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Die Sonne Marokkos im Herzen

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Alles begann vor 3 Jahren mit einer Rundreise per Bus „Marokko und seine Königsstädte“, die ich mit meinem Mann unternahm. Die abwechslungsreiche Landschaft hat mich so beeindruckt, dass ich mich fragte, wie die Menschen dort leben. Seit 20 Jahren war ich Lehrerin in einer süddeutschen Grundschule, vorher viele Jahre freiberuflich tätig, in einem Spagat zwischen Familie und Beruf, und sparte auf ein Sabbatjahr zu meinem 60. Geburtstag hin. Das war die Gelegenheit, für 2 Monate ins Ausland zu gehen und dann noch für einen guten Zweck zu arbeiten. Ich wollte Kontakt zur Bevölkerung bekommen… Bedenken und Ängste mussten überwunden werden.

Eine Woche nach meiner großen, fröhlichen 60. Geburtstagsparty ging der Flieger nach Rabat, der Hauptstadt von Marokko. Der Mut siegte über die Angst, dass etwas Unvorhergesehenes passieren könnte. Sicherheit gab mir auch das Gefühl, Projects Abroad und die marokkanische Familie würden mir helfen. Untergebracht war ich wie alle Freiwilligen bei einer Familie in der Medina. Es war für mich wichtig, ein Zimmer für mich zu haben. Ich musste auf einigen Komfort und Hygiene verzichten, hatte lange Wege zur Arbeit, die Kommunikation den ganzen Tag in einer fremden Sprache (Englisch oder Französisch)… das war etwas anstrengend. Trotzdem hatte ich eine glückliche Zeit, an keinem Tag Heimweh, keine nennenswerten Krankheiten und war einfach nur dankbar, diese Zeit erleben zu dürfen. Der Hauptgrund waren die Menschen dort, sogar marokkanische Freundinnen habe ich gefunden.

In der Familie gehörte ich bald dazu. Wir waren freundlich, respektvoll und zuvorkommend, immerhin waren wir mit 3 Freiwilligen eine große Gruppe und Madame kochte köstlich. Da ich viermal täglich durch die Medina lief, gab es viele Gelegenheiten zum Smalltalk mit den Händlern, ein Morgengruß war immer drin. Das war ein schönes Gefühl, selbst an der Taxistation wusste man bald, wo ich hinwollte. Die Sonne im Herzen…

Ein gutes Gefühl gab mir auch, dass ich alles freiwillig machte. Ich bekam eine Arbeitsaufgabe, bei der ich mit den Menschen in Kontakt kam, willkommen war und viele Freiheiten hatte. Wichtig war mir, auf die SchülerInnen flexibel zu reagieren, im Englisch- oder Deutschunterricht im guten Kontakt Aussprache, Wortschatz, Grammatik und Kommunikation/ Konversation zu verbessern. So war es dann auch!

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Ich unterrichtete an verschiedenen Lernorten, insgesamt 18 Stunden pro Woche: in einem neu eröffneten Jugendzentrum sowie in einem Treffpunkt, wo Frauen und Männer jeden Alters Nähen, Kochen und Sticken konnten und auch Computer- und Sprachkurse in Englisch, Französisch und Deutsch nahmen. Beide Orte waren in Sale gelegen. Der dritte Arbeitsplatz lag in Sala, einer modernen Trabantenstadt, unweit von Rabat. Es war eine private Grundschule.

Das Unterrichten mit jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren in kleinen Gruppen war für mich eine leichte Aufgabe, mit gutem Englisch-Lehrwerk und motivierten, freundlichen, höflichen, respektvollen SchülerInnen. Schnell bauten wir ein herzliches Verhältnis auf, und ebenso schnell lernten sie, erstaunlicherweise bevorzugt über die mündliche Kommunikation, während wir in Deutschland oft meinen, alles verschriften zu müssen. Außer dem Buch brauchte ich keine anderen Medien. Dem Buch haben wir Fotos und Schlüsselwörter als Impulse entnommen, und darum herum rankten sich Wortschatzarbeit, Grammatik, Hörverstehen und Satzproduktion. Oft half ein Wörterbuch oder das Smartphone eines Schülers.

Da ich nie wusste, wer kam, hatte eine Vorbereitung wenig Sinn, und ich merkte bald, dass es ganz gut auch ohne ging – eine große Entlastung, neigte ich doch immer dazu, alles vorher zu fixieren! Manchmal war nur ein Schüler da, aber es war trotzdem wichtig und gut. Die erwachsenen SchülerInnen haben mir viel erzählt vom Leben in Marokko – Familien, Hochzeitsfeiern, Festen, Träumen, Zielen... Umgekehrt wollten sie alles über Deutschland wissen. Es gab keine Berührungsängste, über Persönliches zu sprechen, was unser aller Herz geöffnet hat. Die Sonne im Herzen…

Die Grundschule lag in einer modernen Stadt. Viele Hochhäuser prägten das Stadtbild. Es blieben für mich nur 3 Tage Zeit, dafür war es umso nachhaltiger. Ich habe hauptsächlich hospitiert bei der jungen, offenen und herzlichen Englischlehrerin, die in der Pause ins Parterre ging, um ihr Baby zu stillen. Außer einem Arbeitsheft gab es kein Material, was bei dem Überangebot in deutschen Schulen für mich sehr angenehm war. Der Frontalunterricht verlief ruhig, freundlich, höflich und respektvoll. In meinen Unterrichtsstunden versuchte ich, die Schüleraktivität herauszufordern und bat die SchülerInnen, selbst an die Tafel zu schreiben, was sie gerne annahmen. Am Ende verabschiedeten sich viele durch Umarmungen und Küsschen, was in Marokko durchaus üblich ist. Ein unvergessliches Erlebnis!

Wir wollen nun mit meiner Schule Brieffreundschaften initiieren. Ich lud sie auch nach Deutschland ein, um meine Schule zu besuchen. Mal sehen! Erwähnen möchte ich noch einige marokkanische Frauen, die mir Rabat und Tanger gezeigt haben und mich in ihr Leben integriert haben. Die Sonne in Herzen… Nicht zuletzt ein Dank an die marokkanischen Menschen, Männer wie Frauen, Kinder und Jugendliche, die älteren Menschen mit großem Respekt begegnen und für mich eine Wohltat waren. Vergiss die Ängste und Bedenken – Tu es einfach!

Claudia ist Lehrerin und hat an unserem Programm für ausgebildete Freiwillige teilgenommen, an Projects Abroad PRO („PRO“ steht für „Professional“).

Claudia Steinmann-Fölger

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