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Ein etwas anderer Urlaub

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Archäologie - Praktikum in Rumänien von Tania G.

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Archäologie hat mich schon immer fasziniert. Mit meinen 49 Jahren bin ich schon etwas in der Welt herumgekommen und die Chance, an einer Ausgrabung teilzunehmen, hätte mich in jedes beliebige Land getrieben. Es war also keine bewusste Entscheidung, nach Rumänien zu gehen, sondern schlicht die einfachste Möglichkeit, die ich finden konnte, und die ich in meinem letzten Urlaub endlich verwirklicht habe. Um es vorweg zu nehmen: Sowohl die Wahl des Projektes als auch des Landes haben sich als richtig gut erwiesen! Selten habe ich einen Urlaub als so anregend, befriedigend und entspannend erlebt, trotz – oder sogar wegen des körperlichen Einsatzes und der nicht immer komfortabelsten Randbedingungen. Ich habe Gastfreundschaft genossen, einen Teil der Vielfalt Rumäniens kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und wieder einmal festgestellt, in welch bequemen Wohlstand wir leben.

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Als mich Alex von Projects Abroad am Flughafen von Bukarest abholte, hat alles gut geklappt. Gut drei Stunden später bekam ich in Brasov eine Unterkunft bei Alex’ Mutter, mit der ich dank ihres guten Englisch interessante Gespräche z. B. über das Arbeitsleben in Rumänien führen konnte. Am nächsten Tag hatte ich Zeit für eine touristische Stadterkundung. Das hat sich sehr gelohnt!

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Einen Tag später wurde ich mit einer weiteren Freiwilligen auf die lange Fahrt an unseren ersten Einsatzort geschickt, der Transfer mit Bahn, Bus und Taxi wurde per Handy überwacht, bis wir unterwegs unseren Betreuer Kornel trafen. Da konnte nichts schiefgehen. Am späten Nachmittag lernten wir in Sarmizegetusa die anderen vier Freiwilligen aus England, USA, Frankreich und Deutschland sowie die rumänischen Archäologen kennen. Nicht zu vergessen Lassie, den Wachhund, der unsere Mahlzeiten immer mit einem lautstarken Brummen begleitete. „Ein kluger Hund“, so Professor Piso, „Archäologen beißt er nicht“.

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Für den Rest der Woche halfen wir bei einer Ausgrabung in der römischen „Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacia Sarmizegetusa“. Unter Anleitung von Kornel oder einem anderen Archäologen putzten wir Mauern, schabten mit Kellen den Boden ab und folgten dabei verschiedenen Bodenschichten … so gut es eben ging. „Kornel, ich kann hier kein hell- und dunkelbraun sehen, das sieht für mich alles gleichbraun aus.“ „Aber der Boden da hat doch eine andere Körnung!“ „Wirklich???“ Ein schönes Gefühl, dabei auf kleine Scherben und Knochen zu stoßen, keine großartigen Funde, aber eben selbst ausgegraben!

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Kaum hatte ich mich an den frühen Rhythmus (Aufstehen um 6 Uhr) gewöhnt und erste freundschaftliche Kontakte geknüpft, zog Kornel mit uns weiter in den Norden des Landes. Der Transfer mit öffentlichen Bussen dauerte wieder viele Stunden. In Porolissum, einem Limes Kastell, fand die dritte Kampagne einer rumänisch-ungarisch-deutschen Lehrgrabung statt. Dadurch erlebten wir nicht nur die typischen archäologischen Grabungsarbeiten, sondern hatten auch Gelegenheit, naturwissenschaftliche Methoden wie geomagnetische Messungen oder das Auswaschen von Bodenproben für archäo-biologische Untersuchungen kennenzulernen. Ich bürstete Tonscherben, beobachtete die Arbeit der Restauratoren und sah, wie die Grabung mit 3-D Kameras aufgenommen und ausgewertet wurde. Alles unglaublich interessant! Die Tage waren ausgefüllt mit Eimer schleppen, Steine stemmen, Schubkarren fahren, mit der Spitzhacke oder Kelle die Erde bearbeiten, Wände und Boden säubern, damit das nächste Foto verwertbar ist. Wir lernten, Kleinfunde zu registrieren und freuten uns an dem ein oder anderen schönen Fund wie einer Brosche, einer Münze oder einem Würfel, egal, wer ihn aus dem Boden geholt hatte. Absurde Theorien über den Zweck des Gebäudes aufzustellen war für die Studenten und Freiwillige ein Heidenspaß!

An den Abenden gehörte Porolissum der kleinen Mannschaft, die im Camp auf dem Berg übernachten konnte. Ich empfand das als großes Privileg, die nächsten Dörfer sind einen guten Fußmarsch entfernt, die nächste Stadt eine halbe Stunde mit dem Auto. Himmlische Ruhe, wunderbarer Sternenhimmel, was störte es da, dass man nur warmes Wasser zum Duschen hatte, wenn jemand zwei Stunden vorher das Feuer unter dem Boiler angezündet hatte? Wir kochten abends selbst und ich lernte endlich, mit einem Feuerzeug Bierflaschen zu öffnen – das abendliche „Socialising“ war zuweilen ein bisschen ausufernd…

Mir gefiel es in Porolissum so gut, dass ich in drei Wochen nur zweimal mit nach Zalau fuhr und nur einmal in eines der Dörfer gelaufen bin. Ich war so herrlich entschleunigt – und am Ende der Grabung heilfroh, dass sich der Abschied von den verbliebenen beiden Freiwilligen noch ein paar Tage hinauszögerte, da wir gemeinsam nach Cluj fuhren. Nach dem Projekt hatte ich noch etwas Zeit zum Reisen und schaute mir gemütlich Cluj, Alba Julia, Sibiu, Bran, Rasnov und Sinaia an, bevor Alex mich wieder an den Flughafen fuhr.

Noch ein Hinweis zum Abschluss: Die Archäologie-Praktika verlaufen sehr unterschiedlich, man ist manchmal mitten in einer Stadt und manchmal weit abgelegen irgendwo in der Provinz. Die Unterkünfte sind dementsprechend auch recht unterschiedlich, ebenso die Verpflegung, sowie die Möglichkeit zum Wäschewaschen und Einkaufen. Alle Planung kann kurzfristig über den Haufen geworfen werden, weil staatliche Mittel nicht auszahlt werden und eine Grabung verschoben wird. Der Projektbetreuer ist dafür aber umso dynamischer und setzt alles in Bewegung, um einen anderen Einsatz und Unterkünfte zu organisieren. Gelassenheit und Flexibilität gehören also ins Gepäck, im Austausch gibt es Abwechslung, ein bisschen Abenteuer und viel Neues zu entdecken!

Tania G.

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