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„No lo entiendo“ – einmal Costa Rica und zurück

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Spanisch - Kurs und Sozialarbeit in Costa Rica von Tina Hartmann

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Nach viereinhalb Stunden Fahrt kommen Sheyla, Alex und ich endlich in Liberia an. Ich kenne die beiden erst seit Beginn der Busfahrt. Wir werden von einem Mitarbeiter von Projects Abroad abgeholt. Er lotst uns zu einem Auto, in dem bereits ein Fahrer sitzt. Wir fahren durch belebte Straßen. Verkehrsordnung scheint hier ein Fremdwort zu sein. Zwischendurch hängt sich jemand ans Auto und möchte mir Tickets für die staatliche Lotterie verkaufen. „No lo entiendo – ich verstehe dich nicht“. Der erste und zunächst wichtigste spanische Satz, den ich lerne. Dann fahren wir weiter und weiter, bis ans andere Ende der Stadt zu meiner Gastfamilie. Es sind viele Kinder da, die sich über meine Ankunft freuen. Mein Zimmer ist recht klein, es gibt ein Bett, ein Regal und einen kleinen Tisch.

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Ich arbeite in einem Kindergarten und besuche parallel einen Sprachkurs. Ich wollte schon immer Spanisch lernen. Diese faszinierende Sprache wird in vielen Ländern der Welt gesprochen. Da ich bereits Grundkenntnisse in Italienisch hatte, ist das Lernen nicht allzu schwer. Denn wenn man derart von einer Sprache und Kultur den ganzen Tag umgeben ist, dann lebt man sich schnell ein.

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Morgens stehe ich bereits um 5:30 Uhr auf. Nach einem leckeren Frühstück aus Haferflocken mit einer Banane, Orangensaft und Kaffee, laufe ich eine dreiviertel Stunde zu meiner Arbeitsstelle. Diese Zeit ist sehr entspannend, da es noch nicht allzu heiß ist und die Straßen beinahe menschenleer. Um 7:00 Uhr beginnt der Kindergarten. Die Kinder sitzen in einem Kreis am Boden. Wir begrüßen uns gegenseitig, den Tag und vor allem die Sonne. Nach ein paar spanischen Kinderliedern, die ich am Ende meines Aufenthalts beinahe mitsingen kann, lernen wir zunächst ein wenig – entweder die Wochentage oder zum Beispiel Spannendes über Eichhörnchen. Einmal gehen wir zum Kunstunterricht, ein anderes Mal zum Musikunterricht und freitags machen wir Sport. Nach einer kurzen Frühstückspause geht es zum Spielen nach draußen. Dort können die Kinder entweder Rutschen, Schaukeln, Wippen oder im Sandkasten spielen. Oder sie spielen im Haus mit einer Puppenküche, Plastiktieren, Legosteinen oder Kuscheltieren.

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Nach intensivem Händewaschen geht es zum Mittagessen in die Kantine. Nach dem Essen ist der Vormittag für die meisten Kinder beendet. Sechs bis sieben Kinder bleiben noch eine Stunde länger. Sie bekommen eine besondere Betreuung, d.h. sie werden gewogen, gemessen und dürfen Spiele spielen, die ihre Motorik und auch ihren Wortschatz verbessern. Um 12 Uhr laufe ich wieder nach Hause.

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Zuhause angekommen gibt es Mittagessen. Dieses besteht meist aus Reis und Bohnen, Fleisch und frittierten Platanos (eine Art Banane, nur viel größer). Ab und zu gibt es auch einen Salat mit Majonaise und Ketchup. Meine Gastmama kocht auch mal eine Suppe mit viel Wurzelgemüse oder macht Sandwiches. Zudem gibt es viele Eier und in allen Formen (Spiegelei, Rührei, gekochtes Ei). Nach einer gemütlichen Tasse Kaffee gehe ich zur Sprachschule. Mein Lehrer David ist fantastisch. Er bringt mir nicht nur die notwendige Grammatik bei, sondern erzählt mir auch viel über Land und Leute. Wir haben jedes Mal sehr viel Spaß und die zwei Stunden vergehen stets zu schnell. Nach dem Abendessen entspanne ich entweder mit meiner Familie auf der Terrasse oder vor dem Fernseher.

