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Namaste! Namaskar!

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Namaste – Ich grüße das Göttliche in Dir! – ein berührender Gruß in einem wunderschönen, vielfältigen Land, der für mich den Respekt der Nepalesen gegenüber allen Menschen reflektiert, egal ob Neugeborenes, Kleinkind, Jugendlicher, Erwachsener, Greis, Frau, Mann, arm oder reich.

Seit einigen Jahren hatte ich zwei Wünsche: nach Nepal zu reisen, um eine Trekkingtour zu machen und in einem „Entwicklungsland“ als Physiotherapeutin zu arbeiten. Da meine 2-jährige Anstellung in einer Praxis in Österreich auslief, beschloss ich, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und erfüllte mir gleich beide Träume.

Zuerst wanderte ich mit einem lokalen Guide für vier Wochen durch einen kleinen Teil des Himalayas und lernte schon dabei Einiges über den Lebensstil der Nepalesen: das einfache, gemeinsame, respektvolle Familienleben, das Dal Bhat Essen mit der (rechten) Hand, das frühe Schlafengehen und Aufstehen, das Leben mit den regelmäßigen Stromabschaltungen und der „Nepali-Time“, das Wäschewaschen mit der Hand und kaltem Wasser und wie man „Namaste“ richtig betont (Die Betonung liegt auf der letzten Silbe!). Nach dieser bereits sehr bereichernden Tour begann für mich die zweimonatige Freiwilligenarbeit mit Projects Abroad in einem Krankenhaus in Bharatpur, eine vierstündige Busfahrt südlich von Kathmandu.

Dieses Krankenhaus befindet sich zwar noch im Bau, aber es deckt trotzdem schon sehr viele Fachbereiche ab und hat auch einen OP-Bereich. Ich wurde sofort freundlich von den zwei Physiotherapeuten des Hauses ins Team aufgenommen und Sarsuti, die medizinisch-technische Fachkraft, bat mich als erstes um Übungen „gegen ihren Bauch“ – manche Dinge sind scheinbar wirklich überall gleich! Im Gegenzug brachte sie mir ein paar Sätze Nepali bei, die mir zumindest einfache Unterhaltungen mit meinen Patienten ermöglichten und regelmäßig ein Lächeln in deren Gesichter zauberte. Wenn der Patient kein Englisch sprach und meine Nepali-Kenntnisse nicht ausreichten, vermittelten entweder die Physiotherapeuten, die Krankenschwestern auf den Stationen oder Angehörige, die Englisch sprachen.

Ja, Angehörige waren immer anwesend. Auf den offenen, gemischten Stationen war tagsüber mindestens ein Verwandter oder gar die ganze Familie des Patienten zu Besuch und kümmerte sich um diesen. Und auch zu ambulanten Therapien kamen die Patienten nie alleine, sondern mit einem Freund, dem Ehemann, der Ehefrau, den Kindern, Großeltern, Tanten, Onkeln oder Geschwistern. Es kam regelmäßig vor, dass sich mehr Angehörige als Patienten auf den Stationen und in der Physiotherapie-Ambulanz befanden. Das empfand ich aber nie als störend, da sie auch bei den Behandlungen halfen und die Übungen speziell mit den Schlaganfallpatienten öfters am Tag wiederholten! Ich habe noch nie zuvor so interessierte und motivierte Angehörige getroffen, wie in Nepal und ich habe sie sehr schätzen gelernt, da es nur durch deren Hilfe möglich war, so tolle Ergebnisse zu erzielen.

Zurück in Österreich, wo ich auch wieder mit neurologischen Patienten zusammenarbeite, finde ich es oft schade, dass Angehörige nur selten anwesend sein können bzw. dürfen. Somit bleiben den Betroffenen leider viele Möglichkeiten verwehrt und das schlechte Krankheitsverständnis der Verwandten wird gefördert.

In Nepal gibt es keine Krankenversicherung, weshalb die Behandlungskosten, welche abhängig von der Kaste höher oder niedriger sind, selbst bezahlt werden müssen. Deshalb entließen sich viele Patienten oft schon nach drei bis vier Tagen selbst, da sie sich einen längeren Aufenthalt einfach nicht leisten konnten. Da blutete mir oft das Herz und ich bewundere die Familien, die diese pflegebedürftigen Menschen in den einfachen Haushalten versorgen.

In der Physiotherapieambulanz hingegen bekam ich von den finanziellen Problemen nichts mit, da die Behandlungen im Vorhinein an der Kasse bezahlt werden mussten. Hier kamen vor allem Patienten mit Rückenschmerzen oder „steifen Knien“. Letztere wurden teilweise mit Methoden mobilisiert, die die Patienten zum Wimmern und Stöhnen brachten (Schreien traute sich keiner) und mich anfangs entsetzt aus der Ambulanz verjagten.

Neben den Therapien auf den Stationen und der Ambulanz arbeiteten Kelsey, eine Physiotherapeutin aus der USA, und ich an ein paar kleineren Projekten im Krankenhaus und in entfernteren Dörfern, wo der Bevölkerung an speziellen Tagen ärztliche Untersuchungen und Behandlungen kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Dementsprechend war auch immer der Andrang und wir hätten bis tief in die Nächte arbeiten können, aber irgendwann sind die Kräfte einfach am Ende. Deswegen setzten wir eine Patientenobergrenze und der Rest musste wieder nach Hause geschickt werden. Dieses Vorgehen ist hart, aber notwendig. Wir hatten eh schon so wenig Zeit pro Patient, dass es meist nur für die Patientenedukation und ein bis zwei Übungen reichte. Mein persönlicher Rekord lag bei 34 Patienten in sechs Stunden… noch ein oder zwei Patienten mehr und ich wäre vor Erschöpfung in Tränen ausgebrochen! Im Nachhinein betrachtet war das der befriedigendste Tag während meiner Arbeitszeit in Nepal und ist für mich der Grund, weshalb ich ganz sicher wieder als Physio-Freiwillige in ein Entwicklungsland reisen werde.

Die Wochenenden dienten zur Erholung oder dem Besuch einer Hindu-Hochzeit. Dieser Hochzeitsbesuch wurde mir von meiner Gastfamilie ermöglicht, die mich auch sonst an ihrem Leben teilhaben ließ und mir die politische und kulturelle Situation Nepals näher brachte. Meine Gastmutter vermittelte mir zudem eine Schneiderin für meine insgesamt vier Kurta-Suruwals, die typische Kleidung der nepalesischen Frau, die wirklich sehr bequem ist. Die beiden Kinder der Familie, vier und sechs Jahre alt, kamen regelmäßig zum Spielen in mein Zimmer und brachten mir Nepali bei. Wir hatten viel Spaß!

All das zusammen ermöglichte mir tiefe Einblicke in das Leben der Nepalesen und beschenkte mich mit einer unglaublichen Zufriedenheit und Dankbarkeit, die mir niemand nehmen kann und die mir hier in Österreich viel Kraft verleiht. Ich kann nur jeden darin bestärken, nach Nepal zu reisen. Die Menschen, die ich traf, waren für jede Unterstützung dankbar und offen. Ich lernte mich selbst wirklich gut kennen und bekam so viel zurück!

Barbara Linert ist Physiotherapeutin und hat an unserem Programm für ausgebildete Freiwillige teilgenommen, an Projects Abroad PRO („PRO“ steht für „Professional“).

Barbara Linert

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