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Lebenslanges Lernen und viele interessante Begegnungen

Tansania-Unterrichten-Gastfamilie

Was bringt eine ehemalige Lehrerin dazu, drei Monate lang an einer afrikanischen Schule Englisch zu unterrichten? Das war in erster Linie mein Interesse an fremden Kulturen, die Überzeugung vom lebenslangen Lernen und mein Wunsch, etwas von der langjährigen Berufserfahrung weiterzugeben. Mit Projects Abroad fand ich eine Organisation, die erfreulicherweise Freiwillige jeden Alters in verschiedene Projektorte der Welt vermittelt. Dass ich Ort, Dauer und Tätigkeit selbst bestimmen konnte, kam mir sehr entgegen. An meinem 63. Geburtstag startete ich nach Arusha, einer Stadt mit 340 000 Einwohnern im Norden Tansanias.

Bei der Ankunft wurde ich von einer Mitarbeiterin von Projects Abroad in Empfang genommen, und kaum saßen wir im Taxi, bekam ich ein Handy in die Hand gedrückt, mit dem ich meinen Lieben zuhause die sichere Ankunft mitteilen konnte – sehr entlastend und wohltuend!

Tansania-Unterrichten-Kinder

Meine Unterkunft für die folgenden drei Monate war ein Zimmer in einem Haus mit schönem Vorgarten, unweit vom Stadtzentrum. Es gab ein Badezimmer mit Dusche und fließend warmem Wasser, außerdem eine westliche Toilette. Der Strom fiel nur selten aus, und wenn, dann wurde umgehend eine Kerze gebracht. Die Familie bestand aus vier weiblichen Mitgliedern: die 36-jährige Mutter mit ihrer 8-jährigen Tochter und der 17-jährigen Nichte, dazu eine 14-jährige Haushaltshilfe.

In Absprache mit der Familie gestaltete ich mein Zimmer zu einem Wohlfühlraum. Ich war angekommen und fühlte mich nun als „bibi“ (Großmutter) zur Familie zugehörig und respektiert. So genoss ich das für mich richtige Maß zwischen Unabhängigkeit und tansanischer Familienzugehörigkeit. Die Verpflegung war perfekt: Obst zum Frühstück und zwei wohlschmeckende warme Mahlzeiten am Tag mit viel Gemüse – sehr lecker und bekömmlich. Die Gerichte „Makande“ (Mais und Bohnen) und „Pilau“ (gewürzter Reis mit Fleischstückchen) begann ich zu lieben und koche es gern auch in Deutschland.

Tansania-Unterrichten-Schule

Der morgendliche halbstündige Fußweg zur Schule erwies sich als echter Muntermacher. Unzählige Menschen waren unterwegs, zu Fuß, im vollgestopften ständig hupenden „Daladala“ (Kleinbus) oder auf dem „Pikipiki“ (Motorradtaxi). Um die Hauptstraße zu überqueren, lernte ich zu warten – selbst am Fußgängerüberweg – bis sich eine Gruppe gebildet hatte. Gemeinsam gingen wir los, nachdem ein Autofahrer signalisiert hatte, dass er halten würde. Der Straßenverkehr war ein echtes Abenteuer. Die Autofahrer verständigten sich untereinander durch Hupen, nahmen sich gegenseitig die Vorfahrt, drängelten sich in die noch so kleinste Lücke. Dabei beeindruckte mich besonders, dass niemand sich aufregte oder schimpfte.

Aus den Geschäften in den unbefestigten, staubigen Nebenstraßen ertönte bereits am Morgen laute Gospelmusik, davor standen Menschen herum, allein oder in Gruppen. Mir gefiel die gelassene Geschäftigkeit. Alle waren mehr oder weniger tätig, aber nicht hektisch. Für die landesüblichen Begrüßungsrituale nahm man sich immer Zeit – auch mir gegenüber.

Tansania-Unterrichten-Lehrerfortbildung

Die Menschen in Tansania sind sehr kontaktfreudig und lieben es, Begrüßungsformeln auf die verschiedenste und ausführlichste Art und Weise auszutauschen. Wenn ich als „Mzungo“ (Weiße) dann richtig auf Swahili antwortete, waren sie begeistert und immer interessiert an einem Gespräch. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen hat mich immer wieder beeindruckt, besonders vor dem Hintergrund der weitgehenden Armut. Wenn ich eine Frage hatte oder Hilfe brauchte, stellte sich immer jemand zur Verfügung. Und wenn ein Problem nicht sofort gelöst werden konnte, fand sich unter den Herumstehenden mit Sicherheit eine Person, die Englisch sprach und weiterhalf.

Mein Arbeitsplatz war eine private Vor- und Grundschule mit ca. 120 SchülerInnen, davon ca. zwei Drittel Waisen. Ich unterrichtete Englisch in den drei Klassen der Grundschule. Die Lerngruppen waren überraschend klein und lagen zwischen 10 und 24 Kindern.

