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Es funktioniert auch, ohne nach der Uhr zu leben!

ghana-hausbau-freiwillige

Hausbau - Projekt in Ghana von Luise Sokolowski

ghana-hausbau-arbeit

Es ist Donnerstag Mittag, die Sonne steht senkrecht über den Akuapem Hills. Mein letzter Einsatz beim Hausbau - Projekt für die neue Schulbibliothek im Dorf Akokoa ist vorbei. Um den Moment des Abschieds nicht in die Länge zu ziehen, habe ich mich als erste auf den Weg zur Hauptstraße gemacht. Dort befindet sich die Trotro Haltestelle. Tro-tros sind ausrangierte Lieferwägen aus den Industriestaaten, die mit Sitzen und Fenstern zu öffentlichen Kleinbussen umfunktioniert wurden – eine großartige Erfindung, denn jede Fahrt ist ein Erlebnis. Eines Morgens zum Beispiel fuhren wir zur Arbeit, als die Seitentür des Fahrzeugs abriss. Der Fahrer verstaute die Tür daraufhin kurzerhand im Kofferraum und fuhr weiter. Im nächsten Dorf wurden wir von einer Polizeikontrolle angehalten. Der Polizist: „Wo ist denn eure Tür?“ Eine Freiwillige, auf den Kofferraum deutend: „Sie ist nur am falschen Ort.“ Der Polizist lachte daraufhin und wünschte uns mit den Worten „Save journey“ eine gute Weiterfahrt.

ghana-hausbau-ziegel

Doch heute freue ich mich nicht auf die Trotro Fahrt nach Kwamoso, dem Dorf meiner Gastfamilie. Als ich den leichten Anstieg des lehmigen, holprigen Weges überwunden habe, erblicke ich die grüne, endlose Weite der Akuapem Hills, die mich immer wieder in Erfurcht versetzt. Es ist das letzte Mal, dass ich diesen Blick genießen darf und der Gedanke treibt mir Tränen in die Augen. Hier und da ragen ein paar vereinzelte Baumriesen zwischen Cassavafeldern und Bananenstauden hervor. Weit und breit ist kein Haus in Sicht – so scheint es, als ob es in dieser Gegend überhaupt keine Zivilisation geben würde. Doch das ist nur eine Illusion, in Wirklichkeit gibt es ständig Veränderungen und Entwicklungen, auch in dieser ländlichen Region Ghanas.

ghana-hausbau-kinder

Zum Beispiel ist es in der Tat möglich, aus Sand, Zement und Wasser ein kompaktes Haus in nur zwei Monaten zu errichten! Während ich der Hauptstraße immer näher komme, laufen die vergangenen zehn Wochen wie ein Film in meinem Kopf ab. An meinem ersten Tag war ich noch sehr aufgeregt und konnte mir nicht vorstellen, was mich genau erwartet. Wie schön, dass wir ein Team aus internationalen Freiwilligen waren, sodass wir uns im Verlauf der Zeit über unsere Erfahrungen austauschen konnten. Wir wurden bald gute Freunde. Aus den Niederlanden, Frankreich, Kanada, Dänemark, den USA, Italien, Australien und anderen Ländern kamen fast jede Woche neue Freiwillige dazu, und andere verließen uns wieder.

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Anfangs mussten die Ziegel für die Wände hergestellt und das Fundament gegraben werden. Dazu wurden wir von Kwasi, unserem Bauleiter, in zwei Gruppen eingeteilt. Ich war in der „Ziegel-Gruppe“. Sand und Zement mussten gut vermischt werden und dann wurde so viel Wasser hinzugegeben, bis das Ganze eine bröselige Konsistenz hatte. Dieses Gemisch wurde in eiserne, quaderförmige Formen gefüllt und in die Sonne zum Trocknen gebracht. Alles erinnerte ein wenig an den Bau einer Sandburg.

Die körperliche Arbeit war sehr anstrengend, aber gerade das gefiel mir gut. Wann sonst hat man die Gelegenheit, in wunderschöner Natur in einer netten Gruppe und mit ganzem Einsatz etwas Gutes zu bewirken, und dabei auch noch seine Kondition zu trainieren?

