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"Kulturschock ohne Schock"

Meine Schulklasse und ich

Unterrichten in Costa Rica von Jette Romey

Kurz vor meinem ersten Staatsexamen wollte ich mir noch einmal eine Auszeit im Ausland gönnen. Meine Wahl fiel dabei auf ein zweimonatiges Praktikum als Englischlehrerin in Costa Rica. Was könnte es denn schon Besseres geben, als Kinder unter Palmen und strahlendem Sonnenschein Englisch beizubringen? Nebenbei würde ich auch noch etwas in die Unterrichtspraxis hinein schnüffeln? Wie sich schnell herausstellte, hätte ich mich für nichts Besseres entscheiden können, denn ich war im Paradies gelandet!

So schon ist Costa Rica

Natürlich war mal wieder alles anders als erwartet. Was sicherlich auch daran lag, dass meine Kenntnisse über Costa Rica simple geographische Fakten nicht überstiegen. Jedoch lag es bestimmt auch daran, dass man diese Perle Mittelamerikas sowieso schwer mit Worten beschreiben kann und daher nur überrascht sein kann, über das, was einen dort erwartet. Meine Überraschung kann man jedoch nicht mit einem Kulturschock gleichsetzen, der kam erst relativ spät und schleichend und war auch gar kein Schock, das hört sich nämlich zu negativ an. Es war eher eine Kulturüberraschung.

Bei meinem Freiwilligendienst lebte die zwei Monate in dem Haus einer Frau, deren Tochter in Ecuador zu der Zeit studierte. Um nicht so viel alleine zu sein, hatte sie sich bei Projects Abroad als Gastfamilie angemeldet. Sie liebte es, mich damit auf den Arm zu nehmen, dass sie gerne eine deutsche Freiwillige haben wollte, da dies besser zu ihren deutschen Schäferhunden passte. Jedes Mal, wenn ich mit ihren Hunden spielte, wies sie mich auf unsere gemeinsamen Wurzeln hin. Ihre zweite Leidenschaft war es, mich aufgrund meiner nicht vorhandenen Spanischkenntnisse zu veräppeln. Sie konnte darüber stundenlang lachen, wenn ich auf ihre Ironie und sprachlichen Spitzen reinfiel. Wir verstanden uns vom ersten Moment an total gut und ich verbrachte so viel Zeit wie nur möglich mit ihr. Wir machten gemeinsame Ausflüge oder sie brachte mir Spanisch durch das intensive Gucken spanischer ,Telenovelas' und durch Rundgänge in ihrem liebevoll gepflegten Garten bei.

An den Wochenenden plante ich mit anderen Freiwilligen häufig gemeinsame Trips zu den Nationalparks oder an Strände, die weiter weg waren. Die anderen Freiwilligen hatten mich sofort nach meiner Ankunft besucht und integriert. Von Anschlussschwierigkeiten keine Spur! So nutzten wir unsere freien Tage immer dafür, das Land und seine Leute besser kennen zu lernen. Ein verlängertes Wochenende verbrachten wir sogar einmal im Nachbarland Nicaragua. Das war auf jeden Fall eine ganz andere Erfahrung, da dieses Land viel ärmer als Costa Rica ist. In der Nähe von Granada sah ich den ersten aktiven Vulkan in meinem Leben. Wir waren alle total begeistert von der Größe des Kraters und der Aussicht von oben. Es war einfach wunderschön, nur das Atmen viel nach einiger Zeit schwer, da der Schwefelgehalt in der Luft so hoch war, dass man ihn auf der Zunge schmecken konnte.

Unterwegs mit anderen Freiwilligen

Aber natürlich bestand mein Aufenthalt nicht nur aus Ausflügen in die verschiedensten Regionen Costa Ricas, sondern hauptsächlich war ich dort, um mein Praktikum zu absolvieren. Ich arbeitete vormittags knappe zwei Stunden in einer sechsten Gehörlosenklasse und anschließend in einem Kindergarten. So waren meine Tage sehr abwechslungsreich. Anfangs arbeitete ich kaum selbstständig mit den Schülern, erst nach zwei bis drei Wochen bekam ich eigene kleine Unterrichtseinheiten, die ich mit den Schülern durchführen konnte. Die Schüler fanden das immer total toll und waren immer ganz aufgeregt, wenn sie mir auf Englisch antworten konnten. Nach kurzer Zeit fing ich auch an, selbst kleine Einheiten zu planen und probierte einige Dinge einfach mit den Schülern aus. Sie waren sehr aufgeschlossen und ich glaube, dass sie mit mir Spaß hatten.

Die Nachmittage verbrachten wir meistens mit allen Freiwilligen beim Shoppen, Essen gehen oder Sonnen. Langweilig wurde es uns nie, denn allein das Beobachten von Leuten im Stadtpark war ein kulturelles Erlebnis für uns. Bevor ich in Costa Rica war, wusste ich nicht, wie praktisch es sein kann, Wasser in Tüten zu transportieren und daraus zu trinken. Ich habe mich außerdem zu einem richtigen Reis- und Bohnenkennerin entwickelt. Denn nicht jede(r) kann das Nationalgericht ,gallo pinto' zubereiten, auch wenn es nur aus Reis mit schwarzen Bohnen besteht. Als Käse- und Schokoladenliebhaberin musste ich mir in Costa Rica eingestehen, dass selbst ich nicht auf die Idee gekommen wäre, beide Leidenschaften zu verbinden, um einen Käse mit Schokogeschmack herzustellen. Aber auch das war eine unvergesslich geschmackliche Erfahrung der Extraklasse.

Die Ticos und ihr Lebensstil sind einfach faszinierend für uns gestresste Europäer. Sie allein nur zu sehen, entspannt schon. Ich habe die Zeit dort wirklich genossen und viel über die Notwendigkeit von ,Abschalten' und Entspannen gelernt. Nur leider fällt es einem schwer, das hier zu Hause weiter bei zu behalten. So war der Kulturschock für mich zurück in Deutschland eigentlich viel größer. Sich wieder an das schnelle Leben zu gewöhnen, fiel mir schwer. Aber ein bisschen PURA VIDA wird wohl immer in mir schlummern!

Jette Romey

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