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Ein neues Unterrichtsfach entsteht und eine Schulliga wird gegründet

Tansania Sport Kinder

Sport - Praktikum in Tansania von Marcel Weiss

Afrika stand für mich erst einmal fest. Ich wollte unbedingt etwas Abstand zu unserer Wohlstandsgesellschaft, einen klaren Blick auf die Unterschiede bekommen und entdecken, wie Menschen mit wenigeren Mitteln zu ihrem Glück finden.

Tansania Sport Fußball

In den ersten Tagen war ich noch allein mit dem frisch gestartetem Sportprojekt und wartete erst mal mit meinen Ideen ab, um mir ein Bild von den beiden öffentlichen Schulen zu machen, in denen ich unterrichten sollte. Das Problem war: es gab so etwas wie Sportunterricht nicht… also wovon ein Bild machen? Tja, und so stand ich da, und die erwartungsvollen Blicke der Schulleiter und neu für mich auserwählten Sportlehrer waren auf mich gerichtet. Die neuen Sportlehrer ließen jedoch sämtliche Kompetenzen in Sachen Sportunterricht vermissen – außer einer, der zumindest die Fußballregeln kannte.

Tansania Sport Linienrichter

Zeitliche Räume im Stundenplan hatte man mir geschaffen, und die Schüler, die mich mit großen Augen vor Neugier durchbohrten, als ich in den ersten Klassen vorgestellt wurde, brannten darauf, endlich Sportunterricht mit dem blassen neuen Lehrer zu haben. Zum Glück hatte ich von meiner alten Schule zwei aussortierte Lederbälle mitbekommen, um ihre Aufmerksamkeit etwas von mir abzulenken. Tatenfreudig entschied ich, dass sie mir erstmal ihre Fähigkeiten präsentieren sollten. Daraufhin jonglierte sogar der Sportlehrer ganz begeistert mit dem Ball im Klassenraum.

Tansania Sport Unterricht

Einige Tage später kam dann der nächste Freiwillige (Damien aus Frankreich) an. Wir setzten uns zusammen und arbeiteten einen Unterrichtsplan aus. Es entstand ein abwechslungsreicher Plan mit Sportspielen und Fitnessprogramm. Wir lernten schnell, dass es vor allem auf Spontanität ankam, denn egal, wie toll unser Plan war – wenn es regnete, stand der Platz unter Wasser! Und wir kamen mitten in der Regenzeit an… So verlegten wir kurzerhand das Ganze nach drinnen. Im Nachhinein eine ganz phantastische Idee, denn so brachten wir allen (inklusive Lehrern) die Fußball- und Volleyballregeln bei.

Tansania Sport Weg

Dabei kam öfter die Frage auf, ob wir unseren Stock vergessen hätten, und wie wir ohne dieses Hilfsmittel für Ruhe und Disziplin sorgen wollten. Es ist leider, obwohl es auch in Tansania verboten ist, gang und gäbe (vor allem an öffentlichen Schulen), die Kinder mit einem Stock zu schlagen. Das war definitiv keine Alternative für uns, und so fanden wir unsere eigenen (für die Kinder oftmals viel schlimmeren) Konsequenzen, wie fünf Minuten lang den Anderen beim Spaß haben zusehen zu müssen. So kann man nur hoffen, dass dabei auch die Lehrer etwas gelernt haben.

Tansania Sport Krater

Zusätzlich zum regulären Sportunterricht ließen wir unsere Idee für eine Schulliga im Fußball mit den benachbarten Schulen einfließen. Wir erweiterten unser Programm, um nachmittags Schulteams einzurichten und zu trainieren. Der Andrang war riesig, und nicht nur den Kindern machte es großen Spaß, zusätzlich professionelles Training nach der Schule zu bekommen.

Tansania Sport Sansibar

So wuchs unsere Popularität recht schnell, und wir wurden öfter als gewöhnlich auf der Straße, dem Markt oder in Lokalen gegrüßt und zu (Fußball-) Diskussionen eingeladen. So kam es, dass viele umliegende Schulen auch gern in der Liga mitspielen wollten, und wir entschieden, eine zweite anschließende Schulliga für den Großraum Usa River (so hieß der kleine Ort) einzurichten.

Es war ein tolles Gefühl, zu sehen, dass Schüler, die man lange nicht mehr in der Schule gesehen hatte, wegen unserem Unterricht wieder zur Schule kamen. Wir waren stolz, von Straßenvereinen angesprochen zu werden, ob wir sie doch bitte auch coachen könnten. Besonders bewegend war, glücklich spielende Kinder zu sehen, wie sie einen Reifen einen Berg runterrollen ließen (stellt euch das mal in Deutschland statt Fernseher und Konsole vor!), und diesen Kindern eine Schulliga zu ermöglichen, mit regelmäßigen Spielen, bei denen die ganze Schule zuschaut, mit improvisierten Trommeln anfeuert, und sie dann am Ende der Liga nach einer großen Zeremonie den von Projects Abroad gesponserten Pokal in die Höhe reißen und unter Jubel eine nach der anderen Ehrenrunde drehen. Kurz: Es war das pure Glück, und ich bin froh, dabei gewesen zu sein

Während der Zeremonie für unsere Verabschiedung bedankten sich die Schulleitung und die Sportlehrer in langen Reden vor der versammelten Schule bei uns, und ich nutzte die Zeit, durch die Menge zu gucken und mit meinen Gedanken etwas abzuschweifen… zurück zu all den atemberaubenden und interessanten Ereignissen der letzten Wochen: Neben den tollen Erfahrungen an der Schule war ich in der Serengeti und dem Ngorongoro Krater, wo ich beeindruckende Tierschauspiele und faszinierende Landschaften erlebte, auf Sansibar, wo ich praktisch jeden Abend die tollsten Sonnenuntergänge an den weißen Sandstränden dieser traumhaft schönen Insel betrachten konnte, und habe es geschafft, den höchsten Berg Afrikas zu erklimmen, von wo ich die ersten Sonnenstrahlen das weite Land erhellen sah…

Wir sollten nun auch eine Rede halten, und ich merkte, wie meine Stimme hörbar ergriffen die letzten drei Monate zusammenfasste. Damien erging es wohl ähnlich, denn ich bemerkte, wie er mit dem Flüssigkeitsüberschuss in seinen Augen zu kämpfen hatte. Wir bekamen ein paar Massai Decken geschenkt und wurden darin eingewickelt. Danach liefen wir umringt von Kindern über den Sportplatz, ich lächelte glücklich und zufrieden und saugte jeden dieser Augenblicke wie ein Schwamm in mir auf.

Also, für diejenigen, die jetzt noch unsicher sind: Das Sportprojekt in Tansania ist für jede(n) die bestmögliche Wahl, die/der gern an der frischen Luft seine Leidenschaft am Sport mit etwas älteren Kindern (9 bis 15 Jahren) teilen und aus Sicht der Jugendlichen das Land und ihre Traditionen kennenlernen will.

Marcel Weiss

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