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Oder ich besuche die lokale Tanzschule, die von einer Mutter eines Mitarbeiters von Projects Abroad geleitet wird. Es macht wahnsinnig viel Spaß, Salsa und Merengue zu lernen und mit vielen verschiedenen Tanzpartnern zu üben. Wir lachen und schwitzen viel. Einmal hatte ich sogar das Glück, eine Yogastunde zu besuchen. Wer einmal Yoga unter dem Sternenhimmel von Costa Rica gemacht hat, möchte nie mehr in einem Raum eingesperrt sein! An den Wochenenden treffe ich mich mit Sheyla und Alex. Wir verstehen uns sehr gut und gehen oft was Trinken oder zusammen Essen.

Ansonsten machen wir Ausflüge zum Strand und in einen Nationalpark. Mein persönliches Highlight hat jedoch etwas mit dem Mädchen zu tun, auf das ich die vier Wochen im Kindergarten aufgepasst habe: Marie Paz. Sie ist körperlich beeinträchtigt und kann kaum sprechen, sich jedoch auf andere Art ausdrücken. Daher helfe ich ihr beim Sitzen, Gehen, Essen und Spielen. In dieser Zeit hat sich eine schöne Freundschaft entwickelt. Mein schönstes Erlebnis war, als wir zusammen ihre Trinkflasche wieder verschlossen haben und sie „High-Five“ mit mir machte. Da habe ich gemerkt, dass wir uns auf eine andere Art und Weise als durch Worte verstehen.

Ich wollte so schnell wie möglich Spanisch lernen, um mich mitteilen zu können. Zudem habe ich mich sehr schnell mit den Kindern angefreundet. Die drei Kinder in meiner Gastfamilie, Gimena, Sofia und Diego, haben mir so viel gegeben. Nicht nur jede Menge Lebensfreude und Sprachunterricht, sondern auch das Gefühl, zuhause zu sein. Meine Gastmama, Olga, hat mich vom ersten Tag an herzlich aufgenommen. Sie war wirklich meine Mama. Sie hat sich stets gesorgt und um mich gekümmert, als es mir gesundheitlich mal nicht so gut ging. Sie hatte auch immer ein offenes Ohr für alle Probleme und Fragen. Nach gerade einmal vier Tagen war die schlimmste Zeit des Sich-Fremdfühlens vorbei und ich eine kleine Costa Ricanerin – obwohl ich mit meiner weißen Haut stark aufgefallen bin. Zudem habe ich Freunde aus verschiedenen Teilen der Welt, aus Brasilien, der Schweiz und Frankreich, gefunden.

All diese Erfahrungen werden ein Leben lang in meinem Gedächtnis bleiben: die Aufgabe, auf ein körperlich beeinträchtigtes Kind aufzupassen, mich in eine fremde Familie einzuleben, mir innerhalb von vier Wochen eine Fremdsprache anzueignen, in einem fremden Land mit einer vollkommen anderen Kultur zu leben und mich wohlzufühlen… All das ist mir gelungen. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich ein anderer Mensch geworden bin. Ich blicke mit einer anderen Sichtweise in meine Zukunft, aber vor allem auf die Dinge in der Gegenwart. „Pura Vida“ ist der Leitspruch der Costa Ricaner. Das pure Leben, das ist es, was wir genießen sollten. Denn das Leben ist, was passiert, während wir Pläne machen. Ich möchte die Erfahrung auf keinen Fall mehr missen und würde es immer wieder genauso machen – und auf jeden Fall wieder mit Projects Abroad, aber das nächste Mal für eine längere Zeit!

Tina Hartmann

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Dieser Erfahrungsbericht enthält eventuell Bezüge zu Arbeit in oder mit Waisenhäusern. Projects Abroad’s aktuellen Standpunkt zu Freiwilligenarbeit in Waisenhäusern und Kinderheimen und Informationen über unseren Schwerpunkt auf gemeindenahe Kinderbetreuung kannst du hier nachlesen.

Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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