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Die Zeit in Bolivien ließ mich wachsen

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Musik - Projekt in Bolivien von Clara Orduhan

Kurz nachdem ich die Schule beendet hatte, machte ich mich auf den Weg nach Bolivien, wo ich die nächsten 5 Monate verbringen wollte. Für mich war es das erste Mal, so eine lange Zeit, weit weg von zu Hause, von meinen Freunden und meiner Familie, in einem für mich ganz unbekannten Land zu verbringen. Doch alle Sorgen, die sich vor und während des langen Fluges entwickelt hatten, waren unbegründet.

Schon am Flughafen in Cochabamba wurde ich sehr freundlich von einer Mitarbeiterin von Projects Abroad empfangen und zu meiner Gastfamilie gebracht. Da ich bei meiner Ankunft kein einziges Wort Spanisch sprach, war die Komminukation natürlich etwas schwierig, doch meine Gastmutter hat das gar nicht gestört. Sie redete viel mit mir, während sie mir die Wohnung zeigte und ich konnte sofort spüren, dass ich dort wirklich willkommen war und sie sich sehr darum bemühte, dass ich mich wohlfühlte.

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In den ersten Tagen lernte ich Cochabamba und bereits ein paar andere Freiwillige kennen. Alle waren sehr offen, und es war für mich überhaupt kein Problem, Anschluss zu finden. Cochabamba ist eine größere Stadt, als ich erwartet hatte. Da ich nicht im Zentrum wohnte, fuhr ich jeden Tag mit einem Trufi (Minibus). Das funktionierte so, dass ich mich einfach auf die Straße stellte. Wenn der richtige Trufi vorbei kommt, streckte ich die Hand aus. Aussteigen kann man auch jederzeit, man muss es dem Fahrer nur durch Rufen mitteilen.

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In Cochabamba gibt es viele leckere und gemütliche Restaurants und Cafés, in denen ich viele schöne Stunden mit meinen neuen Freunden verbracht habe. Das größte Highlight Cochabambas ist natürlich „La cancha“, ein riesiger Markt, auf dem man wirklich alles findet: Essen, Kleidung, Computer, Souveniers und vieles mehr.

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Schon bald nach meiner Ankunft startete für mich die Arbeit in meinem ersten Projekt: Musik-Therapie an einer Schule für blinde Kinder und Jugendliche. Dieses Projekt war einer der Gründe, warum ich mich überhaupt für Bolivien entschieden hatte, denn es wurde ausschließlich dort angeboten. Da ich schon immer viel selbst musiziert habe und sehr gerne mit Kindern arbeiten wollte, war es perfekt für mich.

Meine Arbeit bestand darin, den Kindern und Jugendlichen gemeinsam mit der Musiklehrerin Dani kleine Musikstücke beizubringen, sowohl für die Blockflöte, die viele von ihnen spielen konnten, als auch für Gesang. Wenn ein Stück noch ganz neu und unbekannt für die Schüler war, haben wir meistens zunächst zusammen verschiedene Aufnahmen angehört, damit sie eine erste Vorstellung bekamen. Bevor wir ihnen dann immer wieder die Namen der richtigen Noten vorsangen, begannen wir durch Klatschen, Trommeln oder Ähnlichem, den Kindern den Rhythmus des Stückes beizubringen. Wir haben die Stücke unzählige Male wiederholt. Das war natürlich teilweise etwas anstrengend, aber es war so schön zu sehen, dass sich die Kinder über ihre Fortschritte freuten und sich fast nie demotivieren ließen, wenn mal etwas nicht so gut geklappt hat. Ich habe sie häufig mit meiner Querflöte begleitet und das gemeinsame Musizieren hat viel Spaß gemacht.

