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Frisch gerösteter Kaffee, Popcorn und eine gute Portion Herzlichkeit

Äthiopien-Unterrichten-Freiwilliger

Unterrichten in Äthiopien von Alexander Neudorfer aus Kitzbühel in Österreich

Ich war für 3 Monate in Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien. Im ersten und dritten Monat unterrichtete ich an einer Grundschule. Da im zweiten Monat gerade Schulferien waren, unterrichtete ich in dieser Zeit an einer privaten Sprachschule.

Äthiopien-Unterrichten-Sami

Mein allererstes Erlebnis am Flughafen war schon bezeichnend für dieses Land und die Menschen dort. Um etwa drei Uhr morgens landete der Flieger und wir wurden durch das übliche Prozedere der Zollkontrolle geschleust. Als ich endlich an der Reihe war, wies mich die Dame am Schalter darauf hin, dass ich vergessen hatte, ein ausliegendes Formular auszufüllen. Ich war sehr überrascht, dass sie mich nicht abwies, mit der Aufforderung dies nachzuholen und mich wieder einzureihen. Nein, sie nahm sich ein Formular und füllte es lächelnd und höflich mit mir zusammen aus.

Äthiopien-Unterrichten-Unterricht

Sami, ein Mitarbeiter von Projects Abroad brachte mich ins Büro, wo ich in einem Gästezimmer erstmal bis zum nächsten Morgen ausschlafen konnte. Morgens machten wir eine Stadtführung, wo wir gleich ein lokales Prepaid-Handy für mich besorgten. Das stellte sich später als unentbehrlich heraus: um Probleme zu lösen, neue Freundschaften zu pflegen, Kontakt mit anderen Freiwilligen zu halten, für Notfälle, etc.

Äthiopien-Unterrichten-Pause

Abends, nach der Stadttour, landete ich dann bei meiner Gastfamilie. Zum Einstand gab’s die übliche Kaffee-Zeremonie: frisch gerösteter Kaffee, Popcorn und eine gute Portion Herzlichkeit. Schließlich war ich heilfroh, mein neues Bett einzuweihen.

Äthiopien-Unterrichten-Mädchen

An meinem zweiten Tag holte mich Bikesegn, ein weiterer Mitarbeiter von Projects Abroad, ab, um mir die Schule und den Weg dorthin zu zeigen. Ich lernte auch die Lehrer kennen – und beging einen riesen Fauxpas! Das fand ich allerdings erst nach ein paar Wochen heraus, nachdem ich mit einigen Lehrern engere Freundschaft geschlossen hatte und einmal nach dem ersten Eindruck von mir fragte. Ich trug T-Shirt, kurze Hosen und Flip Flops! In der Schule! Das ging gar nicht! Der erste Eindruck war also der vom „freaky Ferenji“. Ferenji bedeutet Weißer, ist jedoch nicht negativ gemeint! Diesen ersten Eindruck bügelte ich jedoch in der folgenden Zeit aus, auch einem entsprechenden Hinweis von Bikesegn folgend. Ab dem zweiten Schultag trug ich ausschließlich Hemd, lange Hosen und geschlossene Schuhe.

Äthiopien-Unterrichten-Jungs

Am dritten Tag war also mein erster richtiger „Schultag“. Ich wähle diesen Begriff bewusst. Denn in der Zeit dort lernte ich mindestens ebenso viel über mich und zwischenmenschliche Beziehungen, wie die Kinder in der Schule.

In der Schule assistierte ich hauptsächlich den Englischlehrern. Mit zwei von ihnen verstand ich mich besonders gut, auch auf einer persönlichen Ebene, und wir wurden ausgezeichnete und aufeinander eingespielte Lehrer-Teams. Sowohl die Zusammenarbeit mit den Lehrern, als auch die Arbeit mit den Kindern habe ich sehr genossen. Anfangs war der viele Körperkontakt für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Es war wichtig, jeden Lehrer jeden Tag zu grüßen: Männer mit Handschlag, Frauen mit 3 Wangenbussis – auch wenn es an die 40 waren! Das Lehrerzimmer morgens nur mit einem Kopfnicken zu betreten galt als extrem unhöflich. Ebenso die Kinder: Hochnehmen, Umarmen und Küsschen waren die üblichen Begrüßungen. Und besonders die Kleinen waren fasziniert von meinen Haaren und meiner Haut und haben diese mit ihren Fingern ausgiebig begutachtet.

Äthiopien-Unterrichten-Lehrerzimmer

In der privaten Sprachschule unterrichtete ich 17- bis 50-Jährige in wesentlich kleineren Klassen, mit etwa 14 statt bis zu 45 Schülern in der Grundschule. Ich moderierte hauptsächlich sogenannte Debating Klassen, also Diskussionsrunden, wo ich ein Thema vorgab. Hier erfuhr ich viel über kulturelle Aspekte, Geisteshaltungen, Traditionen, etc. Besonders die Jugendlichen hielten vor allem den westlichen Life-Style hoch und versuchten, diesen zu kopieren. Dem versuchte ich wiederum entgegen zu halten, dass Äthiopien zwar infrastrukturell unterentwickelt sei – im sozialen und emotionalen Vergleich, sehe ich dagegen Europa massiv unterwickelt.

Äthiopien-Unterrichten-Lehrer

Tja, was habe ich mitgenommen von diesem Abenteuer? Meine Lebensplanung hat sich vollkommen verändert! Nach dem Studium werde ich nach Äthiopien auswandern und bis dahin in den Ferien so oft wie möglich dorthin zurückkehren. Warum? Ich fand dort eine Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Wärme, die ich so noch nie erlebte. Und es ist etwas Besonderes an diesem Land und seinen Menschen, das sehr schwer in Worte zu fassen ist. Ich bin jetzt zufriedener, erfreue mich vermehrt an kleinen Dingen und bin mir klarer darüber, wer ich bin und was mir wichtig ist im Leben. Meine Prioritäten haben sich deutlich verschoben, von Äußerlichkeiten hin zu inneren Wertigkeiten. Diese drei Monate haben mich in erstaunlichem Tempo zu einem besseren Menschen reifen lassen.

Alexander Neudorfer

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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