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Emotionen im Klassenzimmer

Senegal _ Englisch unterrichten

Unterrichten im Senegal von Lisa Meier

Hitze, Sand, Staub, uralte Autos, die noch als Taxis dienen. Vollbeladene Kutschen, bei denen ein altes Blechfass den Sitz darstellt und Obsthändlerinnen, die vorbeifahrenden Autos ihre Ware anpreisen. Ich bin angekommen im Senegal. Und das ist der erste Eindruck, den ich mit vier weiteren Freiwilligen aus Kanada, Amerika und Japan gewonnen habe.

Zusammen mit einem Betreuer von Projects Abroad geht es mit dem Taxi nach einer Übernachtung in der Hauptstadt Dakar nach St. Louis, wo mein Projekt stattfindet. Trotz der anstrengenden Reise und des doch immer größer werdenden Kulturschocks, sind wir alle mit Vorfreude dabei und nähern uns unserem Ziel. Für mich ist das die Grundschule. Dort verbringe ich die nächsten vier Monate und teile mit den Kindern einen meiner größten Schätze: Die englische Sprache! Da ich Fremdsprachen liebe und mich schon immer für Afrika interessierte, habe ich mich nach dem Abitur für einen Freiwilligendienst im Senegal entschieden, bei dem ich die Landessprache Französisch mit dem Unterrichten von Englisch verbinden kann.

Endlich in der 170.000 Einwohnerstadt St. Louis angekommen, werden wir, sichtlich erschöpft, zu unsere Gastfamilien gebracht. Die Spannung steigt: Wo wohne ich die nächsten Monate?

Ich teile mir mit der am gleichen Tag angereisten Kanadierin ein Zimmer: schlicht, zwei Einzelbetten und ein Schrank. Wir haben Glück, da wir über ein eigenes Bad mit einer fließend Wasserdusche, einer Toilette und einem Waschbecken verfügen. In meiner Familie leben insgesamt drei Erwachsene, die Eltern und die Schwester der Mutter, sowie ein Junge von sechs Jahren und zwei Mädchen von fünf und einem Jahr.

Senegal _ Englisch unterrichten

Eine Woche vor meiner Abreise ist dann noch ein weiteres kleines Mädchen auf die Welt gekommen. Zum Essen kommen dann meistens noch die zwei Brüder der Mutter – zu Mittag gibt es jeden Tag mehr oder weniger das Gleiche, nämlich das Nationalgericht „Thieboudienne“. Das ist Fisch mit Reis und Gemüse. Dieses Gericht kann auf drei verschiedene Arten zubereitet werden, wodurch Abwechslung besteht. Am Abend gibt es dann wechselnd westlichere Gerichte wie Omelett, Salat oder Nudeln.

Die ersten Tage in St. Louis sind natürlich besonders aufregend. Angefangen vom Einführungstag, bei dem uns Projects Abroad mit der Umgebung bekannt macht. Schön ist auch, dass wir Neuankömmlinge das alles zusammen erleben und uns somit auch besser kennen lernen. Am zweiten Tag werde ich vom Leiter der Organisation abgeholt und zu meinem Projekt begleitet. Ich unterrichte für vier Monate in einer Grundschule Kinder zwischen 8 und 12 Jahren im Fach Englisch. Der Direktor führt mich durch jede meiner neun Klassen und stellt mich den Lehrern sowie vor allem den Schülern vor. Als Hilfe zur Vorbereitung bekomme ich von ihm zwei kleine Hefte, die zeigen, was die vorherigen Freiwilligen unterrichtet haben. Zum Glück habe ich mich schon zu Hause sehr auf den Unterricht vorbereitet und habe mir zum Beispiel Bilder, Landkarten und weiteres Anschauungsmaterial ausgedruckt.

Ansonsten wäre es wirklich schwierig geworden, da in jeder meiner Klassen ca. 60 Kinder sind und somit nicht für jedes Kind ein Blatt kopiert oder ausgedruckt werden kann. Deshalb habe ich viel mit Spielen oder an der Tafel mit Bildern gearbeitet sowie sie in Gruppenarbeit zuerst überlegen lassen, bevor wir die Ergebnisse dann an der Tafel auf verschiedene Art und Weise gesammelt haben.

Senegal _ Englisch unterrichten

Über diese Wege haben wir dann zum Beispiel die Themengebiete Vorstellen der eigenen Person, das Alphabet, die Familie, Sport, Tiere, die Zahlen und die Jahreszeiten mit dem jeweiligen Wetter auf Englisch behandelt. Besonders am Anfang ist es eine große Herausforderung mit den vielen Kindern in so einem kleinen Klassenzimmer, wo sich ca. drei Kinder auf eine kleine Schulbank drücken, klar zu kommen.

