Feedback
You seem interested in our projects! Care to tell us more?
Das mache ich gern! Nicht jetzt, danke.

You are from: United States, Go to our American website.

aide humanitaire
Ruf’ uns an:
+49 ­(0)30 2345 7223
info@projects-abroad.de

Südafrika: Ein Land voller Kontraste und Widersprüche – mit Naturschönheiten und Menschen, die man einfach lieb bekommt

Südafrika Unterrichten Freiwilliger

Unterrichten in Südafrika von Werner Berger aus Blonay (Schweiz)

Südafrika Unterrichten Schule

Mein Projekt liegt nun schon fast 3 Monate zurück. Und dennoch erscheint es mir, als sei es erst gestern gewesen. Die Erinnerungen sind noch immer prägnant und täglich präsent. Am liebsten würde ich morgen wieder hinfahren! Bereits bei meiner Entscheidung, nach 42 Jahren in leitender Funktion eines Großunternehmens frühzeitig in Pension zu gehen, hegte ich mich mit dem Gedanken eines Freiwilligenprojektes im Ausland. Während meiner beruflichen Karriere hatte ich einige Seminare organisiert und dabei auch immer gerne unterrichtet. Beim Einstieg in die neue Lebensphase als 61-jähriger Frühpensionär war für mich klar: Eine Freiwilligentätigkeit musste Unterrichten und die Arbeit mit Kindern verbinden.

Südafrika Unterrichten Unterricht

Südafrika wurde bald zu meinem Traumbestimmungsland, wofür ich mich letztlich aus drei Gründen entschied: Ich kannte das Land nur oberflächlich von einem beruflichen Kurzbesuch und mich hatten die Geschichte des Landes, sowie dessen Entwicklung und Führungspersönlichkeiten (allen voran Nelson Mandela) auf dem Weg von der Apartheit zur Gleichberechtigung schon immer fasziniert. Außerdem konnte Projects Abroad einen Projektrahmen vorschlagen, welcher meinen Vorstellungen am besten entsprach.

Südafrika Unterrichten Aquarium

Es war also geplant, dass ich Englisch unterrichten würde, und mit dieser Grundidee flog ich nach etwas Vorbereitung und einigen Büchern im Gepäck nach Kapstadt. Die Unterstützung vom lokalen Projects Abroad Team war von der 1. Minute meiner Ankunft an bis zum Ende großartig und sehr professionell: Abholung am Flughafen, Transfer zur Gastfamilie, dann Einführung im Projects Abroad Büro und an der Schule, gelegentliche Kontakte während meines Aufenthaltes und schlußendlich Begleitung zum Flughafen.

Südafrika Unterrichten Computer

Das lokale Projects Abroad Team erwies sich stets hilfsbereit und äußerst innovativ im Organisieren von Wochenend- und anderen Tätigkeiten für sämtliche Freiwillige – dies mit dem Ziel, uns Freiwilligen möglichst viele Türen zu öffnen zum Erkunden der landschaftlichen, kulturellen, ja kulinarischen Seiten von Kapstadt im speziellen und des Landes im Allgemeinen. Diese Möglichkeiten trugen viel dazu bei, unter den Freiwilligen einen guten Zusammenhalt zu schaffen.

Südafrika Unterrichten Frühstück

Um Kapstadt und dessen nähere Umgebung kennenzulernen, brauchte ich nicht lange: Ich verliebte mich von der 1. Minute an in diese Stadt und ihre multikulturellen Facetten. Und da ich das Glück hatte, mein Projekt noch mit ein paar Wochen Herumreisen zu verbinden, geschah die Metamorphose zum Südafrikaliebhaber fast automatisch!

Südafrika Unterrichten Grundschule

Meine Gastfamilie besaß ein großes Haus in Parkwood, ca. 45-60 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Zentrum von Kapstadt. Die Schule war in knapp 5 Minuten zu Fuß erreichbar. Meine Gastfamilie hatte seit Beginn ihrer Zusammenarbeit mit Projects Abroad gegen 100 Freiwillige aus der ganzen Welt beherbergt. Ihre große Erfahrung, Gelassenheit und Flexibilität waren eine große Hilfe, um sich bei ihnen sofort zuhause zu fühlen und einen guten Einblick in das Alltagsleben der Südafrikaner zu erhalten.

Zu meiner Zeit waren wir zwischenzeitlich 9 Freiwillige, alle zwischen 17 und 27 Jahre alt – außer mir! Dies war jedoch nie ein Thema unter uns Freiwilligen. Mein Altersprivileg erlaubte es mir sogar, ein kleines Einzelzimmer belegen zu dürfen, derweil die anderen in 2er-Zimmern untergebracht waren. Das Abendessen – meist leckere, relativ gesunde, lokale Gerichte – wurde immer zusammen mit allen Freiwilligen und der Familie eingenommen; eine super Gelegenheit, unsere Tageserfahrungen auszutauschen. Das Frühstück bereitete sich jeder selbst. Desgleichen das Mittagessen, das meist aus dem im Kühlschrank gerade Verfügbaren zusammengestellt und zum Projekt mitgenommen wurde. Das Haus meiner Gastfamilie war weit bekannt für seine Philosphie der „offenen Tür“ und dadurch ein beliebter Treffpunkt am Abend oder für einen Braai (südafrikanischer Barbecue) mit anderen Freiwilligen, die bei Familien in der näheren Umgebung untergebracht waren.

