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Geduld und ein Händchen für Kinder sind alles!

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Sozialarbeit in Argentinien von Julia Biehler

Argentinien – ich hatte schon so viel über dieses Land gelesen, hatte mich mit seiner Geschichte befasst und konnte seine Sprache sprechen – aber es war etwas komplett anderes, wirklich dort zu sein. Ich wollte unbedingt nach Argentinien, weil die Familie meines Freundes aus Argentinien kommt. Sie lebt zwar seit Jahren in Deutschland, aber zu Hause wird nach wie vor Spanisch gesprochen und die argentinische Kultur zelebriert. Ich wusste also schon Einiges, aber längst nicht alles.

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Jetzt im Nachhinein kann ich sagen, dass mich mein Aufenthalt dort stark geprägt hat und er das Interessanteste und Aufregendste war, was ich je erlebt habe! Südamerika ist ganz anders als Europa. Das merkte ich am konkretesten an der Einstellung und dem Verhalten der Argentinier, die ich kennenlernte. Sie waren sehr fröhlich, lebenslustig und auch sehr neugierig. Wie oft habe ich einfach mit wildfremden Leuten auf der Straße, im Bus oder auf dem Markt geplaudert! Meine Spanischkenntnisse halfen mir sehr dabei, die Kultur Argentiniens zu erleben. Ich kann jedem nur raten, sich mindestens die grundlegenden Dinge anzueignen. Die Mitarbeiter von Projects Abroad sprechen zwar alle sehr gut Englisch, aber normalerweise sind die Englischkenntnisse der Argentinier eher dürftig.

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Ich baute im Laufe der Zeit ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Gastschwester Florencia auf. Wir saßen sehr oft zusammen und an den Wochenenden lud sie mich ein, sie zu ihren Freunden zu begleiten. Obwohl ich deutlich jünger als ihr gesamter Freundeskreis war, fühlte ich mich gut aufgehoben. Junge Leute sprechen deutlich schneller als ältere Leute, aber das war ein gutes Training. Mit der Zeit gewöhnte ich mich sehr gut an den argentinischen Akzent.

Die meisten Erfahrungen sammelte ich in meiner Arbeitszeit. Mit zwei weiteren Freiwilligen arbeitete ich in einem Waisenheim für Mädchen. Im Durchschnitt waren die Mädchen elf Jahre alt. Die meisten von ihnen hatten noch Eltern, aber aus verschiedenen Gründen konnten sich diese nicht um sie kümmern. Beschäftigung ist alles. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wesentlich angenehmer und einfacher mit den Mädchen ist, wenn ich ausreichend Beschäftigung für sie vorbereitet hatte. Auf diese Weise lernte ich sie alle kennen, und nach ein paar Wochen fassten sie Vertrauen und genossen es, zu plaudern. Dabei waren sie – typisch für ihr Alter – vor allem an Jungs, Stars und Schminke interessiert. So war auch eines der ersten Dinge, die sie mich fragten, ob ich einen Freund habe!

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Natürlich war es nicht immer leicht. Die Mädchen konnten – je nach Laune – relativ fordernd und manchmal auch unhöflich werden. Geduld und ein Händchen für Kinder sind also alles. Wichtig war vor allem, den Mädchen Liebe zu geben, aber gleichzeitig auch Grenzen zu setzen, Erzieherin und Hilfestütze zu sein, und nicht unersetzliche Freundin, ansonsten werden sie am Ende der Freiwilligenzeit aus Trennungsschmerz sehr leiden.

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Nach einem guten Monat arbeitete ich gemeinsam mit meiner Mitarbeiterin aus dem Waisenhaim noch in einem Kinderheim in einem der ärmeren Viertel. Die Einrichtung war mit deutschen Kindergärten nicht zu vergleichen. Alles war recht ärmlich, aber die herzliche Atmosphäre, die von den Erzieherinnen ausging, hat das wieder wettgemacht. Die Kinder waren zwischen ein und fünf Jahre alt. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Es war nicht immer leicht, die Kinder zu beschäftigen. Oft waren sie noch zu klein für geplante Spiele, aber die Erzieherinnen haben uns die ganze Zeit unterstützt. Ich war wirklich erstaunt, dass die Kinder dort noch nie zuvor Knete gesehen hatten! Der Umgang mit den Kindern war teilweise ziemlich anstrengend. Viele kamen aus eher problematischen Familien und das wirkte sich stark auf das Sozialverhalten und den Charakter aus. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier sehr viel bewegen und die Kinder mit einfachsten Mitteln beeindrucken konnte!

Auf alle Fälle nahm ich sehr viel an neuen Erfahrungen mit nach Hause. Ich wollte unbedingt ein Sozialpraktikum machen, auch weil das für mein Studium nötig ist. Ich möchte Logopädie studieren und die Arbeit mit Kindern hat mir schon immer Freude gemacht. Nach meiner Zeit in Argentinien bin ich mir ganz sicher, dass ich mit Menschen arbeiten möchte. Neben meiner Arbeit als Freiwillige habe ich vor allem meine kleinen Ausflüge an den See nach Carlos Paz oder nach Itcho Cruz oder durch Córdoba genossen. Dort konnte ich mich in der bereits kräftigen Frühlingssonne bräunen und Mate trinken. Genial!

Julia Biehler

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Dieser Erfahrungsbericht enthält eventuell Bezüge zu Arbeit in oder mit Waisenhäusern. Projects Abroad’s aktuellen Standpunkt zu Freiwilligenarbeit in Waisenhäusern und Kinderheimen und Informationen über unseren Schwerpunkt auf gemeindenahe Kinderbetreuung kannst du hier nachlesen.

Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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