Aber schon nach einer Woche ist es für mich normal gewesen. Manchmal helfen die Lehrer auch mit und sorgen für Ruhe. In den vier Monaten, die ich dort verbracht habe, bin ich natürlich auch hin und wieder zur Trösterin bei Kindersorgen geworden, was mir aber überhaupt nichts ausgemacht, sondern mir nochmals gezeigt hat, wie sehr mich die Kinder nach einer gewissen Zeit ins Herz geschlossen haben.

Denn Vertrauen zu fassen ist dort nichts Selbstverständliches. Schockierend für mich ist, dass die Lehrer ihre Schüler dort noch schlagen, wodurch diese immer schüchtern sind. Da ich das aus Deutschland natürlich nicht kenne, haben mich Fragen wie: „Warum schlägst du uns eigentlich nicht?“ schon überrascht und sprachlos gemacht. Doch anstelle mich schweigend umzudrehen und nichts zu sagen, habe ich diese Frage als Anlass genommen und fast in jeder Klasse gesagt, dass sie bei mir nie Angst haben müssen. Ebenso können sie bei Sorgen oder Kummer immer zu mir kommen. Als ich das gesagt habe, sind die Kinder mir gegenüber nochmals offener geworden. Jedes Mal hat es mein Herz zum Strahlen gebracht, wenn ich die funkelnden Kinderaugen sehe. Es ist wunderbar, wenn ich das Klassenzimmer betrete und es überall ruft: „Hello hello!“ und sie ein Lachen im Gesicht haben. Jeden Tag wird mir einfach immer wieder aufs Neue gezeigt, wie sehr meine Arbeit von den Kindern und auch von den Lehrern geschätzt wird. Egal wo mich die Kinder sehen, sei es im Schulhaus oder auch privat auf der Straße, wird mir zugerufen oder wild zugewunken. Das macht mich immer noch glücklich und lässt mein Herz strahlen, wenn ich nur daran zurück denke.

Senegal _ Englisch unterrichten

Nach ungefähr der Hälfte der Zeit sind wir Freiwillige noch für eine zweite Aufgabe angefragt worden. Es geht darum, welche fünf Helfer sich bereit erklären würden, jeweils eine Schülergruppe eines Gymnasiums für einen Englisch-Wettbewerb vorzubereiten. Nach etwas zögern sage ich doch zu und beginne ungefähr sieben junge Menschen im Oberstufenalter fit zu machen. Viel Training und großer Ehrgeiz zahlt sich aus, und nach überstandener Vorrunde dürfen wir ins Finale einziehen. Ich bin sehr stolz gewesen! Diese jungen Menschen des Englisch-Clubs sind mit der Zeit schon lange nicht mehr nur meine Schüler gewesen, sondern meine Freunde, die ich ins Herz geschlossen habe. Durch diese Verbundenheit haben wir es nach nochmaliger Vorbereitung dann auch gemeinsam geschafft. Wir haben den Englisch-Wettbewerb in beiden Teilen gewonnen und nehmen den Sieg und somit den ersten Platz mit nach Hause.

Da ist die Freude natürlich groß. Ich habe mich einfach super wohlgefühlt in meiner Gruppe, weshalb ich auch mein ganzes Herzblut in diese Arbeit gesteckt habe. Voller Dankbarkeit fallen mir alle Mitglieder des Englisch-Clubs um den Hals. Ein Mädchen, Khoudia hat mich als Dank sogar an einem Sonntag zu sich nach Hause zum Essen eingeladen und mir dort die traditionellen Zöpfe geflochten, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Die Grundschule und das Gymnasium sind somit mein Alltag gewesen, aber auch außerhalb meiner täglichen Aufgabe habe ich noch viele andere tolle Dinge erleben dürfen. Sehr schön ist, dass durch die Freiwilligentreffen, die mindestens zweimal pro Woche stattfinden, schnell Kontakte geknüpft werden können und zwar zu Menschen aus der ganzen Welt: Australien, Kanada, Amerika, Italien, Frankreich, Irland, Schweiz und natürlich auch Deutschland. Alles ist vertreten. Somit haben die deutsche Nicole und ich zum Beispiel mal einen Tagesausflug in einen Vogelpark unternommen, der von einem netten Touristenführer ab St. Louis angeboten wird. Ein anderes Mal haben sich mehrere Freiwillige für einen Wochenendausflug zu einer Safari zusammengeschlossen.

Auf dem Weg dorthin haben wir auch noch den ältesten Baum Senegals besichtigt, den Baobab (Affenbrotbaum). Auf der Rückfahrt ist dann noch ein Stop an einem bekannten Dorf eingelegt worden, bei dem Muslime und Katholiken auf engem Raum in einem Dorf harmonisch zusammen leben. Dort sind wir mit einem Führer hindurchgeführt worden.

