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„Obruni, how are you?“

Ghana-Sozialarbeit-Freiwillige

Sozialarbeit, Hausbau - und Menschenrechts - Projekt in Ghana von Kirsten Schwienbacher

Wer schon einmal in Ghana war, wird die Begrüßung nur zu gut kennen. Wer noch vor hat, das Land zu besuchen, sollte sich diese merken. Obruni steht für „weißer Mensch“: „Weißer Mensch, wie geht es dir?“

Es war mehr eine spontane Entscheidung, nach Ghana zu reisen. Als ich die Broschüre von Projects Abroad aufschlug, landete ich quasi direkt auf der Seite von Ghana. Die Projekte sprachen mich sofort an, und somit war klar, das will ich machen. Es dauerte nicht lange, und ich hatte noch eine Freundin von meiner Idee begeistert. Somit saßen wir dann aufgeregt im Flieger Richtung Accra, der Hauptstadt Ghanas, auf dem Weg in das größte Abenteuer unseres Lebens.

alt="Ghana-Sozialarbeit-Menschenrechte" title="Das Team des Menschenrechts-Büro in Kete Krachi" />

Angekommen in Accra, wurden wir erst einmal von einer Hitzewand begrüßt. Am Ausgang wurden wir von einem Projects Abroad Mitarbeiter herzlich empfangen. Es gab eine kurze Einführung in die Kultur Ghanas. Das einzige, was ich davon in Erinnerung behalten habe, ist die Erklärung der ghanaischen Namensgebung. Die Menschen in Ghana haben mehr als nur einen Namen, und es kann zu einer ganzen Reihe von Namen bei einer Person kommen. Es gibt die Akan (eine Gruppe sprachlich und kulturell verwandter westafrikanischer Völker) Tagesnamen, die je nach Wochentag der eigenen Geburt vergeben werden:

Tag Name (männlich) Name (weiblich)
Montag Kwadjo Adjoah
Dienstag Kwabena Abena
Mittwoch Kwaku Akua
Donnerstag Yao Yaa
Freitag Kofi Afia
Samstag Kwame Amma
Sonntag Kwasi Akosua

Ghana-Sozialarbeit-Tag Dazu kommt dann meist der ghanaische Nachname und ein englischer Name. Drei Namen sind also keine Seltenheit. Manchmal kommen dann noch Spitznamen dazu und zwar nicht immer nur einer. Meist werden Kinder auch nach ihren Eltern und/ oder Großeltern benannt. Dadurch entstehen dann schonmal vierte, fünfte oder sechste Namen

Nachdem uns alles erklärt wurde und der Papierkram erledigt war, ging es auf eine Stadtführung durch Accra. Das war überwältigend und sehr beeindruckend. Es war eine so große Reizüberflutung, dass ich mich heute kaum noch daran erinnern kann. Aber in den Wochen danach sollte ich Accra noch genau kennenlernen: Ghanas Hauptstadt hat gut zwei Millionen Einwohner. Wenn man in Accra unterwegs ist, kommt es einem gar nicht so vor, als wäre man in einer so großen Stadt, da das höchste Gebäude nicht mehr als fünf Stockwerke hat.

Ghana-Sozialarbeit-Kind

Die bekannteste Straße ist wohl die Oxford Street, eine Straße an der sich viele Restaurants, ein Supermarkt und allerlei Geschäfte befinden. Hier spielte sich auch das Nachtleben ab, und wir trafen Menschen aus aller Welt. Auf unserer Reise lernten wir nicht nur die ghanaische Kultur kennen, sondern auch verschiedene Kulturen aus anderen Ländern. Wir standen immer im Austausch mit Freiwilligen aus der ganzen Welt und erfuhren eine Menge über Bräuche und Sitten aus anderen Ländern. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wie oft ich den Brauch unseres Schützenfestes erklärt habe, aber jedes Mal wurde ich von meinem Gegenüber verdutzt angeschaut, bis er dann kopfschüttelnd und lachend meinte: „Germans, crazy people!“.

In Ghana ist das Tanzen Kultur. Es wird überall und zu jeder Tageszeit getanzt. Der berühmteste Tanzstil zurzeit ist „Azonto“. Wer nach Ghana fliegt, wird unweigerlich mit dem Azonto konfrontiert. Tänzer bewegen ihre Arme vor dem Oberkörper in alle Richtungen, und einen Fuß dazu rhythmisch im Takt. Getanzt wird zu zügigem Hip Hop oder ghanaischer Hip Life-Musik. Man kommt nicht drum herum, diesen Tanzstil zu lernen, und die Menschen, die ich traf, freuten sich sehr, wenn sie mal einen Obroni Azonto tanzen sahen.

Da ich an unterschiedlichen Projekten teilnahm, war ich auch in unterschiedlichen Gastfamilien untergebracht, damit der Weg von der Gastfamilie zum Projekt nicht zu weit für mich war. Jede der drei Gastfamilien war wunderbar. Unsere Gasteltern hatten immer ein offenes Ohr für uns, und die Kinder freuten sich sehr, wenn ich mit ihnen spielte. Auch das Essen in jeder Gastfamilie war super. Die Gastfamilien kochten meist westlich, sprich sehr viel Reis, Salat, Hähnchen und Nudeln. Sie freuten sich allerdings sehr, wenn wir uns einheimische Gerichte wünschten.

