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Guayava, Guanabana oder Banana?

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Unterrichten in Ecuador von Karolina Goldberg

Ecuador… puh… echt wirklich? Habe ich mich wirklich gerade angemeldet, 3 Monate an einem der einzigartigsten Orte der Welt, dem Zuhause der Evolutionstheorie, dem Paradies im Pazifik zu verbringen? Noch einmal kurz nachgucken... ja, da steht es, schwarz auf weiß: Liebe Karolina, Herzlichen Glückwunsch, du hast dich erfolgreich für eine der größten Herausforderungen deines Lebens angemeldet (oder so ähnlich). So ging es los, das Abenteuer Galapagos-Inseln.

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Mein Name ist Karo, 3 Tage vor Reiseantritt wurde ich 19 Jahre alt, in meiner Freizeit mache ich gerne Sport… das Übliche und: Ich reise gerne. Ob nah, ob fern, ob kalt oder warm, ich liebe Orte die etwas Besonderes haben, irgendeine Magie, die einen zuerst anstupst, deren Hand man nimmt und die man nie wieder loslassen wird, in Erinnerungen, in Erlebnissen, die mehr sind als nur ein Besuch. Sie sind eine Erfahrung, die einen reicher macht. So stand ich also am Flughafen: Gepäck durchgecheckt, Freunden, Freund und Familie auf Wiedersehen gesagt und hundemüde (es war 5 Uhr morgens)… ab in den Flieger, langsam die Tränen runtergeschluckt, eingeschlafen. Gefühlte 1000 Stunden später landete ich auf San Cristóbal, der zweitgrößten bewohnten Galapagos-Insel, in Puerto Baquerizo Moreno, dem kleinen Dorf, das von nun an mein Zuhause sein sollte.

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Erster Eindruck: heiß. Zweiter Eindruck: schön! Dritter Eindruck: Panik! Stell dir vor, es holt dich keiner ab, du wurdest vergessen, am Ende weiß keiner, dass du kommst und du musst am Strand schlafen?!??

Natürlich alles unbegründete Sorgen… Am Ausgang wartete bereits eine Projects Abroad Mitarbeiterin auf mich. Sie zeigte mir erst einmal den Ort, der dann doch größer war als erwartet. Überall aalten sich Seelöwen in der Sonne (was mich absolut überwältigte!). Dann fuhren wir zu meiner Gastfamilie, die schon auf mich wartete. Ich hatte vorher Bilder gesehen und live bestätigte sich der sympathische Eindruck. Weiterhin lebte in der Familie eine zweite Freiwillige, Lynn, wir verstanden uns von Anfang an super. Die Familie zeigte mir das für dortige Verhältnisse riesige Haus (inklusive Dachterrasse, meinem neuen Lieblingsort), und wir aßen zusammen etwas, das ich noch öfter essen sollte (jeden Tag): Reis, Hähnchen und Bohnen, serviert mit einem RIESIGEN Glas frisch gepresstem Fruchtsaft (wie heißt die Frucht? Guayava, Guanabana, Banana?). Später gingen Lynn und ich noch an den Strand. So ging bei einem wunderschönen Sonnenuntergang der erste Tag zu Ende und ich fiel später vollkommen erledigt ins Bett.

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Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, kommt es mir vor, als wäre ich dort eingeschlafen und erst jetzt, vor wenigen Wochen, in Deutschland wieder aufgewacht. Denn es war ein Traum, ein wunderschöner Traum. Ich arbeitete in einem außerschulischen Projekt, das nachmittags stattfand, um den Kindern, die sich die Schule nicht leisten können oder mehr Englisch lernen möchten, eine Möglichkeit hierzu zu geben.

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Die ersten paar Tage schaute ich zu, holte mir Anregungen, sprach mit den anderen Freiwilligen über positive und negative Erfahrungen, um mir so viel wie möglich abzugucken. Schon bald sollte ich den ersten Unterricht mit einem anderen Freiwilligen zusammen leiten. Ich kann euch sagen… hallelujah! Das war anstrengend. Ich stand vor der Klasse. Zwanzig kleine Kinder hüpften rum, schrien, machten Terz und hatten die größte Freude daran, alles zu machen, außer sich hinzusetzen und still zu sein. Sagen wir es so: der erste Tag war eine Pleite. Und legen wir mal Butter bei die Fische: Das ist bei jedem so. Aber hey, wer ganz unten ist, kann immerhin nicht tiefer fallen ;-)

Es wurde jedoch besser, denn ich hatte den Rat einer meiner Vorgängerinnen beherzigt: Wer sich zu Beginn keinen Respekt verschafft, hat verloren. Also verschaffte ich mir diesen und warf am Ende meiner ersten Woche, an einem Tag 3 Kinder aus dem Klassenraum. Natürlich war das hart, aber um unterrichten zu können, braucht man irgendwie Ruhe, und sowas kannten die Kinder dort kaum. Das ist nämlich so eine Sache: Ich unterrichtete zwar Englisch, aber im gleichen Maße vermittelte ich auch Disziplin und Freude am Lernen.

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Zurück zu den Kindern, die schmollend vor der Tür saßen: Zwei durften bald wieder rein, doch Marta, das Mädchen mit den Kulleraugen, klein, süß und teuflisch zugleich, wollte es nicht begreifen und ich ließ sie weiter vor der Tür sitzen. Als ich sie nach der Stunde weinen sah, packte mich das schlechte Gewissen. Doch William, mein Betreuer von Projects Abroad, beruhigte mich und sagte, dass dies Kinder seien, morgen habe sie es vergessen und es wäre gut, dass ich durchgegriffen hätte.

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Und siehe an: Am nächsten Tag kam Marta freudestrahlend auf mich zu, entschuldigte sich für ihr Benehmen am Vortag, umarmte mich auf Kniehöhe und wurde von nun an meine Lieblingsschülerin, denn sie hatte mich motiviert, mich den Kindern gegenüber durchzusetzen. Solche Situationen gab es natürlich noch einige Male, doch nie wieder mit Marta.

Über die 3 Monate bekam ich mehr und mehr Erfahrung und somit auch Verantwortung zugeschrieben, sodass ich zuletzt 3 Klassen alleine unterrichtete. Egal wann ich auf die Straße ging, immer traf ich Schüler, Elternteile und Nachbarn. Man kannte sich, ich hatte die Kinder ins Herz geschlossen und sie mich. Liebend gerne machte ich mit ihnen Ausflüge in die Stadt, um Lernspiele zu spielen, oder ging mit ihnen an den Strand, wenn gerade „Action-Vocabulary“ (swim, run, jump) angesagt war. Es war herrlich!

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Auch mit meiner Gastfamilie unternahm ich viel. Mit meiner Gastmutter besuchte ich beinahe täglich verschiedene Tanzkurse und lernte so Salsa, Rumba und Bachata. Mein Gastvater liebte es, am Wochenende Ausflüge mit mir, meinen Gastschwestern und Freunden zu machen. Er zeigte uns Kliffe, wo Vögel nisteten, Buchten, in denen Haie schwammen und Strände, an denen man mit den Seelöwen spielen konnte.

Es war eine tolle Zeit, die durch eine abschließende Reise durch das ecuadorianische Festland gekrönt wurde. Ich spreche jetzt Spanisch, bin mit Riesenschildkröten geschwommen, habe kiloweise Reis gegessen, kann Salsa und Reggaeton tanzen und weiß: der Saft kam von einer Guayava. Abschließend kann ich nur sagen „Ecuador – ama la vida: Liebe das Leben“.

Karolina Goldberg

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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