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"Erwarte das Unerwartete"

Ein einheimischer Student und ich

Medizin - Praktikum in Sri Lanka von Fabian Riedel

Was erwartet einen als "Freiwilligen" bei einem Aufenthalt in Sri Lanka? Diese Frage habe ich mir gestellt, bevor ich mein zweimonatiges Praktikum am Teaching Hospital Karapitya in der Nähe von Galle im Süden Sri Lankas angetreten habe. Trotz intensiver Beschäftigung mit meiner Ersatzheimat für zwei Monate konnte ich mir diese Frage selbst nicht recht beantworten, und nun - wenn ich an die Zeit in Sri Lanka zurückdenke - weiß ich auch warum - für Sri Lanka gilt nämlich: Erwarte das Unerwartete, kein Tag ist wie der andere, es gibt unendlich viel Interessantes, Spannendes und Ungewohntes, was es zu entdecken gilt!

Manches in Sri Lanka war für mich anfangs durchaus befremdlich, aber je schneller und umso mehr man sich selbst dem Land und seinen Menschen öffnet, desto schneller gewöhnt man sich auch an das Leben und lernt seine Eigenarten zu schätzen. Mein Praktikumsplatz war das Krankenhaus in Karapitiya - ein riesiger, weitläufiger Komplex mit fast 1450 Betten und mehr als 400 beschäftigten Ärztinnen und Ärzten, und dazu fast noch einmal doppelt soviel Pflegepersonal.

Platz vor dem Krankenhaus in Karapitiya

Der Krankenhausalltag selbst ist allein schon schwer zu vergleichen mit dem in Deutschland: Der Trubel, die Lautstärke und vor allem die Menschenmassen im Krankenhaus, die sich allmorgendlich bis in den Abend hinein durch die engen Gänge schlängeln; eine Verwaltung, die komplett ohne EDV auskommt - insgesamt beruht täglich Vieles auf Improvisation. Auch die Architektur des Krankenhauses ist übrigens ungewohnt offen - Hunde und Katzen streunen wie selbstverständlich durch die Flure. Aber die Einheimischen nehmen auch das mit der nötigen Gelassenheit hin, wie sie überhaupt alles recht gelassen anzugehen verstehen: Zeit ist sowieso in Sri Lanka generell ein relativer Begriff - die Uhren ticken hier nicht nur anders, sondern auch ein wenig langsamer (auch wenn die Straßen zur Rushhour nicht immer diesen Eindruck vermitteln).

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir bei meiner Zeit im Krankenhaus, dass die Ärzte und Ärztinnen, sowie das gesamte Pflegepersonal ausgesprochen nett sind und stets versuchen, den Freiwilligen ihre Arbeit näher zu bringen, diese einzubeziehen und ihnen möglichst viel von ihrem medizinischen Wissen zu vermitteln. Besonders lohnenswert ist die Möglichkeit, Operationen beizuwohnen, die im Hospital in Karapitiya jeden Tag in den insgesamt acht Operationssälen durchgeführt werden. Vor allem die Operationen am offenen Herzen in der modern ausgestatteten "Cardiothoracic Unit" (CTU) sind ein sehr eindrückliches Erlebnis, vor allem wenn ein Arzt die Operation leitet, der während der OP gleichzeitig dem anwesenden Freiwilligen quasi live Anatomie und Physiologie des Herzens erläutert und die verschiedenen Schritte bei der Behebung des Herzfehlers in anschaulicher Form darlegt.

Sonnenuntergang am Strand

Auch immer einen Besuch wert ist die "Emergency Treatment Unit" (ETU), d.h. die Notaufnahme - dort kann man in ruhigeren Phasen sogar auf eine Tasse Tee oder ein Stückchen Kuchen hoffen! Hierbei erklärt der Arzt dann ausführlich den Krankheitshintergrund der Patienten... Da das Krankenhaus auch spezialisiert ist auf die klinische Ausbildung von einheimischen Studenten, lernt man sehr schnell Studierenden kennen und findet mitunter neue Freunde, mit denen man nicht nur zusammen den Tag im Krankenhaus verbringt (was natürlich viel mehr Spaß macht als alleine), sondern auch in der Fakultäts-Mensa essen oder auch sonst die Freizeit verbringen kann - Es ist ohnehin ein unschätzbarer Vorteil, einheimische Freunde kennen zu lernen, diese können dem neuangekommenen Freiwilligen wertvolle Tipps geben und ihn auch sonst in dem für ihn vielleicht noch unbekannten Land unterstützen. Andererseits sind natürlich auch die Einheimischen sehr an dem "foreigner" interessiert, so dass ein solcher kultureller Austausch beide Länder und Kulturen näher bringt.

Gelebt habe ich mit mehreren anderen Teilnehmern während meines Aufenthaltes bei einer Gastfamilie, deren Haus nur wenige Meter vom Krankenhaus entfernt liegt. Die gesamte Familie war ausgesprochen nett und hilfsbereit, besonders die Gastmutter ist eine ausgesprochen liebenswürdige Person, die immer bemüht war, uns mit Tee und Eiscreme zu versorgen! Es ist mir wirklich schwer gefallen, ihnen nach Ende der zwei Monate Lebewohl zu sagen...

Sri Lanka ist ein Land, das kulturell und landschaftlich sehr viel zu bieten hat. Besonders die einsamen Strände, das blaue Wasser und die einzigartige Vegetation sind einfach nur wunderschön! Doch je mehr man auch ins Landesinnere vordringt, desto mehr zeigt sich auch, welch verschiedene Facetten Sri Lanka in sich birgt. Die alte Stadt Kandy beispielsweise im Herzen des "Hill Country" ist mit seinem zentralen "Temple of the Tooth" (ein Zahn Buddhas wird dort aufbewahrt) und seinen vergleichsweise kühlen (aber für uns sehr angenehmen) Temperaturen und seiner ruhigen Atmosphäre ein totaler Kontrast zu den quirligen Stränden an der Westküste, wo vor allem am Wochenende oft bis in die Morgenstunden gefeiert werden kann.

Durch die Erfahrungen im Krankenhaus wurde ich darin bestätigt, dass der Beruf des Arztes das ist, was ich in meinem Leben machen möchte. Aber nicht nur das Praktikum, sondern ganz Sri Lanka und vor allem seine Leute, mit denen ich Bekanntschaft machen durfte und sogar Freundschaften geschlossen habe, haben mich für immer geprägt. Ich möchte allen danken, die mir diese einmalige Erfahrung ermöglicht haben!

Fabian Riedel

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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