Feedback
You seem interested in our projects! Care to tell us more?
Das mache ich gern! Nicht jetzt, danke.

You are from: United States, Go to our American website.

aide humanitaire
Ruf’ uns an:
+49 ­(0)30 2345 7223
info@projects-abroad.de

"Bonjour, ça va?" - "Trés bien!"

Das bin ich mit einem Kind

Sozialarbeit in Marokko von Janina Meyer-Klepsch

Wie viele Male habe ich diese allgegenwärtige Frage nach meinem Befinden ehrlich mit einem "sehr gut" beantwortet? Die Erinnerung an meinen einmonatigen Aufenthalt in Marokko ist geprägt von Wohlbefinden, Freude, Abenteuer und Selbstvertrauen!

Ich habe mir mit Projects-Abroad und dem Projekt "Sozialarbeit" einen Jugendtraum erfüllt. Ich habe nach dem Abitur ein Studium absolviert und 10 Jahre in meinem Beruf gearbeitet. Durch einen Zufall bin ich auf Projects-Abroad im Internet gestoßen und habe mich für einen Infotag angemeldet. Dort habe ich das Berliner Team und auch Dr. Peter Slowe kennen gelernt. Die Vorträge und persönlichen Gespräche haben mich motiviert, tatsächlich diese Reise zu unternehmen. Ich habe viele Bücher über Marokko gelesen, an einem dreitägigen Vorbereitungsseminar teilgenommen und 6 Monate vor meiner Abreise begonnen, Französisch zu lernen.

Impression aus Marokko

Dann war es soweit. Ich landete auf dem sehr kleinen Flughafen von Rabat. Ein Mitarbeiter von Projects Abroad holte mich ab und brachte mich zu meiner Gastfamilie. Der Empfang war herzlich und ich fand mich in einem riesigen Zimmer (13 m lang!), mit tollen Mosaiken an den Wänden und typisch marokkanischen Sofas mit Platz für gut 50 Gästen wieder. Meine ersten Kontakte mit der Familie und der neuen Umgebung waren zaghaft. Die Verständigung war holprig, aber wir hatten von Anfang an gemeinsam Spaß dabei. Die Gastfamilie hat mich wirklich sehr verwöhnt. Ganz besonders erwähnen möchte ich die Küchenkünste meiner Gastmutter. Selten habe ich so gut gegessen. Mit den Händen zu essen braucht etwas Übung und wird dann selbstverständlich. Etwas gewöhnungsbedürftig war der Ordnungssinn in der Familie. Während die Salons stets in einem sauberen und aufgeräumten Zustand sind, findet sich in den anderen Zimmern doch eher das kleine Chaos. Die Wäscheleine wird quer durch die Wohnung gespannt und Geschirr bleibt schon mal eine Weile schmutzig stehen.

Zu den bedeutendsten Erlebnissen gehörte die Arbeit in einer Einrichtung für Kinder im nicht privilegierten Stadtteil Takkadoum. Es gab dort drei Gruppen: Zunächst die Kleinen zwischen 2 und 4 Jahren, dann eine größere Gruppe bis sechs Jahren. Die Kinder bekommen bereits richtigen Unterricht. Man könnte es mit einer Art Vorschule vergleichen. Zuletzt ist da noch die Gruppe mit den Kindern und Jugendlichen mit verschiedenen körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen. Sie sind im Alter von acht bis über 20. Die Kinder aller Altersgruppen sitzen die meiste Zeit am Tisch und sollen dem Unterricht folgen bzw. sich still beschäftigen. Das entspricht natürlich nicht dem Bild von Erziehung und Bildung in den Industriestaaten. Kinder, Eltern und Erzieher pflegen einen herzlichen Umgang miteinander. Das die Freiwilligen sofort mit eingebunden werden, macht eine Eingewöhnung leicht. Den Vormittag verbrachte ich in der Gruppe mit den behinderten Kindern. Es dauerte einige Zeit, sich kennen zu lernen. Dann aber gab es viele lustige und innige Momente. Ähnlich verlief mein Nachmittagsdienst mit den ganz kleinen Kindern. Ich habe oft versucht, ein wenig mehr Bewegung in das Spiel mit einzubringen, was den Kindern gefallen hat. Unvergesslich bleiben die Momente für mich, wenn die Kinder im lauten Chor meinen Namen gerufen haben und auf mich zugelaufen kamen, die vielen Umarmungen und Küsse. Auch wenn eine gewisse Autorität der Erwachsenen allgegenwärtig ist, steht die liebevolle Stimmung doch im Vordergrund.

