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Abenteuer Mongolei - Meine Reise in ein faszinierendes Land

Nomaden – Projekt in der Mongolei von Benedikt Schlick

Benedikt mit seiner Nomaden-Familie in der Mongolei Jurten der Nomaden-Familie in der Mongolei Benedikt im Nomaden-Projekt in der Mongolei Pferde im Nomaden-Projekt in der Mongolei Ziege im Nomaden-Projekt in der Mongolei Tiere der Nomaden-Familie in der Mongolei

„Fernab von sozialen Netzwerken, in einer Jurte ohne fließend Wasser und Strom? Dazu noch mangelnde Hygiene und in der kompletten Einsamkeit wohnen, das wirst du niemals überleben!“ Mit solchen Sprüchen wurde ich vor meiner Reise häufig konfrontiert. Außerdem habe ich von einem meiner Freunde einen kleinen „Überlebenskoffer“ bekommen. Darin befanden sich ein Stück Seife, Hygienetücher, Deo und ein kleines Plüschschaf mit der Aufschrift „Wir werden dich vermissen“. Euer Ernst? Ich war mir bewusst, dass dieses Abenteuer nicht ganz einfach wird und ich gut vorbereitet sein muss. Aber wird es wirklich so hart werden, wie alle gedacht und gesagt haben?

Ich wollte im Flieger schlafen. Auf Grund meiner enormen Anspannung und den dazukommenden Luftlöchern war dies jedoch unmöglich. Ich war aufgeregt und wollte endlich wissen, was auf mich zukommt. Nach etwa acht Stunden befand sich das kleine Flugzeug im Bildschirm vor meinem Sitz über der Mongolei. „Ulan Bator“ stand da geschrieben. Landung in 45 Minuten. Es war früh morgens in der Hauptstadt, als sich die Tür des Flugzeugs langsam öffnete. Noch schnell vor dem Ausstieg ein „Mongolian Airlines Bonbon“ in den Mund und das Abenteuer konnte beginnen!

Ich wurde von Enkhee, einer Mitarbeiterin von Projects Abroad bereits erwartet. Wir nahmen ein Taxi und machten uns auf den Weg zu meinem Guesthouse. Auf der Fahrt wurde mir dann erklärt, dass ich zwei Nächte dort verbringen würde, bis ich zu meiner Nomadenfamilie weiterreisen könnte. Ich war müde und wollte eigentlich nur noch ins Bett, doch meine Abenteuerlust hielt dagegen. Im Guesthouse angekommen wurden mir ein paar grundlegende Dinge erklärt und es wurde ein Termin für eine kurze Stadtführung vereinbart.

Nun begab ich mich erst einmal alleine auf eine kleine Tour rund um mein Guesthouse. Meine Umgebung musste erkundet werden und ein wenig mongolische Stadtluft schnuppern war auch wichtig.

Nach zwei Tagen in der Stadt begann jedoch das eigentliche Abenteuer. Früh morgens wurde ich von einem Projects Abroad Fahrer abgeholt. Wir fuhren einige Zeit immer in die gleiche Richtung hinaus aus der Stadt, bis die Straße plötzlich abrupt zu Ende war und ein Schotterweg begann. Wir fuhren durch Schlaglöcher, es ruckelte wie wild und ich musste gerade aufpassen, dass mir nicht schlecht wurde. So ging das über eine Stunde lang bis ich die Orientierung komplett verloren hatte. Die grüne, weitgefächerte Landschaft mit ihren Bergen hatte mich in ihren Bann gezogen. Weit und breit kein Gegenverkehr. Nur unser Auto, traditionelle mongolische Musik aus dem Autoradio und eine Landschaft, welche man sich in seinen Träumen nicht hätte vorstellen können.

Nach über zwei Stunden Fahrt sah ich von Weitem zwei weiße Punkte am Horizont. Wir kamen immer näher bis ich zwei Jurten, eine davon mit einem kleinen Schornstein, ganz erkennen konnte, und wusste, wir waren bei meiner Familie angekommen. Ein Mann und eine Frau mit kleinem Kind auf dem Arm standen bereits vor der Jurte mit erwartungsvollen Blicken in Richtung unseres Autos. Der Fahrer hielt an und wir stiegen aus.

