzelgängerischen Großkatzen leben Löwen im Rudel und sind sehr sozial. Und die Löwenmännchen mit eindrucksvoller Mähne sind natürlich sehr imponierend.

Nicht viele Menschen sind sich der heutigen Notlage der Löwen weltweit bewusst. Sie wurden fast bis zur Ausrottung bejagt (nur noch 20.000 Löwen leben in freier Wildbahn, im Jahre 1900 waren es noch mehr als eine Million), aber sie werden vom gnadenlosen System der Löwenzucht in Südafrika bis zum letzten Knochen ausgenutzt. Derzeit warten 8000 in Gefangenschaft gezüchtete Löwen auf ihr Schicksal. Sie halten als “lebendes Spielzeug“ in Streichelfarmen für Touristen her, werden während einer Gatterjagd erlegt und ihre Knochen nach Asien verkauft.

In Europa ist es allerdings nicht viel besser. Löwen werden im Zirkus missbraucht, in nicht-artgerechten Tiergärten gehalten und für die Bespaßung von Menschen ausgebeutet.

Bitte stellen Sie CACH als Organisation, ihre Gründung und Arbeitsschwerpunkte kurz vor.

Faye Peeters mit Chris Mercer, dem Gründer der Campaign Against Canned HuntingCACH ist eine in Südafrika eingetragene, gemeinnützige Organisation mit jährlicher Kontenprüfung zum Schutz von Wildtieren. Seit der Veröffentlichung ihres Buchs "Canned Lion Hunting - a National Disgrace" (Gatterjagd, eine nationale Schande) im Jahr 2002 haben sich die beiden Gründer, Chris Mercer und Bev Pervan, für die Arterhaltung und den Tierschutz in Südafrika engagiert. Wir sind eine Gruppe von Freiwilligen, die gemeinsam dafür kämpfen, die Zucht von Löwen für die Gatterjagd zu verbieten. Bei CACH gibt es keine bezahlten Mitarbeiter. Niemand bezieht ein Gehalt, nicht einmal die Direktoren. Alle Spenden fließen in die Kostendeckung der Kampagnen.

In vielen afrikanischen Ländern gibt es Streichelfarmen mit Löwen und anderen Raubkatzen, die von Touristen besucht und von Freiwilligen unterstützt werden. Was ist das Problem mit solchen Zentren?

Die Aufzucht von Jungtieren bringt Streichelfarmen viel Geld ein. Sie nutzen Freiwillige (die bis zu 2000 € für ihren Aufenthalt zahlen), um die Löwenbabys zu versorgen und sie von Hand aufzuziehen. Touristen und Volontäre glauben naiv daran, dass diese Tiere irgendwann ausgewildert werden. Löwen, die nicht in einer natürlichen Sozialgruppe aufwachsen und von Hand aufgezogen werden, können nie ausgewildert werden. Des Weiteren wird den Volontären vorgegaukelt, dass es sich um ein „Wildtierschutzprojekt“ handelt. In Wahrheit werden diese Löwen, sobald sie erwachsen sind, an Jagdfarmen verkauft. Ihr Leben wird auf brutale Weise und mit schrecklichen Schmerzen enden.  

Woher kommen die jungen Löwen?

Löwenzucht ist ein gewinnbringender Geschäftszweig in Südafrika. Neugeborene Löwenbabys werden im Alter von nur wenigen Tagen der Mutter entnommen. Dies führt zu extremen psychischen Belastungen sowohl für die Mutter als auch für die Jungen. Die Mutter wird dann gezwungen, immer weiter Welpen zu produzieren, etwa 2 bis 3 Würfe in einem Jahr. Das ist extrem unnatürlich. In freier Wildbahn bekommt eine Löwin nur jedes zweite oder dritte Jahr Junge. Touristen wird erzählt, dass die Mutter ihre Babys verstoßen hat oder dass sie verstorben ist.

Vor kurzem tauchten in den Medien Fotos von unterernährten Löwen auf einer Löwenfarm in Südafrika auf. Unter welchen Bedingungen werden die Tiere gehalten?