Besonders schön war es, wenn die Kinder ihre Pause vom Unterricht hatten. Dann kamen sie alle auf einmal aus den Klassenräumen gestürmt und wollten mit uns spielen. Am meisten liebten sie es, wenn drei oder vier von ihnen in der leeren Schubkarre fahren durften.

Als es an die Maurerarbeiten ging, konnten wir mit jedem Tag sehen, wie die Wände für die Schulbibliothek ein wenig höher wurden. Das war für uns alle ein wunderbares Gefühl, denn wir konnten das Ergebnis unserer Arbeit genau mitverfolgen. Eine Gruppe war für das Mixen des Mörtels verantwortlich, mit dem die anderen die Lücken zwischen den Ziegeln füllten oder die Wände verputzen. Drei professionelle ghanaische Bauarbeiter beaufsichtigten das Ganze und halfen uns, wo immer es nötig war. Wegen der Hitze fingen wir morgens mit den Bauarbeiten an und hatten kurz vor Mittag Feierabend; manchmal früher, manchmal später – es gab keinen festen Zeitplan. Gerade das habe ich in Ghana schätzen gelernt: Man lebt nicht nach der Uhr, aber trotzdem gelingt das, was man sich vornimmt, wenn das Team gut zusammenarbeitet.

Nachdem die Schaufeln, die Metallschüsseln für den Mörtel und die Schubkarren gewaschen waren, fuhren wir gemeinsam mit dem Trotro nachhause zu unseren Gastfamilien. Manchmal nahm uns auch ein Transporter auf der Ladefläche mit – das war das Beste! Unsere Gastmutter Elisabeth empfing uns mit der freundlichen Begrüßung „Akwaaba“, das heißt „Willkommen“ in Twi. Nach dem Mittagessen hatten wir viel Zeit, um uns auszuruhen, mit dem Eimer zu duschen – es gibt nichts Schöneres an einem heißen, staubigen Nachmittag! – unsere Sachen zu waschen oder zu lesen.

Jeden Mittwoch trafen sich alle Freiwilligen bei Emmanuel, einem Mitarbeiter von Projects Abroad, wo wir die Neuankömmlinge begrüßen konnten. Es war immer spannend und schön, mehr über die Hintergründe und Pläne der „Kollegen“ zu erfahren. Donnerstag war „Internet-Café-Tag“: In kleinen Gruppen nahmen wir ein Trotro in die nächstgrößere Stadt Koforidua. Dort gab es nicht nur das moderne Vodaphone-Internetcafé, sondern auch einen bunten Markt mit allem, was man braucht: Kleidung, Waschmittel, köstliches Obst (wenn ich nur an die reifen, saftigen Mangos denke...) und Vieles mehr. Zwischen den Passanten tummelten sich Händlerinnen, die ihre Ware in riesigen Schalen oder Körben elegant auf dem Kopf balancierten. Ich konnte mich auch am Ende meines Aufenthalts nicht satt daran sehen, so sehr faszinierten sie mich.

Am Wochenende verreisten wir oft in einer große Gruppe: Zum Beispiel nach Cape Coast, in die Volta Region zu den atemberaubend schönen Wli Agumatsa Wasserfällen, oder nach Accra. Jede Reise war ein Erlebnis für sich und am Montag waren wir erholt und erfüllt mit neuen Eindrücken zurück bei der Arbeit.

So vergingen die zwei Monate in den Akuapem Hills sehr schnell – zu schnell eigentlich. Die Wände für die Bibliothek wurden höher und höher, dann kam der Giebel dazu, dann der Putz, dann der Fußboden – und dann war auch schon für mich Schluss. Nun stehe ich an der Trotro Haltestelle nach Kwamoso. Ich möchte am liebsten das alles nicht zurücklassen, was ich so liebgewonnen habe. Gleichzeitig bin ich unendlich dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte. Es ist seltsam, aber ich spüre, dass die Akuapem Hills wie eine Art zweites Zuhause für mich geworden sind.

Gegen die bevorstehende Sehnsucht hilft nur eins: Möglichst schnell wiederkommen!

Luise Sokolowski

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