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An meinem Arbeitsplatz hatte ich anfangs natürlich Schwierigkeiten mit der Sprache, aber es wurde schnell besser, und nach einigen Wochen konnte ich mich schon ein bisschen mit meinen Kleinen unterhalten. Das war toll, weil sie wirklich viel zu erzählen hatten und sich sehr freuten, wenn ich ihnen zuhörte. Sie bedankten sich für eigentlich selbstverständliche Dinge. Wir haben uns oft geknuddelt oder einfach kurz in den Arm genommen.

Zusammen arbeiteten wir schließlich auf das Jahres-Abschlusskonzert der Schule im November hin. Wir übten viel und hart dafür, aber es hat sich am Ende wirklich rentiert. Das Konzert war perfekt und sehr emotional für mich. Es gehört eindeutig zu den Höhepunkten meiner Zeit in Bolivien! Leider konnte ich nicht bis zum Ende meines Aufenthalts in dieser Schule arbeiten, da für die Schüler einige Wochen vor meinem Abflug die Sommerferien begannen. Der Abschied fiel mir schwer. Vor allem die letzten Worte der Kinder an mich brachten mich zum Weinen...

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Doch auch mein zweites Projekt war wunderschön, und ich freue mich sehr, auch noch an einem ganz anderen Ort gearbeitet zu haben, und zwar in einem Waisenhaus für Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Dort lebten die Kinder in sehr viel ärmeren Verhältnissen, als ich das von meinem ersten Projekt gewohnt war. Ich habe viel mit ihnen gespielt und gebastelt, ihnen ganz einfach Aufmerksamkeit geschenkt.

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Eine der schönsten Erinnerungen, die ich von diesem Arbeitsplatz mitnehme, möchte ich hier gerne erzählen. Es geht um einen kleinen Jungen, den ich von Anfang an in mein Herz geschlossen hatte, der aber zunächst sehr schüchtern war, da ich ja für ihn ganz unbekannt war. Das heißt, er hat mich eher weniger beachtet, und wenn ich mit ihm spielen oder ihn umarmen wollte, hat er das nur ungern zugelassen und ist meistens weggegangen. Nach einigen Versuchen habe ich das akzeptiert und mich darauf eingestellt, zu warten, bis er soweit ist. Zwei Wochen später spielte ich gerade mit einigen Kindern, da kam plötzlich der Kleine zu mir, guckte uns kurz zu und setzte sich dann, ohne einen Kommentar einfach auf meinen Schoß und spielte mit. Dieser Moment war so kurz und scheint eigentlich ganz unwichtig, aber mir hat er sehr viel bedeutet. Durch Augenblicke wie diese wurde deutlich, wie offen diese Kinder sind und wie schnell sie mir ihr Vertrauen und auch ihre Liebe schenken. Das ist einfach ein wunderschönes Gefühl, und solche Momente haben mir oft vor Rührung Tränen in die Augen getrieben.

Die Zeit in Bolivien hat mir viele einzigartige Erlebnisse ermöglicht. Es gab traurige Momente, wie zum Beispiel die vielen Abschiede, sowohl von den Kindern, als auch von den vielen Freiwilligen, von denen einige echte Freunde geworden sind. Und es gab die vielen für mich sehr emotionalen Augenblicke, in denen mir immer bewusster wurde, in welch schwierigen und ärmlichen Verhältnissen einige der Kinder aufwachsen müssen.

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Und es gab unzählige wunderschöne Momente, von denen ich bereits erzählt habe. Ich habe jetzt Freunde auf der ganzen Welt, mit denen ich an vielen Wochenenden verreist bin und dadurch fast ganz Bolivien erkundet habe. Ich durfte eine tolle bolivianische Familie kennenlernen und ungefähr 50 Kinder, die ich für immer in mein Herz geschlossen habe.

Ganz egal ob schwer oder leicht, jeder Augenblick hat mir etwas gegeben und mich wachsen lassen. Ich werde diese wunderbare Zeit nie vergessen und hoffe sehr, dass ich eines Tages wiederkommen kann, vor allem um die Kinder wieder zu sehen!

Clara Orduhan

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