Feedback
You seem interested in our projects! Care to tell us more?
Das mache ich gern! Nicht jetzt, danke.

You are from: United States, Go to our American website.

aide humanitaire
Ruf’ uns an:
+49 ­(0)30 2345 7223
info@projects-abroad.de

Marokko - ganz anders als erwartet

Beim Spielen mit den Kindern

Sozialarbeit in Marokko von Korbinian März

Marokko hat es derzeit nicht leicht. Der weltweit steigende Angst vor Terrorismus wirft kein gutes Bild auf ein Land, in dem die Bevölkerung zu 99% Muslim ist. Vorurteile mehren sich in den westlichen Gesellschaften. Diese Erfahrung machte ich schon vor meiner Reise nach Marokko. "Oh, du gehst nach Marokko. Pass auf, dass du nicht entführt wirst.", "Marokko, da würd ich ja zurzeit nicht hingehen. Pass auf die Bomben in den Mülleimern auf." Das war übrigens in Istanbul.

Es kam alles ganz anders - Marokko ist ein Land, das Richtung Europa, Mittelmeerunion und Wohlstand strebt. Es ist in einigen Städten, besonders in Rabat, westlich modern ausgerichtet und durchaus mit Toleranz ausgestattet. Besonders die jüngere Generation wünscht einen Bruch mit den starren Normen, die die Traditionen vorgeben. Natürlich sind fast alle Marokkaner religiös - viele sogar sehr. An das Beten auf dem gen Mekka ausgerichteten Teppich gewöhnt man sich rasch.

Auf meiner Reise durch Marokko

Marokko, das Königreich im Nordwesten Afrikas, an welches der Atlantik im Westen und das Mittelmeer im Norden angrenzen, ist sicherlich eines der interessantesten Länder, die ich bisher besucht habe. Jeder findet hier wohl einen Platz, der ihm paradiesisch erscheint. Sei es am Rande des wellenbewegten Atlantik vor einem überzuckerten "Thé à la menthe", in den Palm- und Getreidehainen der Oasen, in den zerklüfteten und schneebedeckten Gipfeln des Atlasgebirges, oder auf den gewaltigen Sanddünen von Merzouga, nahe der algerischen Grenze. Dabei darf man sich eine wunderbare Tagine bei den Berbern nicht entgehen lassen.

Doch nun zum Eigentlichen, nämlich dem sozialen Projekt. Takaddoum ist das ärmste Viertel Rabats und liegt im südwestlichen Teil der Stadt. Man erreicht es problemlos mit dem Taxi, oder auch mit dem Bus. Es sind zwar keine Slumverhältnisse in Takaddoum, aber der Lebensstandard, Infrastruktur, Häuser und Umweltsituation sind doch ein ganzes Stück geringer, als in anderen Teilen der Hauptstadt. Das Viertel beherbergt außerdem die meisten afrikanischen Immigranten, vorzugsweise aus Ländern des Subsahara-Raums. Die Straßen sind eng und Auspuffgase reizen die Kehle. An den Straßenrändern liegt Müll und verfaulendes Gemüse. Es ist meistens staubig, heiß. Männer und Frauen mit verkrüppelten Armen oder Beinen stehen am Straßenrand und betteln nach zwei, drei Dirham.

In diesem Viertel, das abschreckend klingt, es aber in keinster Weise ist, ist die Halbtagesbetreuungsstätte für behinderte Kinder und Jugendliche untergebracht. In einem einfachen Gebäude in einer Seitenstraße, welches in Nebenräumen auch mit Computern ausgestattet ist, und auch als Internetcafé dient. Noch viel mehr ist sie aber mit Kindern und Jugendlichen ausgestattet, deren Charakter freundlicher ist, als alles andere, was mir bisher untergekommen ist. Bereits am Eingang wird man von Hassan, Ibrahim, Mohammed, Said, Delilah und Dima empfangen. Überschwängliche Umarmungen und ein breites Lächeln gehören hier zum Standard. Sogleich wird man an der Hand ins Innere des spartanischen Gebäudes gezogen, wo man bereits zum Memory spielen, Lego bauen, Malen und Puzzeln empfangen wird. Wirkliche Arbeit sieht anders aus. Allerdings darf man sich auch keinen Illusionen hingeben. Die Behinderungen sind teilweise schon sehr stark. Ein normales Leben wird für keines dieser Kinder möglich sein.

Ein Eimer als Hut

Zu Beginn wird man eventuell abgeschreckt sein. Der Anblick eines im Rollstuhl zusammengekauerten Saids erfüllt einen möglicherweise mit Leere und depressiven Gedanken - aber diese Kinder sind alle auf ihre eigene Weise großartiger und liebenswürdiger, als es einer von uns jemals sein könnte. Denn mindestens eine Sache haben sie uns voraus: Sie sind in ärmsten Verhältnissen aufgewachsen und haben dennoch die Courage, immer zu Lachen und am Leben Spaß und Sinn zu haben.

Jeder bedrückende Gedanke, den ich bei mancherlei Situation und Anblick in Marokko bekommen habe, wurde durch diese unerschrockene Freude ausradiert. Jedes Lachen von uns Freiwilligen wurde mit einem noch herzlicheren Lachen belohnt.

Manch einer wird sich an den einfachen Konzepten und der unprofessionellen Methodik gestört haben. Beispielsweise wurde kritisiert, dass es keine festen Regeln und Normen gibt. Keinen geregelten Tagesablauf wie bei einem Schultag. Aber ich glaube, dass gerade das Fehlen eines starren, einengenden Rahmens und dagegen Spontaneität und offenes "darauf zugehen" uns allen unwahrscheinlich viel Spaß, Freude und das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben, und sei es auch nur für ein paar Stunden gewesen, gebracht hat.

Zurück in Deutschland musste ich feststellen, dass sich in den drei Monaten meiner Abwesenheit nicht viel getan hatte. Freunde und Bekannte hatten, wenn überhaupt, nur sehr geringes Interesse. Schade -Marokko ist ein beeindruckendes, oft, aber nicht immer schönes, vielfältiges Land, aus dem man großartige Augenblicke, Erinnerungen, Gedanken und Freunde mitnehmen kann. Von der Reise bereue ich nicht das Geringste und denke sehr oft an die unternommenen Touren und kennen gelernten Menschen, vor allem aber an die sehr schönen Momente in der "Takaddoum école pour les enfants handicapés".

Korbinian März

Mehr zur Sozialarbeit in Marokko

Mehr zur Sozialarbeit

Mehr zu Marokko

Dieser Erfahrungsbericht enthält eventuell Bezüge zu Arbeit in oder mit Waisenhäusern. Projects Abroad’s aktuellen Standpunkt zu Freiwilligenarbeit in Waisenhäusern und Kinderheimen und Informationen über unseren Schwerpunkt auf gemeindenahe Kinderbetreuung kannst du hier nachlesen.

Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

Weitere Erfahrungsberichte

Ruf' uns an:
+49­ (0)30 2345 7223
Global Gap Auslandsjahr
Nach oben ▲