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Marokko: Ein Aufenthalt wie im Flug

Sozialarbeit und Unterrichten in Marokko von Theresa Lindner

Willkommen in Marokko

Fruehstueck in der Schule

Über Wochen hatte ich mich auf diesen Moment vorbereitet: hatte mich im Internet informiert über Rabat und Marokko, Erfahrungsberichte gelesen, mir die nötigen Impfungen geben lassen und Medizin für den Notfall gekauft. Ich war fixiert auf all die Dinge, die vor meiner Abreise noch zu erledigen waren. Erst im Flugzeug hoch über den Wolken realisierte ich erstmalig, dass ich in wenigen Stunden in eine komplett andere Welt eintauchen werde. Die Stimmen von Familie und Freunden schossen mir wieder durch den Kopf: „Marokko, da tauschen sie dich doch gegen Kamele ein!!!“ oder „Du willst dorthin mit deinen langen, blonden Haaren???“. Waren ihre Bedenken gerechtfertigt? Jedenfalls war es jetzt zu spät für Zweifel - tausende Meter über dem Mittelmeer.

Und nun stehe ich ganz allein, über 3000 km entfernt von Zuhause, am Gepäckband in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Für die nächsten 2 Monate wird diese Stadt mein neues Zuhause sein.

Als Adil mich vom Flughafen abholt, ist es bereits dunkel.In der Medina wimmelt es aber noch immer vor Menschen. Halb 11 sind auch die Kleinsten unter uns noch unterwegs, die Geschäfte sind geöffnet und es herrscht ein munteres Treiben, zu einer Zeit zu der Zuhause schon die Bürgersteige hochgeklappt sind.

Adil scheucht mich durch die engsten Gassen und ich habe schon nach wenigen Metern die Orientierung verloren, weil alles vermeintlich gleich aussieht.

Kasbah in Rabat

In der Familie angekommen, werde ich herzlich empfangen und Gastschwester Hasna zeigt mir die Wohnung. Ich fühle mich gleich sehr willkommen. Den ganzen Tag auf den Beinen macht sich nun tiefe Müdigkeit in mir breit. Doch die Familie ist noch ganz und gar nicht müde. Die 7 jährige Hasna tanzt noch immer munter um den Tisch. Halb 2 Uhr morgens kann ich nicht mehr anders und gehe in mein Zimmer. Doch noch bis tief in die Nacht höre ich ihre Stimmen und ab und an klopft es sogar noch an der Tür und Freunde der Familie kommen herein. Ich bin zur Zeit des Ramadans angereist und in Marokko ist man in dieser Zeit bis spät in die Nacht wach. Als ich jedoch am nächsten Morgen das Haus verlasse, schlafen alle noch tief und fest. Ich werde mich wohl noch an einen neuen Schlafrhythmus gewöhnen müssen.

Feste feiern

Strandtag mit den Schuelern

Lange in Erinnerung bleiben wird mir das Zuckerfest, das große Fastenbrechen am Ende des Ramadans. Am Abend zuvor koche ich bis 4 Uhr nachts mit der Großmutter, um die Gäste bewirten zu können.

Zum Fest kommt die ganze Familie zusammen und wir sitzen alle um einen großen Teller, auf dem sich die köstlichsten Speisen befinden. Es gibt kein Besteck, denn man isst mit den Händen oder wischt den Teller mit Brot aus.

In 2 Monaten ist es den Marokkanern tatsächlich gelungen, die jahrelangen Bemühungen meines Vaters, mir Tischregeln beizubringen, zunichte zu machen.

Ein paar Mal habe ich mit meiner Gastmutter Sanna gekocht, um es später Zuhause selber kochen zu können.

Abi bestanden und trotzdem wieder in der Schule

Theresa im Freiwilligenprojekt

Den ersten Monat arbeite ich in Sale in einer Kindereinrichtung. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen übernehme ich die Ferienbetreuung. Wir basteln Papiervögel, pflanzen kleine Blumen, wir stellen Schildkröten aus Salzteig her oder spielen in der Sonne Fußball. Es ist aufregend und neu, weil keines der Kinder französisch spricht. Wir verständigen uns mit Händen und Füßen, so gut es eben möglich ist.