Dieser Ausflug ist ja schon echt klasse gewesen, aber der Wochenendausflug in die Wüste ist mit nichts zu toppen. Wir haben zuerst an einem super schönen Stand angehalten und in der Wüste dann in einer Zeltstadt übernachtet.

Senegal _ Englisch unterrichten

Eine weitere tolle Aktion ist unser „Modelauftritt“ auf einem Laufsteg gewesen. Projects Abroad ist von einer Schneiderin angefragt worden, ob es Freiwillige gibt, die am „Tag der Frau“ ihre Mode präsentieren: „Meine“ Mädels und ich lassen diese coole Aktion nicht aus. Bei den Anproben darf jeder erst einmal alles anprobieren, bevor wir uns dann für drei verschiedene Outfits festlegen. Es gibt drei Durchgänge: Traditionelle Kleidung, Alltags- und Abendkleidung. Am Tag der Fashionshow läuft alles wie am Schnürchen – nur dass der Strom irgendwann ausfällt, das sorgt für kurzes Geschrei im Publikum - die Einheimischen kennen das, wir dürfen mit Kerzen unseren dritten Durchgang fortsetzen. Das war einfach großartig.

Außerdem würde ich sagen, dass wir Laien-Models den professionellen senegalesischen Models starke Konkurrenz geboten haben und das auch ohne Modelausbildung (ok, vielleicht sollte ich fairerweise dazu sagen, dass wir barfuß gelaufen sind und die anderen High Heels angezogen haben).

Es gibt noch einen Bestandteil meines Lebens in St. Louis – den katholischen Gospelchor. Durch Zufall bin ich dort hineingeraten und bin dankbar für die wunderbare Zeit, die ich mit meinen senegalesischen Freunden dort verbracht habe. Mir sind Kirche und Singen auch zuhause wichtig sind, daher hat mir das bis zum Eintritt in den Chor schon gefehlt. 80 Prozent der Menschen im Senegal sind Muslime und am Anfang habe ich gar nicht gewusst, dass es überhaupt Katholiken gibt. Meine Aufnahme in den Chor hat meine Zeit in St. Louis nochmals um 100 Prozent verschönert. Jede Woche wird geprobt und am Sonntag im Gottesdienst gesungen. Ebenfalls habe ich das Glück gehabt, das Osterfest mit einer Chorkollegin und ihrer Familie zu verbringen. Dort haben wir gegessen und bei einem Tanzabend am Ostersonntag mit allen anderen Chormitgliedern gefeiert. Die Menschen haben mich mit ihrer Freude und Liebe begeistert und berührt. Als ich sie zum ersten Mal singen gehört habe, sind mir die Tränen gekommen, denn so etwas Gefühlvolles habe ich noch nie gehört.

Senegal _ Englisch unterrichten

Leider jedoch neigt sich jedes Abenteuer einmal seinem Ende zu. All die lieben Menschen aus meiner Zeit in St. Louis, haben mir meinen Abschluss so schön wie möglich gestalten wollen. Der Gospelchor etwa hat ein Abschiedsfest vorbereitet, bei dem wir gesungen und getanzt haben. Mir werden auch Geschenke überreicht. Viele Menschen haben mir für mein Engagement und meine offene Art gedankt, mit der ich den Chor bereichert habe.

Ebenso der Englisch-Club des Gymnasiums organisiert eine Abschiedsfeier, bei der wir unseren gemeinsamen Erfolg in Worte und in Bildern nochmals Revue passieren lassen. Die Grundschule habe ich mit meinen kleinen süßen Schülern mit einer ganz besonderen Überraschung verlassen. Meine Mama ist am Ende noch zu Besuch gekommen und hat 1.600 Kugelschreiber, die große Firmen im Bodenseekreis gespendet haben, für meine Schüler mitgebracht. Zusammen mit Stickern und Fleißbildchen bekommt nun am Ende jedes Kind drei Kugelschreiber. Da ist die Freude natürlich groß, aber nicht nur meine Kinder werden überrascht, sondern auch ich. Gegen Ende überreicht mir der Leiter ein gebatiktes Kleid, das mich an die Zeit dort erinnern soll. Ich war wirklich zu Tränen gerührt, dass mir so viel Dank entgegen gebracht wird.

Ich weiß nun, was mir im Leben wirklich wichtig ist und was ich alles verändern oder erreichen kann. Schon mit kleinen Dingen kann ich dazu beitragen, dass es anderen ein Stück besser geht und ich mit einem Lächeln oder einem lieben Wort mehr bewegen kann, als ich es eigentlich vermute. Somit bleibt mir am Ende nur zu sagen: „Au revoir“ St. Louis, see you soon again.

„Wohin du auch gehst, gehe mit ganzem Herzen.“ (Konfuzius, chinesischer Philosoph)

Lisa Meier

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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