Ghana-Sozialarbeit-Waisenheim

Es gibt mehrere typische Nationalgerichte. Das Bekannteste ist „Banku“. Banku ist ein Teigkloß, der aus gesäuertem Mehl hergestellt und zu Suppen und Eintöpfen serviert wird. Dann gibt es noch „Jollofrice“. Dieses Gericht besteht aus Reis, Tomatenmark und Fisch, alles wird zusammen angebraten, ähnlich wie eine Reispfanne. „Fufu“ (mein absolutes Lieblingsgericht) ist ein fester Brei aus Yams und Kochbananen. Gegessen wird Fufu und auch Banku mit den Fingern der rechten Hand, indem man mundgerechte Bällchen formt und diese in die Suppe tunkt.

In meinem ersten Monat habe ich in einem Kinderheim mit integrierter Schule gearbeitet. Die Hauptaufgabe bestand darin, die Kinder zu versorgen, das heißt den Babys die Windeln zu wechseln und ihnen die Flasche zu geben, mit den Kindern zu spielen, den Lehrern beim Unterrichten zu helfen, die Mitarbeiter beim Zubereiten der Speisen zu unterstützen und das Essen auszuteilen.

Es war spannend, zu sehen, wie ein Kinderheim in Ghana funktioniert. Ich war begeistert, wie einfallsreich Kinder sein können, wenn sie keine Playstation oder Lego haben und mit einfachen Dingen spielen. Es wurde oft gefeiert mit afrikanischen Tänzen, und am Unabhängigkeitstag gab es einen großen Marsch mit Blaskapelle. Es war eine tolle Zeit, und es fiel mir am Ende doch etwas schwer, die Kinder zu verlassen und ein neues Projekt zu starten.

Die Arbeit im Menschenrechts - Projekt war etwas ganz anderes. Zusammen mit unseren einheimischen Kollegen führten wir an verschiedenen Orten Interviews zu bestimmten Themen. Im Monat April war häusliche Gewalt das Thema und wir sammelten dazu Informationen. Daraus erstellten wir dann eine Gesamtpräsentation, die wir im Mai in Kirchen und Gemeinden vorstellten, um die Menschen über ihre Rechte aufzuklären. Die Interviews dienten dem Team des Menschenrechts-Büros dazu, herauszufinden, über welchen Wissensstand die Menschen vor Ort verfügten.

Ghana-Sozialarbeit-Strand

Darüber hinaus gab es ein besonderes Projekt, für das wir eine Woche nach Kete Krachi reisten, ein Ort direkt am Volta Stausee. Hier beschäftigte sich ein Team von Projects Abroad mit dem Thema Kinderhandel. Schätzungsweise wird in Ghana eins von vier Kindern in die Sklaverei verkauft, von denen die meisten in der Fischerindustrie arbeiten. Diese Kinder – manche sind gerade erst acht Jahre alt – arbeiten täglich meist mehr als zehn Stunden unter gefährlichen und schweren Bedingungen. Sie müssen unter die Boote tauchen, um die Fischernetze zu befestigen und wieder loszumachen und sitzen stundenlang in der prallen Sonne auf dem Boot und warten auf einen guten Fang.

Manche Kinder müssen nach der Arbeit auf dem See noch weiter arbeiten, wie Gebäck oder Obst am Straßenrand verkaufen, da die Fischer allein vom Fischen nicht leben können. Diese Kinder leben unter den schwersten Bedingungen in den Fischerfamilien, an die sie verkauft wurden. Sie erhalten kaum Essen und haben keine Chance auf eine Schulausbildung.

Projects Abroad kooperiert hier mit einer Organisation, die von Einheimischen gegründet wurde. Diese Organisation hat angefangen, die Menschen in den Dörfern um den Volta Stausee über die Gesetze gegen Menschenhandel aufzuklären, da diese meist gar nicht wissen, dass es illegal ist, Kinder armen Familien abzukaufen, damit diese für sie arbeiten. In Kete Krachi unterstützten wir die Organisation, indem wir ebenfalls Präsentationen in den Dörfern hielten, und auch die Mitarbeiter der Organisation schulten. Außerdem halfen wir, den Kindern, die von der Organisation bereits befreit wurden und nun in einem dafür errichteten Kinderheim leben, Schreiben und Lesen beizubringen. Dieser Monat war die intensivste Zeit in Ghana, in der ich das Meiste über Ghana gelernt habe.

In meinem letzten Monat half ich, eine Schule zu erbauen. Wir arbeiteten drei bis vier Stunden am Vormittag, da es sonst zu heiß wurde, und die Arbeit auch sehr anstrengend war. Wir machten alles mit der Hand: Zement wurde zubereitet, Steine wurden selbst hergestellt, Gerüste wurden aus Steinen und Brettern erstellt usw. Da es keine Bagger gab, die das Ganze transportieren, brachten wir alles von Hand von A nach B, weshalb es auch mehrere Wochen dauern konnte, bis ein Schulgebäude mit drei Schulklassen fertig gebaut war.

Mit diesem Projekt war dann auch unsere Zeit in Ghana abgelaufen, und wir blickten auf eine der besten Zeiten unseres Lebens zurück, in der wir eine fremde Kultur kennenlernten und unsere Kultur den Menschen dort wieder ein Stück näher brachten. Ich kann dieses Abenteuer nur jedem empfehlen! Somit verabschiedeten wir uns schweren Herzens von unseren Kollegen/innen, neu gewonnenen Freunden und Gasteltern.

„Obibini, bye bye!“

Kirsten Schwienbacher

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