In Deutschland hatte ich Englisch und Französisch gelernt. Im Gegensatz zu anderen Freiwilligen (Muttersprachlern) habe ich es aber anfangs schwerer, weil beide Sprachen fremd für mich sind. So bin ich besonders in den ersten Tagen schnell müde, da ich mich ständig unheimlich konzentrieren muss. Aber schon nach kurzer Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Ich lerne Freiwillige kennen die nur französisch sprechen, wodurch ich gezwungen bin, auch französisch zu reden, was meinen Sprachkenntnissen sehr gut tut. Irgendwann fange ich an, in der anderen Sprache zu denken oder zu träumen.

Den zweiten Monat arbeite ich als Englischlehrerin in Sale. Ich unterrichte Jugendliche von 13 bis 18 Jahren. Vorher hatte ich gemischte Gefühle, weil ich selber erst 18 geworden war. Respektieren sie mich, wo ich doch in ihrem Alter bin? Aber meine Bedenken verfliegen gleich zu Beginn. Am ersten Tag schauen mich ca. 15 Augenpaare an und warten darauf, dass ich sie unterrichte. Mit solcher Euphorie habe ich nicht gerechnet und das auch noch in den Ferien. Welches deutsche Kind kommt in seinen Ferien freiwillig zum Unterricht? Die nächsten Wochen vergehen wie im Flug. Gemeinsam verbringen wir Tage am Strand. Ich lerne ihnen Schmetterling zu schwimmen, was sie sehr beeindruckte, denn viele haben nie richtig schwimmen gelernt. Einen anderen Tag organisiere ich ein gemeinsames Frühstück, zu dem jedes Kind etwas von zu Hause mitbringt. Im Gegenzug werde ich nach der Schule von Schülern zum Essen mit ihrer Familie eingeladen. So laufen wir einmal 30 Minuten durch die pralle Mittagssonne, um zum Haus einer Schülerin zu gelangen. Dort werde ich wie ein Staatsbesuch empfangen, liebevoll und herzlich.

Unter Marokkanern

Chefchchuan

Ich liebe es mit Freunden in einem kleinen Cafe marokkanischen Minztee zu genießen aber auch allein durch die engen Gassen der Medina zu streifen, mit Händlern einen kleinen Plausch zu halten oder Preise zu verhandeln (letzteres gelingt mir immer besser und ich zahle immer weniger zu viel). Durch mein europäisches Aussehen falle ich auf und komme mit den Menschen schnell ins Gespräch. Mit der Zeit kenne ich die Händler und sie mich, so kann ich mein Französisch aufpolieren und einige Wörter Alltagsarabisch aufnehmen.

An den Wochenenden reise ich mit anderen Freiwilligen oder Marokkanern auf eigene Faust durch das Land. So entdecke ich mit unterschiedlichsten Reisebegleitern Témara, Agadir, El Jadida, Chefchaouen, Tanger, Asilah, Meknès und Fès.

Sofort wieder

Mit Freunden in Meknes

Mein Aufenthalt in Marokko verging wie im Flug. Ich habe wunderbare Menschen getroffen, seien es die Freiwilligen aus aller Welt, die Marokkaner oder die Mitarbeiter der Organisation vor Ort. Besonders schwer fiel mir der Abschied von meiner Klasse und meiner Gastfamilie, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Ich bin stolz, dass ich den Mut hatte mich alleine auf den Weg zu machen, allen Bedenken zum Trotz. Ich verbinde meine Reise mit der Hoffnung, dass mein Einsatz auch meinen Schülern etwas gebracht hat.

Vor allem aber hat es meine deutsche Sichtweise auf die Dinge ein bisschen gelockert. Auf meinem Rückflug fielen mir neben den geduldigen Reisenden eine deutsche Familie auf, die sich kräftig über die Flugverspätung empörte. Denn ist es mir vorher nie so aufgefallen, aber liegt es in unserer Natur sich lautstark über Alles und Jeden zu beschweren. Mein Rat: Die Dinge locker nehmen, ihr werdet es nicht glauben aber es lebt sich um einiges leichter.

Theresa Lindner

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