Logo von CACH (Campaign Against Canned Hunting)Nun, seitdem der öffentliche Druck auf die Löwenzuchtindustrie zugenommen hat, hat sich der Wert eines Löwen schlagartig verringert. Es reisen weniger Jäger nach Südafrika um an einer Gatterjagd teilzunehmen, da z.B. auch in den Vereinigten Staaten die Einfuhrgenehmigungen stringenter geworden sind. Jäger wollen natürlich eine „schöne“, „gesunde“ Trophäe. Deswegen meinen Kritiker, ein Verbot der Gatterjagd würde dazu führen, dass die Tiere nur noch für den Knochenhandel gezüchtet werden und die Tierhaltung dann noch verwerflicher wird. So wurden vor kurzem die Kampagnen von CACH und Blood Lions durch die SAPA (South African Predator Association) scharf verurteilt, da diese den Lebensunterhalt der Löwenzüchter bedrohen und viele Züchter gar keine Möglichkeit mehr hätten, ihre Tiere richtig zu ernähren. Die SAPA verdreht natürlich die Tatsachen: seit 1997 wird gekämpft um die Gatterjagd zu verbieten. Die Löwenzüchter hatten knapp 10 Jahre Zeit um sich den Gegebenheiten anzupassen.  

Wie werben Projekte, die die Gatterjagd-Industrie in Südafrika unterstützen, um Freiwillige? Welche Vorbereitung empfehlen Sie Interessenten, die nach einem Naturschutzprojekt suchen?

Frau mit Löwenbaby in Streichelfarm in Südafrika.Streichelfarmen suchen vor allem weibliche Volontäre, die sich instinktiv als Ersatzmutter für Löwenbabys anmelden. Im Alter von 18-19 Jahre ist man oft noch sehr beeinflussbar und wenn die Organisation einem erzählt, dass die Mutter die Babys verstoßen hat oder dass das Projekt eine wichtige Rolle im Artenschutz spielt, kommen zuerst keine Zweifel auf.

Wir empfehlen kritisch zu sein und immer Fragen zu stellen. Man soll sich vor der Reise davon überzeugen, dass die ehrenamtliche Arbeit nur ethische Organisationen unterstützt. Man sollte Projekte, die kommerzielle Aktivitäten mit Wildtieren anbieten, grundsätzlich meiden: unabhängig davon, ob es sich um Streichelfarmen oder Elefantenreiten handelt. Projekte, in denen Tiere gezüchtet werden, sollte man ebenfalls nicht unterstützen. Es gibt nicht genügend Freiraum in Afrika um diese Tiere auszuwildern und da sie völlig vom Menschen abhängig sind, könnten sie nicht alleine überleben.

Und last but not least: Fast jede Farm, die einen Löwenbaby-Streichelzoo anbietet, steht in irgendeiner Weise mit der Gatterjagd in Verbindung, da Streichelzoos eine profitable Nebeneinnahme für Löwenzüchter sind.  

Unter welchen Kriterien prüfen Sie Naturschutz - Projekte in Südafrika?


Wir sind eine südafrikanische NGO und unsere Direktoren kennen jedes Projekt in Südafrika. Freiwilligenagenturen die mit uns zusammenarbeiten möchten, müssen einen strengen Verhaltenskodex unterschreiben. Empfehlenswert ist auch die von „Volunteers in Africa Beware“ erstellte Liste: www.facebook.com/VolunteersBeware

Wie machen Sie in Deutschland auf das Problem aufmerksam und was planen Sie in naher Zukunft? (Wo wurde z.B. der Werbespot über den jungen Löwen Leo ausgestrahlt?)

Wir kümmern uns vor allem um Aufklärungsarbeit: sei es bei Freiwilligenagenturen oder als Ansprechpartner für die Presse. Da wir in Deutschland keine Spenden akzeptieren, können wir nicht in groß aufgelegten Medienkampagnen investieren.  Unser Spot wird vor allem über Facebook geteilt oder von Partner-Organisationen in der eigenen Aufklärungsarbeit eingebunden. Vor kurzem haben wir eine ausführliche Zusammenfassung über Initiativen gegen Canned Hunting erfasst: Welche Organisationen haben Kampagnen gegen die Gatterjagd ins Leben gerufen? Wie viele Petitionen gibt es? Wie viele Demos haben schon stattgefunden? Was wird in den Medien erzählt?

Ziel dieser Zusammenfassung war es, dem Minister für Tourismus in Südafrika Derek Hanekom klar zu machen, dass Canned Hunting Südafrika einen immensen Image-Schaden zugefügt hat. Immer mehr Touristen tun ihren Unmut kund, da sie Nachhaltigkeit suchen und eine Massenzuchtindustrie vorfinden. Wir hoffen nun auf eine baldige Reaktion seinerseits.

Mehr Informationen zu CACH Germany findest du auf der Webseite http://www.cannedlion.org/germany.html . Wir danken Frau Peeters herzlich für das Interview!

 

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