Feedback
You seem interested in our projects! Care to tell us more?
Das mache ich gern! Nicht jetzt, danke.

You are from: United States, Go to our American website.

aide humanitaire
Ruf’ uns an:
+49 ­(0)30 2345 7223
info@projects-abroad.de

„Mata satutui“ heißt „ich bin glücklich“

sri-lanka-gastfamilie

Englisch Unterrichten auf Sri Lanka, von Ariane Gienger

Tränen laufen mir übers Gesicht, als ich mit Abschiedsgeschenken beladen zum letzten Mal die Auffahrt zum Parkplatz hinab laufe. Vor der Kurve schaue ich ein letztes Mal zurück. Mit ernster Miene blicken meine Schüler mir nach. Still und betroffen. Dabei sind sie sonst weder das eine noch das andere. Sie sprühen vor Energie. Ihre Lebensfreude ist riesig und unglaublich ansteckend. Zusammen sind wir weit gekommen in den letzten vier Monaten: Sie haben gelernt, die Uhr auf Englisch zu lesen, dass die Schwester ihres Vaters „aunt“ heißt, „Betty Botter“ in weniger als 5 Sekunden aufzusagen und für die Zukunft „will“ zu verwenden. Und ich? Ich habe gelernt, was Glück ist.

Ich habe es gefunden – zwischen Flashcards und Galgenmännchen, umgeben von jungen buddhistischen Mönchen, den herzensguten, großzügigen, glücklichsten Menschen, die ich kenne.

Dabei kann in einem Tempel zu unterrichten zunächst einschüchternd wirken: Es fühlt sich komisch an, dich mit vor der Brust zusammengelegten Händen vor einem Abt zu verbeugen, und dann verrenkt auf dem Boden zu sitzen, darauf bedacht, dem Mönch nicht die Füße und der Buddhastatue nicht den Rücken zuzustrecken. Es kann anstrengend sein, mit interessiertem Gesichtsausdruck einer Unterhaltung zu lauschen, die klingt wie „lalaralaralala“, während das eine Bein unangenehm kribbelt und aus dem anderen bereits jegliches Gefühl gewichen ist. Alles, was du tun kannst, ist zu lächeln, wenn du angeschaut wirst, und zu hoffen, dass du nicht aus Versehen etwas unhöfliches tust.

sri-lanka-freizeit

Die Nervosität während meiner ersten Tage im Tempel bezog sich vor allem auf all die Formen und Regeln, die in diesem Land so selbstverständlich sind, und von denen ich größtenteils noch nicht einmal gehört hatte. Und auch als ich am ersten Tag zum Tempel gebracht wurde und dort nicht den Lehrer, dem ich hätte assistieren sollen, sondern statt dessen von einer Horde neugieriger, kleiner Jungen in Mönchsgewändern und den Worten „This is your class. Have fun.“ begrüßt wurde, musste ich zunächst schlucken.

Meine Schüler allerdings nahmen mir schnell jegliche Unsicherheit. Begeistert folgten die Jüngeren dem Unterricht, während die Ältern zwar häufig erst kurz vor Schluss auftauchten, dann allerdings noch eine Stunde länger blieben – einfach, um zu reden. Mit Händen und Füßen, Geräuschen und Zeichnungen, englischen und singhalesischen Worten. Oder natürlich um mit Dackelblick und lautstarkem „Please! Teacher! Pleeeease! Wakawaka!!” so lange zu betteln, bis ich ihnen vorsang.

Dass ich ihre Regeln nicht kannte, fanden meine Schüler selbstverständlich schnell heraus. Doch anstatt dies respektlos zu finden, wie ich befürchtet hatte, freuten sie sich. Bald wurde ich eingeweiht in allerlei „Geheimnisse“, wie heimliche Malzeiten oder heimliches Musikhören. Meist endeten solche Geständnisse in großem Gelächter beiderseits – von ihnen, über mein offensichtliches Nichtbegreifen der Ernsthaftigkeit ihrer Vergehen, und von mir, weil es einfach komisch ist, wenn ein kleiner, kahlgeschorener Junge in roter Robe dir mit gesenkter Stimme, blitzenden Augen und großer Heimlichtuerei gesteht, dass er eigentlich nach 12 Uhr mittags nichts mehr essen darf, allerdings gestern Nacht Hunger hatte und deswegen aufs Tempeldach geklettert ist und dort heimlich Mangos gepflückt und gegessen hat.

sri-lanka-unterrichten

Auch die Zeit mit meiner Abendklasse, die aus Schulkindern, Studenten und dem Postmaster bestand, war eindrücklich. Noch immer ist die absolute Stille, mit der meine Schüler der ersten Unterrichtsstunde folgten, sehr stark in meinem Gedächtnis verankert. Niemals zuvor bin ich mir so sehr wie eine Autoritätsperson vorgekommen. Vollkommen verloren haben sie diesen – in meinen Augen übersteigerten – Respekt nie. Allerdings ist das Eis schnell gebrochen, nachdem sie festgestellt haben, dass ich noch nicht einmal dann furchteinflössend wäre, wenn ich wollte, und vor allem, dass man bei mir nicht für Fehler bestraft, sondern ganz im Gegenteil für jeden Versuch am Ende der Stunde mit einem Spiel ihrer Wahl belohnt wird.

Auch von ihnen fiel der Abschied schwer. Sie hatten eine Zeremonie vorbereitet. Der Abt überreichte mir ein 2000fach gesegnetes Armband. Gemeinsam rezitierten meine Schüler einen ihrer typischen Sprechchöre, mit dem sie mir eine gute Reise und eine glückliche Zukunft wünschen. Anschließend wollen sie alle meine Unterschrift auf den Klassenfotos, die ich mitgebracht habe. Und wieder, wie schon so oft, versprach ich, bald zurück zu kommen.

Ein weiteres großes Highlight meiner Zeit hier ist natürlich das Land selbst. Zusammen mit meiner Mitbewohnerin und Inzwischen-guten-Freundin Lianne bereiste ich an den Wochenenden die ganze Insel. Gemeinsam erklommen wir Adam’s Peak, liefen zu Fuß ans Ende der Welt, kletterten die 1000 Stufen zur Felsenfestung Sigiriya hinauf, ließen zwischen strahlend blauem Himmel, Palmen, Sonne, weißem Strand und Wellen die Seele baumeln und erschufen während all dem eine Freundschaft, von der ich weiß, dass sie noch lange bestehen wird.

Genauso werde ich noch lange bei „home“ an das kleine Haus auf dem Hügel denken und mich mit einem Lächeln an Joe und Ariya, die wundervollsten Gasteltern der Welt, erinnern. Zuhause ist dort, wo dein Herz ist, und ein Teil meines Herzens bleibt hier. Hier in dem Hügelstädtchen Kandy, zwischen Palmen und Smog, Affen und Straßenhunden, Reis und Curry, Tuktuks und Hupen, Freiwilligen und Mönchen, Vollmondtagen und Meditation, Stromausfällen und Teatime, Englisch und Singhalesisch.

Ariane Gienger

Mehr zum Unterrichten in Sri Lanka

Mehr zum Unterrichten

Mehr zu Sri Lanka

Weitere Erfahrungsberichte

Ruf' uns an:
+49­ (0)30 2345 7223
Naturschutz - Projekt im Ausland
Nach oben ▲