Tansania-Unterrichten-Freiwillige

Der Einblick in das tansanische Schulwesen war für mich zunächst gewöhnungsbedürftig. Alles unterschied sich von dem, was ich aus meiner langjährigen Schulpraxis kannte: Schulgebäude, Ausstattung der Klassenräume, Unterrichtsmethoden und –organisation und der Umgang mit den SchülerInnen. Schwierig fand ich den ständigen Unterrichtslärm aus den Nachbarklassen. Weil es keine Zimmerdecken und keine Türen gab, war es, als säßen die anderen Klassen mit im Raum. In den Vorschulklassen wurde durchweg die Methode „schreiend vorsprechen, schreiend im Chor nachsprechen“ angewandt. Konzentration war in diesem Umfeld schwer, und ich entwickelte mehr und mehr Verständnis für die Lernschwierigkeiten vieler SchülerInnen. Manchmal wich ich auf den Schulhof aus, um ungestört unterrichten zu können.

Mit einem Lehrer traf ich mich einige Male, um für seinen Unterricht methodische Alternativen zu entwickeln. Nach einiger Zeit konnte ich Kontakt zu einer weiteren Grundschule mit interessierten Lehrkräften aufbauen. In Einzelbesprechungen wurde Unterricht nach- und vorbereitet, und in meiner letzten Arbeitswoche lud ich eine Gruppe von vier Lehrkräften aus beiden Schulen zu mir nach Hause zu einer privaten Lehrerfortbildung ein. Das war ein erfreulicher Abschluss. Die Einladung zu einem Besuch in einem Ausbildungszentrum für Montessori Lehrer mit Teilnahme an einer Pädagogik-Vorlesung für 50 Studenten bedeutete für mich noch eine besondere Freude.

Tansania-Unterrichten-Kirche

Das religiöse Selbstverständnis der Menschen in Tansania hat mich beeindruckt. Gottvertrauen und Gebet sind fester Bestandteil ihres Lebens, und der sonntägliche Besuch des Gottesdienstes in Festtagskleidung ist selbstverständlich. Vielleicht erklärt sich von daher die Freundlichkeit und Zuversicht der Menschen trotz der schwierigen Lebenssituation, ebenso die Motivation und Energie für die vielen privaten Initiativen im Großen und Kleinen. Alle Personen, die ich als aktiv und engagiert in ihrem jeweiligen Umfeld kennen gelernt habe, bekannten sich zu ihrem Glauben.

Nach zweieinhalb Monaten war Urlaub angesagt. Mein Lebensgefährte flog aus Deutschland ein, und gemeinsam ging es für neun Tage auf Safari: Natron-See, Serengeti, Ngorongoro-Krater, Tarangire-Nationalpark… Welch eine Freude, die Schönheiten der afrikanischen Landschaft und Tierwelt erleben zu können!

Die verbleibenden zwei Tage in Arusha waren gefüllt mit herzlichen Verabschiedungen, letzten Einkäufen und Koffer packen. Der Rückflug verkürzte sich aufgrund der Zeitumstellung um erfreuliche zwei Stunden.

Die ersten Wochen zuhause? Nicht ganz einfach, angesichts des trüben Novemberwetters und der menschenleeren Straßen. Afrikanische Musik, Fotos und Aufzeichnungen halfen, mit dem „Kulturschock rückwärts“ zurechtzukommen. Außerdem war längst die Idee entstanden, noch einmal für ein paar Wochen hinzufahren und das Begonnene fortzusetzen.

Tansania-Unterrichten-Safari

Häufig werde ich gefragt, welche „Spuren“ die drei Monate in Tansania bei mir hinterlassen haben. Da ich nicht mehr berufstätig bin, kann ich nur von persönlichen Auswirkungen sprechen: Das Leben und Arbeiten in Tansania hat mich auf eine unermessliche Weise bereichert. Das Eintauchen in eine derartig fremde Kultur stellt eine intensive geistige Herausforderung dar, wie ich sie mir für meinen Ruhestand gewünscht habe. Gemäß dem Prinzip des „lebenslangen Lernens“ beschäftige ich mich weiterhin mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen des Landes und der neu erlernten Sprache Swahili. Es war mir gelungen, einen Teil meiner beruflichen Erfahrung weiterzugeben, und was blieb, war ein positives Gefühl und die Freude über die vielen interessanten Begegnungen.

Was ist von Tansania geblieben? Ein geschärfter Blick für die ungerechte Verteilung der Güter in der Welt, für das konfliktfreie Zusammenleben verschiedener Stämme und Religionen, für interessante kulturelle Eigenheiten, für die notwendige Verbesserung der Lehrerausbildung – und der Entschluss bald wieder hinzufahren…

Irmgard ist Lehrerin und hat an unserem Programm für ausgebildete Freiwillige teilgenommen, an Projects Abroad PRO („PRO“ steht für „Professional“).

Irmgard Damm

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Dieser Bericht basiert auf individuellen Erfahrungen des/der Freiwilligen im Projekt und ist eine Momentaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Bitte beachte, dass sich unsere Projekte in stetigen Wandel befinden und kontinuierlich auf die sich verändernden Bedürfnisse unserer Partnergemeinden zugeschnitten werden. Projektetappen werden nach und nach fertiggestellt und darauf aufbauend neue begonnen. Auch saisonale Wetterbedingungen im Zielland haben einen großen Einfluss auf unsere Projekte. Darum können deine Tätigkeitsbereiche und persönlichen Erfahrungen im Projekt von den Schilderungen in diesem Erfahrungsbericht abweichen. Für weitere Informationen über das, was dich im Projekt erwartet, schaue dir die Projektseite an oder lass dich von unseren Mitarbeiter/innen im deutschen Büro beraten.

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