Das tägliche Leben ist geprägt von der Religion. Das war für mich eine interessante Erfahrung. Es sind sehr intime Momente, die Familienmitglieder beten zu sehen. Manchmal drang ein leiser Gesang aus dem Nachbarzimmer. Es ist fremd, aber sehr bewegend. Nicht weniger beeindruckend ist der regelmäßige Gebetsruf von den umliegenden Moscheen in der Medina. Das Wohnen im Riad hat den Vor- und Nachteil, Vieles aus der Nachbarschaft mitzuhören. Wenn es nachts ganz ruhig war, war der Muezzin ganz deutlich zu hören. Sehr rührend empfand ich auch ein Gebet meines Gastvaters an meinem Bett, als ich an einem Abend krank war. Verbunden mit den vielen Eindrücken von der Straße und den heimlichen Blicken in das Innere der Moscheen habe ich ein angenehmes Bild von dem religiösen Leben in Marokko bekommen. Es existieren die verschiedensten Ansichten nebeneinander. Die streng muslimisch gekleidete Frau gehört ebenso zum Stadtbild wie die moderne Frau in Jeans ohne Kopftuch, junge Paare gehen im Park spazieren und in den Frauenzeitschriften wird öffentlich über Liebe, Sex und Gesellschaftsprobleme diskutiert. Während der Gebetszeiten kann es auch schon einmal schwierig sein, ein Taxi zu bekommen oder etwas einzukaufen.

Kinder in Marokko

An der Atlantikküste liegen die beiden Städte Rabat und Sale und sind nur durch einen Fluss voneinander getrennt. Die Uferpromenade wurde sehr aufwendig und modern ausgebaut. Das war einer meiner Lieblingsplätze. Die bunten Fischerboote wirken wie ein Relikt der alten Zeit. Das ist typisch für Marokko. Der ewige Kontrast zwischen Tradition und Moderne. Von dort aus gelangt man fußläufig zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, den Märkten und der Medina. Ein echter Geheimtipp sind die Kuchen und Törtchen in Rabat. In unzähligen Varianten werden die süßen Köstlichkeiten mit Sahnevariationen, Schokolade oder Kokos sehr preiswert angeboten. Außerhalb der die Medina umgebenden Stadtmauer ist der Verkehr vergleichbar mit jeder anderen Großstadt. Die Fahrzeuge sind jedoch meist sehr alt und dadurch ist die Luftverschmutzung enorm. An Kontaktlinsen oder Augen-Make-up war nicht zu denken. Als Hauptstadt ist Rabat Sitz von vielen Behörden. Häufig kann man Demonstrationen beobachten, die auf die natürlich existierenden Probleme im Land hindeuten. Die Stadtparks waren die Oasen, um sich von dem Großstadtgetöse zu erholen. Die Medina ist mit ihren engen Gassen und den vielen Händlern eine kleine Stadt für sich. Am Tage ist es eher ruhig und beschaulich. In den Abendstunden herrscht ein reges Treiben. Es ist ein echtes Erlebnis für alle Sinne.

