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„Zwei Tropfen retten Leben“: An nur einem Tag impften wir 6077 Kinder gegen Polio

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Medizin – Praktikum in Ghana von Johanna Thiemann

Es ist heiß, sehr heiß, aber die körperlich belastende Hitze trägt auch einen Hauch von Freiheit, Unbeschwertheit und Abenteuer in sich. Ein Abenteuer, welches ich nie vergessen werde.

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Nach meinem Abitur hatte ich den festen Entschluss, Medizin zu studieren. Das Ergebnis meiner Bewerbung war ernüchternd: unendliche Wartelisten, unendlich viele Bewerber. Was nun? Im Internet stieß ich durch reinen Zufall auf die Internetseite von Projects Abroad. Da ich unter chronischem Fernweh leide, kam der Entschluss recht plötzlich und bevor ich überhaupt wusste, worauf ich mich einließ, saß ich im Flieger nach Accra, der Hauptstadt Ghanas.

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Vier Monate verbrachte ich in Ho, einer Kleinstadt nahe der Grenze zu Togo. Fünf Tage die Woche arbeitete ich von nun an 8 Stunden am Tag im „Volta Regional Hospital“. Anfangs machte das Krankenhaus einen recht modernen Eindruck auf mich, doch mit der Zeit enttarnten sich die Probleme und die gravierenden Unterschiede zu der westlichen Welt. Wer im Krankenhaus genügend Interesse zeigt, keine Scheu vor Menschen hat und bereit ist, sich auf alles einzulassen, wird eine Menge lernen und mehr zu sehen bekommen, als es in Deutschland je möglich sein wird.

Es hat sich für mich als hilfreich erwiesen, die Menschen in Ghana und ihre Traditionen so hinzunehmen wie sie sind. Mir wurde schnell klar, dass ich in der kurzen Zeit keine jahrelangen Traditionen ändern kann. Dagegen stellte ich fest, dass das gegenseitige Vertrauen umso schneller wuchs, als ich die für mich ungewohnten Sitten annahm und mich darauf beschränkte, Vorschläge zu machen oder Geschichten aus Deutschland zu erzählen, um den Menschen kritische Themen wie z.B. Hygiene etwas näher zu bringen.

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Im Krankenhaus konnte ich mir die verschiedenen Stationen anschauen. Ich arbeitete auf der Kinderstation, der ambulanten Station für Männer und Frauen, der chirurgischen Station für Frauen in der Gynäkologie und in der Notaufnahme. Ich habe viel Schreckliches gesehen wie einen offenen Handgelenksbruch bei einem 10-jährigen Jungen, der von den Eltern zuhause eine Woche lang mit Kräutern behandelt worden war… aber auch viel Schönes, zum Beispiel eine Mutter, die nach der Geburt ihr gesundes Kind in den Armen hielt, welches von den Ärzten schon für tot erklärt worden war. Das hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Die Kraft der Menschen und Ghana beeindruckt mich noch heute.

Auch außerhalb des Krankenhauses gab es keine Langeweile. Jeden Mittwoch und Donnerstag hatten wir „Outreach“: Mittwochs führte uns ein Krankenpfleger in ein Dorf für geheilte Leprakranke. Wir versorgten ihre Wunden und leisteten ihnen einfach ein bisschen Gesellschaft. Am nationalen Freiwilligentag säuberten wir das ganze Dorf. Donnerstags ging es auf Dörfer, zu Schulen und kleinen Gemeinden. Wir führten medizinische Grundversorgungen durch, impften so viele kleine Kinder wie wir konnten und klärten an Schulen über gängige Krankheiten und Präventionen auf.

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Zwei unserer größten Aktionen waren der nationale Impftag und ein Schulprojekt, organisiert von Projects Abroad. Am nationalen Impftag zogen wir zusammen mit Freiwilligen aus der Gemeinde und dem Motto „Zwei Tropfen retten Leben“ durch die Straße und impften an nur einem Tag 6077 Kinder zwischen 0 und 5 Jahren gegen Polio, die Kinderlähmung.

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Für das Schulprojekt taten wir uns an einem anderen Tag als medizinisches Team mit den Projects Abroad Freiwilligen zusammen, die an Schulen und Waisenhäusern tätig waren. Das medizinische Team unterzog all die Schüler einer Schule samt deren Eltern, Großeltern und Geschwistern einer medizinischen Grunduntersuchung. Wir maßen den Blutdruck, verbanden kleinere Wunden, beantworteten Fragen und behandelten Malaria und andere gängige Krankheiten. Die Zahl der Patienten an diesem Tag zu zählen, war unmöglich. Und das Gefühl, die Zufriedenheit auf den Gesichtern der Menschen zu sehen, ist ebenfalls unbeschreiblich.

Alle Freiwilligen, die nicht an der medizinischen Versorgung teilnahmen, machten sich an dem Tag daran, die Schule zu streichen und das Alphabet an die Wände zu malen. Dadurch konnte die Lernatmosphäre für die Kinder in den Klassenräumen verbessert werden. Es wurden Stühle und Tische repariert. Zur Feier des Tages führten die Kiner einen traditionellen Tanz auf. Wir schafften es, durch Spenden von Freiwilligen und deren Angehörigen fast 7000 Kinder mit Krankenversicherungen zu versehen und retteten damit eine Menge Leben!

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In den ersten Wochen war ich die einzige Freiwillige in Ho, mit der Regenzeit kamen dann aber auch andere Freiwillige. An den Wochenenden nutzten viele Freiwillige die Möglichkeit, zu reisen. Ich verbrachte die meiste Zeit in Ho und schloss dadurch enge Verhältnisse zu den Einwohnern. Ich bekam einen engen Bezug zu ihnen und sie wurden zu einer zweiten Familie für mich. Ich spielte Fußball mit den Kindern, begeisterte diese mit der modernen Technik einer Kamera und bekam einen tiefen Einblick in die Kultur. Ich ließ mich auf alles ein und hatte die beste Zeit meines Lebens!

Nach dem 30. Heiratsantrag habe ich es aufgegeben, mitzuzählen. Vom falschen Ring bis zur vorgetäuschten Schwangerschaft haben wir alles probiert, um unsere Verehrer loszuwerden. Wir haben aber bald festgestellt, dass die Wahrheit oder eine direkte Gegenfrage am besten wirkten. Wer auf die Aussage „ Ich will dich heiraten!“ trocken fragt, wann es denn losgehen soll, erntet anfangs einen ungläubigen Blick und danach eine Menge Gelächter!

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Im Moment mache ich eine Ausbildung zur Rettungsassistentin beim DRK, um die weitere Wartezeit auf einen Studienplatz zu überbrücken. Der Abschied in Ghana fiel mir sehr schwer. Traditionsgemäß wurde ich mit einem Sprung übers Feuer verabschiedet. Ich habe eine Menge gelernt, praktische Erfahrungen gesammelt und mir auch mein dreimonatiges Pflegepraktikum vom Krankenhaus in Ghana bescheinigen lassen.

Noch immer fehlen mir die leuchtenden Augen der Kinder, das freundliche Lächeln, mit dem ich überall begrüßt wurde, und die Gelassenheit, mit der die Menschen in Ghana leben. Ich werde meine Zeit in Ghana nie vergessen. Jedem der über eine solche Aktion nachdenkt, kann ich nur dazu raten, es selbst zu probieren!

Johanna Thiemann

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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