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"Du fährst in die Mongolei? Bist du verrückt?"

Das bin ich

Veterinärmedizin und Deutsch unterrichten in der Mongolei von Fanny Naccache

Das war das Erste, was ich zu hören bekam, als ich davon sprach, dass ich mich entschieden hatte, für 2 Monate in die Mongolei zu fahren. Ich informierte mich etwas über die Mongolei und bekam heraus, dass Ulan Bator (von den Einheimischen liebevoll als „UB“ bezeichnet) die kälteste Hauptstadt der ganzen Welt sei. Vor allem sollte die Zeit von Dezember bis Februar am kältesten sein (etwa -45°C in der Nacht und -30°C am Tag). Das war jedoch kein Grund, der mich davon abhielt, von Mitte Januar bis Mitte März das Land der Pferde mit Tschingis Khan und der Gobi Wüste zu erobern.

In den ersten Wochen des Eroberungsfeldzuges erkundete ich die Hauptstadt Ulan Bator. Ich lebte in einer netten Gastfamilie mit 2 Kindern und arbeitete im ersten Monat bei einem lokalen Tierarzt. Der Kulturschock war enorm! Als erstes sollte man die Essensgewohnheiten der Mongolen erwähnen: Manieren wie in Europa gibt es nur bedingt. Du bekommst nur ein Messer, nur einen Löffel oder nur eine Gabel, und sollst damit beim Essen zurechtkommen. Das Essen besteht meist nur aus Reis oder Nudeln, gemischt mit Möhren, Kartoffeln und Hammelfleisch. Das Ganze wird in einem großen Kochtopf mit sehr viel Öl erhitzt und gekocht. Süß essen die Mongolen kaum. Wenn sie dann doch mal einen Nachtisch zu sich nehmen, dann ist es pure mongolische Butter, gemischt mit etwas Zucker.

Das Gute an der Mongolei ist, dass jeder Tag ein Abenteuer ist. Es fängt morgens mit der Busfahrt an. Die Busse sind nur auf mongolisch beschriftet, haben keinen Zeitplan und sind meistens sehr voll. Auch das Entziffern der Speisekarte im Restaurant mit russischen Buchstaben, sowie den Stadtplan im Kopf zu haben, um dem Taxifahrer, der fast nie Englisch spricht, den Weg beschreiben zu können, waren alltägliche Hürden. Um nicht nur diese täglichen Aufgaben zu meistern, sondern um auch etwas zu reisen, wollte ich nicht nur Englisch können, sondern auch ein bisschen Mongolisch lernen. Ich musste viel Geduld haben und die Zeichensprache sehr gut beherrschen.

Hier reite ich auf einem Kamel

Zu einem der Ausflüge, die ich meistens mit anderen Freiwilligen machte, gehörte Terelj, ein etwa 30 km von Ulan Bator entferntes Naturschutzgebiet. Dort kann man Felsenformationen sehen, und auf Pferden und Kamelen reiten. Außerdem gab es auch ein Observatorium im Süden der Stadt. Wir mussten 45 Minuten lang bei -35°C, ohne uns wirklich zu bewegen, dort stehen. Die Belohnung war ein kurzer Blick auf den Saturn und andere Sterne.

Ende des ersten Monats entschieden ich mich mit einem anderen Freiwilliger, vier Tage in einer Nomadenfamilie zu leben, und mit sechs Familienmitgliedern in einer Jurte mit drei Betten zu übernachten. Diese vier Tage waren für uns zwar relativ hart (es gab keine Sanitäranlagen und keine Privatsphäre),dennoch waren sie äußerst interessant und aufregend. Die Familie besaß 150 Schafe und Ziegen, 10 Kühe, 6 Yaks und ein paar Pferde. Leider kamen wir nicht zum reiten oder zum melken, da wir im tiefsten Winter dort waren. Die Pferde lebten in Freiheit und die Kühe hatten nicht gekälbert und hatten daher keine Milch. Dafür konnten wir aber bei der Wasserherstellung aus Schnee, beim Nudeln und Brot backen zuschauen, und die Tiere füttern. Habt ihr schon mal versucht, 150 Schafe individuell zu füttern, ohne dabei von ihnen zu Boden gerissen zu werden? Das war für uns Unerfahrene sehr kompliziert!

Sanddünen

Ich erlebte auch das „Tsaran zan Fest“, welches im Februar stattfand. Bei diesem Fest geht es darum, alle Familienmitglieder zu besuchen, und so viel Buuz zu essen, wie möglich. Buuz sind gefüllte Teigtaschen mit Hammelfleisch und ein paar Gewürzen. Es schmeckt eigentlich ganz lecker, nur muss man mindestens 3 Stück pro besuchte Familie essen. Da wir sehr viele Familien besucht hatten, musste ich etwa 50 Stück an einem Tag essen, neben all dem anderen Essen, den Süßigkeiten und dem Milchtee. So lernte ich viel Neues über die mongolische Kultur, Geschichte und Küche kennen.

Nach zwei Monaten wechselte ich mein Projekt und fing an, in einer Deutsch-Mongolische Schule zu arbeiten. Es machte sehr viel Spaß, und mir wurden auch sehr viele Aufgaben zugeteilt, sodass nie Langeweile aufkam. Ich lernte dort auch viele neue Leute kennen, die ebenfalls gut Deutsch sprachen, sodass ich nun nicht nur mit englischsprechenden, sondern auch mit deutsprachigen Leuten ausgehen konnte.

Außerdem konnte ich an einem Deutschprojekt der Schulen in UB teilnehmen, was 8 Lehrer mit etwa 150 Schülern in einem großen Camp führten. Es gab 3 Plätze für sportliche Aktivitäten und 2 große Gebäude: eines war die Schule, und ein zweites Gebäude hatte mehrere Schlafzimmer und eine Kantine. In der Anlage verteilt gab es viele Räume, wo den Schülern die verschiedensten Aktivitäten angeboten wurden: Tanzen, Tischtennis, ein Karaoke - Raum, ein Computerraum, eine Sporthalle, Theaterräume, Kletterräume, sowie ein kleines Museum aus der sowjetischen Zeit.

Als letzte Reise vor der Rückkehr hatte ich beschlossen, mit 3 weiteren Freiwilligen und Muugii, einer Mitarbeiterin von Projects Abroad, in die Gobiwüste zu fahren. Die Zugfahrt dauerte 11 Stunden und wir legten etwa 450 km zurück. In Seinshand fanden wir einen Jeepfahrer, der uns 2 Tage lang durch das Land fuhr. Es ging zu den lokalen Museen, den Sanddünen, den buddhistischen Klöstern, Grotten, dem buddhistischen Notfallzentrum, einem kleinem „Wüstenwald“ und auch zu einer Nomadenfamilie. Wir fanden erneut die Möglichkeit, auf Pferden und Kamelen zu reiten. Der Höhepunkt war das Traben mit den Kamelen in den Sanddünen. Es war einfach wunderschön! Hoffentlich werde ich bald wieder in die Mongolei reisen können.

Fanny Naccache

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