Im Unterrichts-Projekt wurde ich einem Lehrer einer 6. Grundschulklasse (11-14-Jährige) mit 39 Schülern zugeteilt. Die Kinder kamen alle aus ärmlichen, oft auch sozial schwierigen Verhältnissen. Obschon für Englischunterricht „vorgemerkt“, hatte ich letztlich die Möglichkeit, bei sämtlichen Fächern den/die Lehrer zu unterstützen oder gar den Unterricht zu leiten. Dies erlaubte mir, Selbstinitiative zu entwickeln und in Absprache mit dem Klassenlehrer gewisse Zusatzthemen vorzuschlagen oder vorzubereiten. Mit anderen Worten, ich unterrichtete auch Kunst, Naturwissenschaften, Wirtschaftslehre, Mathematik, Geschichte, Geographie, usw. Dazu führte ich die Klassen ein paar Mal in den Computerraum, welcher von den lokalen Lehrern selten oder nie benutzt wurde.

Als Teil einer naturwissenschaftlichen Lektion wurde mir erlaubt, der Klasse einen ganztägigen Besuch ins Ocean-Aquarium von Kapstadt zu sponsern. Mit eingeschlossen war ein äußerst animierter Workshop über Fische, der vom Personal des Aquariums geleitet wurde, nachdem wir das Thema vorgängig in der Klasse behandelt hatten.

Ein anderes „Highlight“ meiner Unterrichtserfahrung: Den Kindern etwas Französisch zu lehren, inklusive einem Lied. Dies war insofern ein Erfolg, als es mir gelang, die gesamte Klasse ausnahmsweise über mehr als 5-10 Minuten bei höchster Motivation zu halten. Ansonsten war es teilweise etwas frustrierend, zu erleben, wie undiszipliniert die Schüler im allgemeinen waren und welch geringe Konzentrationsfähigkeit sie an den Tag legten. Tröstend für uns Freiwillige war, dass auch die einheimischen Lehrer oft ihre liebe Mühe hatten, einen geordneten Unterrichtsablauf mit den „girls and boys“ zu gewährleisten.

In der 1. Woche meines Projektes an der Schule standen 2-3 Prüfungen pro Tag auf dem Programm. Ein großer Stress sowohl für die Kinder wie auch den Klassenlehrer. Um diesen zu entlasten, übernahm ich viele Korrekturarbeiten – oft mit Abfassen der (fehlenden) Prüfungslösungen, die dann auch von den Lehrern der Parallelklassen benutzt wurden.

3-4 Mal während meines Unterrichtprojektes durfte ich für einen abwesenden Klassenlehrer einspringen. Eine nicht einfache, aber dennoch höchst interessante Erfahrung, da meistens kein Unterrichtsprogramm vorhanden war, und deshalb viel Improvisations- und Kreativitätsfähigkeiten verlangt waren. Das intellektuelle Niveau der Kinder in den einzelnen Klassen schwankte enorm. Punktuelle, individuelle Unterstützung wäre so dringend notwendig gewesen – sowohl für diejenigen Schüler, die das Potenzial zu einem anspruchsvolleren Lehrprogramm gehabt hätten, wie auch und vor allem für jene, die große Mühe mit elementaren Dingen bekundeten – Lesen, Grammatik beim Schreiben, usw. Hierzu waren die Klassen aber einfach zu groß, und die Lehrer überfordert.

Es war deshalb immer eine große Genugtuung, wenn sich dank meiner Hilfe der Knoten bei einem Schüler plötzlich löste und dies mit einen glücklichen Gesicht oder einem freundlichen Lächeln quittiert wurde. Denn, ja, auch ich habe mich natürlich manchmal gefragt, ob mein Einsatz nicht in einem krassen Gegensatz zum erreichten Resultat stand. Nur, ich glaube, es ist letztlich nicht sinnvoll, sich nach dem „Tropfen auf den heißen Stein“ zu hinterfragen. Gewissheit ist, dass auch mit ein paar Tropfen bei einigen Kindern etwas Positives und Nachhaltiges erreicht werden kann! Und gerade deswegen bereute ich schon relativ früh während meiner Tätigkeit in Südafrika, „nur“ knapp einen Monat an dieser Schule unterrichten zu können. Denn es hätte noch soooo viel zu tun gegeben! Vielleicht wird mich diese Erkenntnis dazu bewegen, im nächsten Jahr bei einem ähnlichen Projekt mitzumachen!

Abschließend als Gedenkanstoß für zukünftige Freiwillige im Unterrichts - Projekt: Dein Einsatz und das erreichte Resultat werden davon abhängig sein, wie stark Du Dich engagieren willst, wie viel Eigeninitiative Du entwickelst, um mehr als „nur“ eine administrative Unterstützung für die Lehrerschaft Vorort zu sein! Zudem möchte ich meiner Hoffnung Ausdruck geben, mit meinem Erfahrungsbericht eventuell auch bei potenziellen Freiwilligen meiner Altersgruppe (60+) mögliche Ängste oder Vorurteile genommen zu haben. Gerade unsere Generation kann wichtige Ingredienzen zu einem, für alle Parteien erfolgreichen Freiwilligenprojekt mitbringen: Lebenserfahrung, Reife, Menschenkenntnis.

Viel Glück und vor allem viel Spaß!

Werner Berger

Mehr zum Unterrichten in Südafrika

Mehr zum Unterrichten

Mehr zu Südafrika

Weitere Erfahrungsberichte

Ruf' uns an:
+49­ (0)30 2345 7223
Global Gap Auslandsjahr
Nach oben ▲