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"Avurudu oder Sinhala New Year"

Meine Gastfamilie und ich

Impressionen vom Neujahrsfest in Sri Lanka von Christina Weinreich

Pünktlich zum Abschluss meines dreimonatigen Freiwilligenaufenthaltes in Galle erlebte ich ein wirkliches Highlight: Ich durfte im Kreise meiner srilankanischen Gastfamilie das traditionelle singhalesische und tamilische Neujahrsfest (Avurudu) mitfeiern.

Das singhalesische Neujahrsfest fällt regelmäßig auf den 13. oder 14. April. Das genaue Datum richtet sich nach dem Sonnenkalender. Man feiert den Übergang vom Tierkreiszeichen Meena Rashiya (Pisces) zu Mesha Rashi (Aries). Dieses Jahr (2009) fiel Neujahr auf den 14. April. Für die Singhalesen und Tamilen ist es das größte und wichtigste Fest des Jahres, das mit vielen jahrhundertealten Ritualen gefeiert wird. Charakteristisch sind bestimmte (astrologisch) berechnete Zeitpunkte, zu denen die Arbeit eingestellt und wieder aufgenommen wird bzw. zu denen gekocht und gegessen wird. Zudem hat die Kleidung am Neujahrstag eine besondere Farbe, in diesem Jahr perlweiss. Insbesondere in den Dörfern spielen die Kinder und die Erwachsenen traditionelle Spiele wie z.B. Tauziehen, Kissen-schlacht und Eierlaufen. Besonders lustig fand ich das "Hinaufklettern auf eine fettige Kokusnusspalme": Die Teilnehmer müssen den Stamm einer Kokosnusspalme, die mit einer schmierigen Masse eingefettet ist, hinaufklettern. Es gewinnt derjenige, der als erster oben ist.

Bereits Tage zuvor begann meine Gastfamilie mit einer der wichtigsten Vorbereitungen: Dem großen Hausputz. Alle Zimmer wurden von oben bis unten gesaeubert: die Boeden geschrubbt, der Staub von den Möbeln entfernt, die Fenster geputzt und die Gardinen gewaschen. Auch in den ohnehin sehr lebendigen Einkaufsstraßen von Galle ging es wesentlich hektischer zu, als gewöhnlich: zahlreiche Läden und Straßenhändler lockten mit Sonderangeboten fuer Kleidung, Geschirr, Öllampen, Bananen, Süßigkeiten, Feuerwerkskörper etc. Auch meine Gastfamilie kaufte kräftig ein: einen neuen Tontopf, für die Zubereitung des Frühstückes am Neujahrsmorgen, Tassen, Möbel, Lampen, Gardinen sowie Kleidung.

Köstlichkeiten zum Neujahrsfest

Das eigentliche Fest begann mit dem Sonnenuntergang am Abend des 13. April. Entsprechend der astrologischen Berechnung wurde pünktlich um 18.23 Uhr mit Feuerwerk und Böllern die sog. neutrale Zeit (Nonagatha) eingeleitet. Die neutrale Zeit dauert bis zum Neujahrsmorgen. Man stellt die Arbeit ein und löscht das Feuer, das von vielen Sri Lankanern insbesondere in den Dörfern, noch immer zum Kochen benutzt wird. Zudem wird gefastet. Ein Besuch im Tempel gehört ebenfalls dazu.

Um 00.47 Uhr - ebenfalls astrologisch berechnet - begann das neue Jahr. Dieser Zeitpunkt ist allerdings eher unspektakulär. Man schläft ...

Jedoch musste ich am 14. April schon um 04.30 Uhr aufstehen, weil mir meine Gastfamilie erklärt hatte, dass in diesem Jahr pünktlich um 05.05 Uhr das Feuer wieder angezündet wird, auf dem dann die erste Malzeit für das neue Jahr zubereitet wird. Beim Anzünden des Feuers muss in eine bestimmte Himmelsrichtung - in diesem Jahr: Norden - geschaut werden. Die erste Malzeit im neuen Jahr ist Kiri Bath (Milchreis). Das Anzünden des Feuers und die Zubereitung von Kiri Bath in einem neuen Tontopf ist im ganzen Land ein wichtiger Moment. Sogar im Fernsehen wurden diese Ereignisse live aus dem Haus des Präsidenten übertragen.

Während also der Milchreis auf dem offenen Feuer köchelte, deckte Lakmali, meine Gastmutter, den Tisch mit zahlreichen Süssigkeiten. Die Süßigkeiten - i.d.R. aus Reismehl - sind sehr farbenfroh und haben erstaunliche Namen wie z.B. Kewum, Kokis und Asmee. Für europäische Geschmäcker sind sie sehr süß und ölig. Bananenstauden sind ebenfalls traditionelle Bestandteile des Neujahrsfrühstücks. Der Tisch wurde ferner mit einer brennenden Kokosoellampe - als Zeichen für den Wohlstand - geschmückt.

Neujahr in Sri Lanka

Auf die Sekunde genau um 05.50 Uhr durften wir die Köstlichkeiten schließlich probieren.

Im Anschluss fanden traditionsgemäß die ersten "finanziellen Transaktionen" statt. D.h. Priyantha, mein Gastvater, überreichte seiner Frau und der vierjährigen Tochter Venuji ein kleines Geldgeschenk. Dieses Ritual soll der Familie im neuen Jahr finazielles Glück bringen. Mein Gastvater, der Mitarbeiter einer Bank ist, musste sogar den halben Tag arbeiten. Denn viele Leute erledigen traditionell am Neujahrsmorgen ihre Bankgeschäfte (z.B. Konten eröffnen), um die finanziellen Angelegenheiten im neuen Jahr günstig zu beeinflussen.

Der Rest des Tages war mit spontanen Besuchen von Verwandten und Freunden im Hause meiner Gastfamilie ausgefüllt. Meine Gastmutter stand den ganzen Nachmittag in der Küche und bereitete das Festmal fuer den Abend zu, da sich 12 (!!!) Personen angekündigt hatten. Es gab u.a. Fried Rice, Chicken Curry , frittierte Fischbällchen, rosagefärbten Pudding und Obstsalat. Ich habe diesen Tag und Abend, der leider mein letzter war, sehr genossen und ich bin froh, dass ich das Glück hatte, dieses wichtige und traditionsreiche Fest in einer typisch sri lankanischen Familie mitfeiern zu dürfen. Lakmali, Priyantha und Venuji: Vielen Dank !!!"

Christina Weinreich

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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