Ich war aufgeregt und begrüßte meine Familie mit einem freundlichen „Сайн байна уу“, welches ich die zwei Tage zuvor bereits gelernt hatte. Es ist eine sehr förmliche Version von „Hallo“ und wird bei Treffen jeglicher Art zur Begrüßung gesagt. Während der Fahrer mich kurz vorstellte und gleich wieder verschwand, brachte meine Gastmutter mir gleich traditionell mongolisches Essen. Ungewohnt aber sehr gut. Die Familie zeigte mir ein mit vielen Teppichen belegtes Bettgestell aus Holz ¬- meinen Schlafplatz - und führte mich stolz in ihrer Jurte herum.

Die ersten Tage vergingen nicht gerade sehr schnell und ich wurde von einer Flut an neuen Eindrücken und dem ganzen kulturell bedingten Verhaltensmuster regelrecht überrumpelt. Meine Familie war immer sehr hilfsbereit, versuchte mir Vieles zu erklären und war auch sehr offen für meine Kultur. Die anfängliche Sprachbarriere (mit „cow“, „horse“ und „food“ hielt sich der englische Wortschatz meine Familie eher in Grenzen) war schnell überwunden und man verstand sich sehr gut mit Hilfe eines Wörterbuches, den Händen und Füßen inklusive einem freundlichen Lächeln.

Meine Familie hatte an die 300 Schafe und Ziegen, einige Pferde und 6 Kühe. Gleich am fünften Tag durfte ich Zeuge der Schlachtung einer Ziege werden. Am Anfang hatte ich ein komisches Gefühl dabei, verstand jedoch schnell, dass dies zum Nomadenleben einfach dazu gehört. Die Ziege wird nach und nach ausgenommen und meine Gastmutter bereitet aus dem Fleisch und den Innereien sofort das Essen frisch zu. Natürlich wurde ich nicht gezwungen das alles zu essen, aber ich wollte es selbstverständlich probieren. Fazit: Es war das beste Essen, was ich je gegessen hatte.

Natürlich gab es neben Fleisch auch Nudeln, Kartoffeln oder Reis. Ich war erstaunt, was man aus einem einfachen Teig aus Mehl und Wasser alles machen konnte. Einmal haben wir das Fleisch in vorher kleingerollte Teigtaschen gefüllt, ein anderes Mal wurde der Teig auf dem kleinen Ofen angetrocknet, um anschließend Nudeln daraus zu schneiden. Die mongolische Küche ist sehr vielseitig und sehr gut. Nach einem Monat wusste meine Gastmutter langsam mein Lieblingsessen, welches sie dann auch extra an meinem Geburtstag liebevoll zubereitet hat.

Die Tage vergingen immer schneller und ich habe mich bei meiner Familie richtig gut aufgehoben gefühlt. Meine Aufgaben wurden von anfänglichem Wasser aus dem Brunnen holen immer anspruchsvoller. Ich durfte mit meiner Gastmutter die Kühe melken und musste die Kälber immer wieder zurück bringen und an der Schnur anbinden. Außerdem mussten wir für eine anstehende Party genug Pferdemilch sammeln, um alle Gäste zu versorgen. So wurden die Pferde bis zu sechs Mal am Tag gemolken. Das Melken allerdings durfte nur meine Gastmutter, da so ein Pferd schnell ausschlagen kann und sie sowieso schon einen blauen Fleck am Oberschenkel hatte. Meine Aufgabe dabei war es jedoch, die Fohlen vom Seil loszubinden, kurz trinken zu lassen und sie anschließend wieder zurück zu bringen.

Nach einem anstrengenden Tag und zu Beginn ausführlicher Erklärung, ging es abends bei „Mensch ärgere dich nicht“ und „Uno“ immer heiß her. Nicht nur, dass man beim ganzen Spielen viele neue Wörter lernt, es macht auch noch riesigen Spaß.

Ich habe so viel erlebt, dass ich noch lange erzählen oder ein ganzes Buch damit füllen könnte! Ich durfte einige Partys mitfeiern, die mongolische Küche mit all ihren Vorzügen kennen lernen, hatte verantwortungsvolle Aufgaben zu meistern, habe frei laufende Kamele gesehen, durfte Motorrad fahren, hatte den Blick auf einen unbeschreiblichen Sternenhimmel und vieles mehr. Doch am Ende bleibt das Wichtigste: Ich habe die freundlichsten und liebevollsten Mongolen überhaupt kennen gelernt. Ich werde meine Familie niemals vergessen und habe versprochen in „гурван жил“ noch einmal vorbei zu schauen.

Die Mongolei mit ihrer unfassbar großen Vergangenheit, der atemberaubenden Landschaft und den verschiedensten Traditionen hat ein unbeschreibliches Gefühl bei mir hinterlassen, welches man nur ganz spüren kann, wenn man selbst einmal dort war!

Benedikt Schlick

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