Die Fahrt im Sammeltaxi gehörte zu den abenteuerlichen Dingen. Mit sechs Fahrgästen und dem Fahrer sind die alten Mercedes-Pkw belegt. An bestimmten Plätzen rufen die Fahrer ihr Ziel aus. Wenn alle Plätze im Taxi belegt sind, geht es los. Das war immer eine gute Gelegenheit, die Leute zu beobachten und das Gleiche haben die Marokkaner wohl auch über die offensichtlich Fremden im Taxi gedacht. Aber niemals gab es eine unangenehme Situation. Die Wochenenden habe ich für Ausflüge genutzt. Zuerst habe ich gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen Rabat erkundet. Wir haben uns an zwei Tagen alle Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen. Die nächsten beiden Wochenenden habe ich dann genutzt, allein zu reisen. Meine erste Zugreise führte mich nach Meknes; der kleinsten der Königsstädte. Besonders empfehlenswert ist der Besuch eines kleinen Museums direkt gegenüber des berühmten Stadttores "Bab Mansour". Ich war dort schon um 9 Uhr morgens und konnte ungestört allein in dem alten Palast wandeln. Das Reisen mit dem Zug ist preiswert und bequem. Die Bahnhöfe sind häufig Platz für neue Kontakte mit Menschen der verschiedensten Nationalitäten.

Ein Höhepunkt meiner Zeit in Marokko war ein Ausflug nach Marrakesch. Es ist wirklich erstaunlich. Sobald man mit Marokkanern ins Gespräch kommt, fällt über kurz oder lang der Name dieser Stadt. Die Leute sprechen von Marokko als ihrem Heimatland und insbesondere von Marrakesch mit einer Leidenschaft, die ich so in Deutschland noch nicht erlebt habe. Und sie haben Recht, auch wenn es manchmal erst Liebe auf den zweiten Blick war. In Marokko muss man sich oft Zeit nehmen und Gelegenheit bekommen, hinter die hohen Mauern und verschlossenen Türen zu schauen. Im Gegensatz zu Rabat und Meknes fand ich hier nahezu keine Straßenschilder, was die Orientierung doch sehr erschwert. Die erste Nacht verbrachte ich in dem modernen und reichen Geschäftsstadtteil. Für die nächsten vier Tage hatte ich ein Zimmer in einem Riad in der Medina gebucht. Die Altstadt ist riesig und in der Nähe des Platzes "Djemaa el-Fna" leider außerordentlich touristisch geprägt. Weiter im Inneren ist es dann aber auch umso interessanter. Hier war ich mehrfach für die sogenannten "Falschen Führer" dankbar, vor denen in den Reiseführern gewarnt wird. Ohne mit den Leuten zu sprechen, ist es nahezu unmöglich, Adressen zu finden. Für einen kleinen Geldbetrag (ca. 1 EUR) wird man aber gern zur richtigen Tür geführt. Ich hatte damit nur gute Erfahrungen. Die vielen ausländischen Gäste bringen es mit sich, dass in Marrakesch die Preise relativ hoch sind bzw. energische Verhandlungen mit sich bringen. Den frühen Abend muss man einfach auf dem "Djemaa el-Fna" verbringen. Es ist ein gigantisches Schauspiel und nicht zu beschreiben. Das Essen ist dort nicht sonderlich gut, die Atmosphäre dagegen beispiellos. Zu späterer Stunde empfiehlt sich ein Besuch der vielen Restaurants und Nachtclubs. Dort wird viel Live-Musik in teilweise gehobenem Ambiente geboten. Im Gegensatz zu den besucherüberströmten Sehenswürdigkeiten bieten die für Marokko typischen Stadtgärten auch hier Erholung. Es lohnt sich auch der Blick auf die Stadtarchitektur. Die Achsen der Hauptstraßen bieten atemberaubende Ausblicke und das alles überragende Minarett der Koutoubia-Moschee weist stets den Weg zurück in das Zentrum.

Wenn ich etwas aus Marokko mitgenommen habe, dann die Herzlichkeit der Menschen. Ich habe mich selten an einem fremden Ort so geborgen und wohl gefühlt. Wenn ich jetzt zuhause im Alltagsstress gefangen bin, denke ich oft zurück an Marokko. Ich finde dann schnell mein Lächeln wieder und nehme unsere "Probleme" nicht mehr ganz so ernst. Es ist ein Stück mehr Gelassenheit und Farbe in mein Leben zurückgekehrt. Danke.

Janina Meyer-Klepsch

Mehr zur Sozialarbeit in Marokko

Mehr zur Sozialarbeit

Mehr zu Marokko

Weitere Erfahrungsberichte

Ruf' uns an:
+49­ (0)30 2345 7223
Global Gap Auslandsjahr
Nach oben ▲